Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1840)
- Date
- 1840-10-03
- Page
- Seite 576 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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576 in ©einer Thronrede es ausgesprochen und vor Gott und der Welt gelobt hat, daß alle Stände alle Confessionen des gleichen Schutzes und gleichen Rechtes sich erfreuen werden. Or. S. Deutschland. Seesen, 16. Sept. (Privatmitth.) (Wir erlauben uns, folgende Zeilen des von uns hochgeehrten Direktors vr. Wohlwill über den von uns angeregten Gegenstand hierher zu stellen, wenn sie auch nur privatim an uns gerichtet waren. Die Sache liegt uns zu sehr am Herzen, üm nicht ein gewiegtes Urtheil darüber mitzutheilen. Uebrigens bemerke man, daß hier nur die Rede von einer Verbindung industrieller Arbeiten mit einer bestehenden und organisirten Anstalt ist, nicht aber von besonders und eigcnds errichteten Industrieschulen. Wir werden recht bald weitere Bemerkungen und Aufklärungen geben. Neda kt.) Mit besonderm Interesse habe ich Ihre Bemerkungen über die Nothwendigkeit anzulegender Arbeits- und Industrie-Schulen für unsere Jugend gelesen. Mich dünkt, am leichtesten ließe sich in diesem Sinne wirken, wenn man vorläufig neben den bestehenden Jüdischen Schulen und in unmittelbarer Verbindung mit denselben — besondere Arbeitsklassen und Arbeitsstunden, wie dies in mehreren Christlichen Waisenhäusern der Fall ist, anlegte. Diese Beschäftigung bliebe dann für die minder Fähigen — neben dem bloßen Elementar-Unterricht — Hauptsache, könnte aber auch von fähigern und wohlhabendem Schülern mehr oder weniger, mit großem Vortheil für ihre physische Tüchtigkeit, benutzt werden. Die Art der materiellen Hantirungen müßte theils von den örtlichen Gelegenheiten, abhangen, theils müßten dabei die politischen Berechtigungen unserer Glaubensgenossen in den verschiedenen Staaten beachtet werden; denn es ist sicher nicht rathsam, eine Thätigkeit bei der Jugend anzuregen, die in der Folge nicht ausgeübt werden kann. So muß sich der Hamburgische Verein zum Theil wenigstens auf unzünftige Handwerke beschränken. Sonst möchte es bei diesen jugendlichen Vorübungen zur industriellen Thätigkeit weniger auf das Was, denn auf das Wie der Betreibung ankommen; namentlich scheint es mir von größter Wichtigkeit, daß solche Beschäftigungen nicht bloß mit gleicher Pünktlichkeit« und Achtsamkeit wie andere Lehrgegenstände behandelt werden, sondern daß dabei ganz besonders eine jugendlich-heitere Stimmung vorwalte, um Lust und Liebe zum Gebrauch der Körperkräfte zu wecken, was bei gesunden Kindern selten schwer hält. — So weit als möglich suchen wir auch hier in diesem Sinne zu wirken. Das lag auch in dem ursprünglichen Plane des verewigten Stifters, wurde aber leider bald wieder aufgegeben. Die Erziehungsanstalt, hie dies im wahren Sinne des Wortes sein will, wird aber allemal, weil sie jedes Subjekt nach seiner Individualität zu entwickeln hat, einen Theil ihrer Pfleglinge vorzugsweise für materielle Berufsarten vorbereiten müssen; bei Jüdischen Knaben ist dies doppelt Pflicht. Daher nehmen bei uns im Sommer die Turnübungen (an zwei Nachmittagen wöchentlich betrieben) einen angemessenen Platz in dem Lectionsplan ein. Während des Winters gedenke ich unter Trommelschlag marschircn und exerciren zu lassen. Endlich werden die Zöglinge, welche sich dazu eignen, mit zu häuslichen Verrichtungen und zur Mithandhabung der Ordnung angehalten; andere lernen das Papparbeiten oder werden im Garten beschäftigt. Zu Vorübungen im Land- und Gartenbau hoffe ich bald noch passendere Gelegenheit zu erhalten. Sonst hätte ich Ihnen diesmal von hieraus nichts besonderes mitzutheilen, als daß wir am 13. d. die Gedächtnißfeier unseres verewigten Stifters in jdem von ihm erbauten Tempel nach dem eingeführten Ritus feierlich begangen haben. Die vierstimmigen Chöre wurden unter Orgelbegleitung trefflich ausgeführt. Die Predigt behandelte die Frage: „Wie können edle Verstorbene unsere Vorbilder werden?" Text. IV B. Mos. Cap. 23, V. 10. Jmmermehr stellt sich bei uns der günstige Einfluß heraus, den die Verbindung eines eigenen Gotteshauses mit der Erziehungsanstalt hat; und für die Folge läßt diese wohlthätige Vereinigung, unter Gottes Beistand, noch segensreichere Wirkungen hoffen. Jedenfalls hat der unvergeßliche Jacobson allein durch die an hiesigem Orte errichteten Denkmale seines bisher unter uns noch nicht übertroffenen Edelmuths seinem Namen bleibenden Ruhm und den von ihm ange-