Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1840)
- Date
- 1840-10-10
- Page
- Seite 582 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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582 Montefiore und Cremieux vorgclegt, worin sich ihre Bitten und ihre Hoffnung befindet. Sie sind an Uns abgeordnet von der.ganzen Bevölkerung Europas, welche die mosaische Religion bekennt. Sic bitten Uns, zu befehlen, daß Diejenigen ihrer Glaubensgenossen, die in Folge der Untersuchung in Betreff des Verschwindens von Pater Thomas und dessen Diener im Monat Dzy'l Jdge I2'i'r im Gefängnisse sind, in Freiheit gesetzt werden, und daß man Denen, die sich auf der Flucht befinden, Ruhe zusichere. Wir sind der Meinung, daß es Unserer würdig sei, den Wünschen und Hoffnungen der Deputaten von einer so zahlreichen Bevölkerung zu willfahren. Demgemäß befehlen Wir, daß allen denjenigen Juden, die sich im Gefängnisse befinden, die Freiheit gegeben werde. Was diejenigen betrifft, die ihre Wohnung verlassen haben, will ich, daß die grüßte Sicherheit ihnen dahin zurückzukehren verstatte. Alle mögen ihr Gewerbe oder ihren Handel von neuem beginnen, und sich wie früher ihren gewöhnlichen Arbeiten widmen. Wir befehlen, daß Ihr alle Maßregeln ergreift, damit Keiner von ihnen für irgend Jemand Gegenstand einer schlechten Behandlung werde. Ich will, daß sie gegen jedes Ereigniß, was es auch sei, in vollständiger und gänzlicher Sicherheit sind, ganz so, wie vor jenem Borfalle. Das ist Unser Wille!" Wir können dies wol schon ohne große Anmaßung als einen Beweis ansehen, daß die Ueberzeugung ihrer Unschuld vorliegt. Denn Schuldige stellt man wol schwerlich auf freien Fuß, selbst nicht Verdächtige! Weiteres bringt folgender Bericht der L. A. Z. vom 17. Sept.: ES ist gestern noch von Alexandrien ein Brief des Orientalisten Munk eingegangcn, der die Judenangelegenheit wieder in einem neuen Lichte zeigt, und der mir so eben mitgetheilt wird. Nach demselben ist der Deputation noch mehr gelungen. Sie bleibt in Alexandrien, um später, wenn die jetzige Aufregung in Syrien sich gelegt, noch nach Damaskus zu gehen, und zwar mit ausdrücklicher Bewilligung des Pascha, der sie jetzt nur davon zurückgehalten hat, weil er sie dort in diesem Augenblicke nicht genug schützen zu können glaubt. Hr. Munk schreibt zugleich, daß die gefangenen Juden noch vor dem Ferman des Pascha, in dem beiläufig weder von Gnade noch Schuld die Rede ist, durch die Vermittelung des österreichischen Consuls bequemere Wohnungen und Erlaubniß, die Wäsche zu wechseln, erhielten. —. Aus englischen Blättern bemerken wir hier noch, daß auch der Präsident der Verein. Staaten von Nordamerika den Konsul in Alexandrien beauftragt hat, sich zu Gunsten der Israeliten in Damaskus zu verwenden. Rußland und Polen. Warschau, l9. Sept. (Privatmitth.) Der hiesige Courrier No. 247 vom 18. d. M. meldet: Am 44. und 4». d. M. fand die Prüfung der Schüler in der Rabbinenschule im Beisein des Oberaufsehers aller Schulen im Königreiche, des Direktors.des Warschauer Gymnasiums, der Mitglieder des Examinationscomitös, des Warschauer Rabbinen und vieler ehrenwerthen Glieder der hiesigen Gemeinde der Israeliten öffentlich Statt. Die Schüler bestanden die Prüfung in Religion, Talmud, Bibelexegese, der hebräischen, russischen, polnischen und deutschen Sprache, ebenso in der Mathematik, Zoologie, Botanik, Mineralogie, Physik, Chemie, Geschichte und Geographie. Nachdem das Examen beendigt und die Promotionen verlesen wurden, vertheilte der, Öberaufseher Hr. Lewocki an die ausgezeichneten Schüler Prämien und Belobungsschreiben, und an die Abgehenden die Abicurientenzeugniffe aus. Hierauf begab sich das sämmtliche Personal nach der im Schulgebäude eingerichteten Synagoge, und hier ward ein Gottesdienst für das Heil unsres Allcrgnädigsten Monarchen und die höchsten Landesbehörden gefeiert, denen die Israeliten so viel Dankbarkeit für ihren hohen Schutz und ihre moralische Ausbildung schulden, die sie immer mehr zu heben suchen. Wahrend des Gottesdienstes sangen die Schüler eine Danksagungshymne, die Kantate: „Gott schütze den Kaiser" in polnischer und russischer Sprache, ferner ein Halelujah, welches von dem Gcsanglehrer, Hrn. Guckel, zu diesem Zwecke vierstimmig eingerichtet worden. Es folgen nun die Namen der Schüler, die Prämien und Belobungsschreiben erhalten." Der Courrier vom 20. August No. 219 bringt in einem Nachrufe, den ein hiesiger hoher Beamter seiner 12jährigen, am Sonnabend den 8. v. M. Nachmittags um 4 Uhr unglücklicherweise in einen offenen Brunnm gestürzten, von einem Israeliten her-