Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1840)
- Date
- 1840-10-10
- Page
- Seite 583 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225119-3225161--03031-3312548- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
o83 ausgezogenen Tochter halt, folgende Stelle, die wir herauszuheben und hier übersetzt folgen zu lassen uns veranlaßt sehen. — „Auf den beim Sturz des Mädchens entstandenen Latm eilt ein Israelit, Namens Jankiel Moskienoiz Krösler, herber und ohne Rücksicht auf den von seiner Religion streng gebotenen Ruhetag, denn cs war Sonnabend, ohne sich zu bedenken, daß er selbst Ehemann und Bater von mehren kleinen Kindern ist, ohne erst sich zu erkundigen, wen das Unglück betroffen hat, und gewiß ohne irgend eine Aussicht auf Belohnung, läßt er sich* an einem Seile in den tiefen Brunnen hinab; doch d^r üble, irrespirable Dunst vom verunreinigten Wasser, den er nicht lange auszuhalten im Stande ist, nöthigt ihn bald, sich schnell wieder hinaufziehen zu lassen. Durch dieses erste Mißlingen seines Unternehmens keineswegs jedoch abgeschrcckt, läßt er sich hierauf zum zweitenmale hinab, obgleich jetzt schon eine große Menge von müssigen Zuschauern sich um den Brunnen versammelt hatte, und holt aus dem in der Tiefe 4jhoch stehendem Wasser das Kind herauf. Die hierauf angestellten Wiederbelebungsversuche blieben leider! fruchtlos. Aber, hat auch der Erfolg nicht der Hoffnung entsprochen, die That des Israeliten bleibt eine edle, von wahrhafter Menschenliebe und Selbstaufopferung zeugende, und der erste Moment des freien Aufalhmens aus dem tiefen Schmerz wird würdig dazu benutzt, dem ehrenwerthcn Israeliten hiermit den öffentlichen Dank darzubringen. -" Sie ersehen aus dieser Thatsache, daß sie zu einen von den vielen in der neuen Zeit bekannt gewordenen Beispielen gehört, welche den Beweis eines heroischen Entschlusses zur Rettung von Menschen bei den Israeliten erhärten. Wir müssen im Sammeln solcher scheinbar unbedeutenden Begebenheiten unermüdet sein, um an die Stelle des verjährten Vorurtheils, als wäre der Israelit der Selbstaufopferung, namentlich für Andersgläubige, unfähig , endlich einmal die feste Ueberzeugung zu begründen, daß gerade unsrer Nation jener Muth, der sich bei Rettung von Menschenleben beurkundet, im höchsten Grade eigen ist. — sMan spricht hier in vielen Kreisen von einer sehr nahe bevorstehenden Organisation der Juden im Königreiche Polen, deren Folgen für die Zukunft gewiß segensreich und für unsre Brüder im Auslande von nicht geringem Interesse sein werden. Allgemein heißt es, daß das Zahlen von s. g. Rekrutengeld gänzlich aufhören und an dessen Stelle aus unsrer Mitte das nöthige Contingent an Soldaten jährlich conscribirt werden wird. Da diese Einrichtung schon in vielen' andern Landern mit gutem Erfolge besteht; so ist vorauszusehen, daß auch bei uns ein ähnliches Statt finden wird. Auch hoffen wir durch diesen wichtigen Schritt, der uns den anderen Glaubensbekennern um eine Stufe naher rückt, auch der einst bevorstehenden völligen Gleichstellung in Uebernahme von Pflichten und Ertheilung von Rechten mit Sicherheit uns zu nähern. Wir sind gewohnt, alle Schritte, die von einer hohen Regierung hier in Betreff der Juden vorgenommen werden, stets zum allgemeinen Besten gelenkt zu sehen, und geben uns daher gerne der Aussicht hin, daß auch diesmal wohlthätige Veränderungen uns bevorstchen, zumal es einer hohen Regierung wohlbewußt ist, daß sie gerade in dem jüdischen Theile ihrer Bevölkerung viele nützliche, betriebsame und treue Unterthanen besitzt.) S. 420 Ihres geschätzten Blattes ist der Name Schistär in F. Schiffer aus Schebrscheschin Ordynackie umzuändern. Dr. I. B. Preußen^ Berlin, 16. Sept. Das Franks. Journ. enthält einen etwas genauern Bericht über den Vorfall in Königsberg, als wir in voriger Nummer gegeben. Er lautet: Nach einer brieflichen Mittheilung aus Königsberg wird uns wieder ein schöner Zug aus dem Leben unseres erhabenen Monarchen geschildert, welcher den Untergebenen deutlich zeigt, daß der König seine Unterthanen von den verschiedensten Confessionen gleich geachtet wissen will. Der KönigSberger Magistrat zählt nämlich unter seinen Mitgliedern auch drei Stadtverordnete und einen Stadtrath, die jüdischen Glaubens sind, und von den Huldigungs- Feierlichkeiten deshalb ausgeschlossen werden sollten, weil sie nicht den gewöhnlichen Huldigungseid leisten könnten. Darüber ungehalten, wendeten sich die Juden an den Ober-Präsidenten v. Schön, der aber auch gleiche Meinung theilte, so daß sie sich genöthigt sahen, mit der unterthänigsten Bitte bis zum theuern Landesvater zu gehen, um an der patriotischen Feier Theil nehmen zu dürfen. Der aufgeklärte Monarch entschied, wie sich erwarten ließ, zu Gun-