Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1840)
- Date
- 1840-10-03
- Page
- Seite 575 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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575 dieses Psalms begann ein aus Männerstimmen gebildeter Chor den 29. Psalm, und während Absingung desselben betraten in geregelter Abstufung ihrer Größe zwölf gleichgekleidete Knaben mit brennenden Wachskerzen versehen die Stufen, die zur heiligen Lade führen,, und bildeten so eine lebendige Dekoration, die einen rührenden Eindruck hervorrief. Hierauf begann der Vorbeter den Gesang sivrs. vr°! f-iNrt und während dessen wurde die heilige Lade geöffnet und die Gesetzrollen zum siebenmaligen Umzuge verabreicht. Nachdem der Vorbeter in ausdrucksvoller Betonung den Vers btnttp gesprochen und der Chor mit 7 sb einsiel, erfolgte der Umzug in ordnungsmäßiger Abwechslung von Greisen, die Gesetzrollen, und Knaben, die Wachskerzen trugen. Während des Umzuges wurde von Vorbetcr und Gemeinde der übliche Gesang t» 7 is:ij gesungen. Der Chor begann hierauf 7 dib pn ibbiT] und inzwischen wurden die Gesetzrollen in die heilige Lade zurückgestellt.— Nach einer kleinen Pause, während der die Umziebenden ihre Plätze einnahmen, trat der Geistliche vor die heilige Lade, und nachdem er die Segensformel gesprochen, vollzog er das Weihegebet, das erschütternd auf Aller Gemüther einwirkte. Der Geistliche verließ diesen Ort nicht, während der Chor gleich darauf den 84. Psalm anstimmte. Mit dem achten Verse hielt der Chor inne, und der Geistliche begann die Einleitung zur Predigt, in der er den bereits gesungnen Theil dieses Psalms als Text der Predigt verlas. Nach der Einleitung setzte der Chor den be gonnenen Psalm fort, und paffend klangen die Worte vom neunten Verse weiter. Hierauf erfolgte die Predigt, in der über die hohe Bedeutung eines jüdischen Gotteshauses gesprochen wurde, und nach Beendigung derselben das Gebet für König und Vaterland, der Segen und endlich der Schlußgesang Psalm 150 vom Lehrer ausgeführt. — Tief ergriffen von der Weihe, die diese Feier beherrschte, verließ ein Zeder das Gotteshaus, und mit bessern Begriffen vom Judenthume schieden die Andersgläubigen aus demselben. Eine deutsche Predigt, in einem jüdischen Gotteshause, von einem Auerbach gehalten, konnte ihre Wirkung nicht verfehlen. Der Redner verstand es, durch seine klare und deutliche Darstellungskrast das Judenthum in seinem wahren, Herz und Seele erfreuenden Lichte erscheinen zu lassen. — Dringenden Anforderungen zufolge wird der Dr. Auerbach nächstens die Predigt erscheinen lassen. — Auch der Cantor Lichtenstein trug durch seine melodische Stimme und seinen angemessenen, würdigen Vortrag viel zur Verherrlichung des Festes bei. Wir haben uns dieses Festes um so mehr zu erfreuen, da es nicht blos eine freudige Rückerinnerung stets für uns sein wird, sondern wir es auch als den Anfangspunkt einer Cultusverbesserung zu betrachten haben. Es ist durch diese Feier der allgemeine Wunsch rege geworden, einen geregeltern Gottesdienst cinzuführen, dessen wesentlichste Bestandtheile Predigt und Choralgesang sein sollen. — Diesen Verbesserungen entgegensetzend schließe ich diesen Bericht mit dem Wunsche, daß der Allgütige alle Werke gelingen lassen möge, die mit frommen Eifer und in einem religiösen Sinn unternommen werden. I. Rosenstein. Elbing, 18. Sept. (Privatmitth.) Ihre Majestäten, der König und die Königin, stiegen bei Höchstihrer Durchreise nach Danzig hicselbst bei dem israelitischen Kaufmanne, Herrn Samuel Aschenheim ab. Es war nemlich Herr Aschenhcim, der sich der allgemeinen Achtung seiner Mitbürger erfreut, von Seiten des Wohllöblichen Magistrats angegangen worden, sein geschmackvoll eingerichtetes Lokal zur Aufnahme des geliebten Herrscherpaares verwenden zu wollen. Sonnabend, den 12. September, Mittags 1s Uhr hielt der königliche Wagen vor dem Hause des Hrn. Aschenheim, woselbst die Deputirten der Stadt und mehrere Ehrendamen sich versammelt hatten, um die Hohen Gäste zu empfangen und in die für Hochdieselben in Bereitschaft gesetzten Zimmer zu geleiten. Sr. Majestät der König äußerten den Wunsch, Wirth und Wirthin zu sprechen. Herr Aschenheim und dessen Gattin hatten das hohe Glück, dem verehrten Königspaare vom Herrn Oberbürgermeister vorgestellt zu werden, und huldreiche Worte entgegen zu nehmen. Auf ausdrückliches Verlangen Sr. Majestät des Königs wurden Herr Aschenheim und dessen Gattin zur Tafel gezogen und es wurde auf diese Weise denselben die hohe Gnade zu Theil, längere Zeit in der beglückenden Nähe des vielgeliebten Regenten und der hochverehrten Landesmutter weilen zu dürfen. Unvergeßlich wird der Tag bleiben, an welchem es einem Israeliten vergönnt war, zur Seite des gerechten Monarchen zu sitzen, welcher