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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-10-03 · Heft 40 (3.10.1840) · p. Seite 574

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 40 (3.10.1840)
Date
1840-10-03
Page
Seite 574 (sequence 10)
Language
German
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574 Dirschau kam, hatte die Untersuchung und Vernehmung in dieser Sache gerade begonnen. Die Vertheidigung des angeklagten Magistrats beruft sich hauptsächlich darauf, daß die Juden, als sie wegen Fuhren und andrer Hülfsleistungen zur Festbereitung in Anspruch genommen wurden, allerlei Entschuldigungen gehabt und nichts gethan hatten. Man ist begierig darauf, wie die Sache entschieden wird. Stolp, 16. Sept. (Privatmitth.) Wahrend die Feierlichkeiten der Huldigung durch unser Vaterland ziehen, haben wir am gestrigen Tage allhier ein zwar minder bedeutsames, für uns aber tief wirksames Fest gefeiert, dessen einige Erwähnung zu thun Sie mir gestatten werden. Noch vor zehn Jahren bildeten die jüdischen Einwohner Stolp's nur ein kleines Jischub, in welchem der Schächter zugleich allen übrigen Gemcindediensten vorstehen mußte; die Funktionen des Cantors, Lehrers und Küsters waren in seiner Person vereinigt. Die Synagoge war in einem Zustande, daß sie diesen Namen kaum verdiente. Durch Vermehrung in sich selbst und durch Niederlassung vieler auswärtigen Familien ist die jetzt nicht unbedeutende Gemeinde entstanden, deren Familienzahl auf ungefähr sechzig sich beläuft, und die fast alle, mit Ausnahme weniger Reichen, dein Mirtelstande angehören. — Ziehen wir nur dasjenige in Erwägung, was während des gedachten Zeitraumes in unserer Mitte Erhebliches zu Tage gefördert wurde, so ergicbt sich's, daß die inneren Verbesserungen immer in einem progressiven Verhältnisse zur äußeren Ausdehnung der Gemeinde gestanden haben. — Constituirung der Gemeinde durch Einführung zweckmäßiger Statuten, Trennung des Lehreramtes von dem des 'Schächters, Besetzung des elfteren mit einem geprüften und von der Regierung bestallten Lehrer, Gründung eines Vereins zur Krankenpflege und zur ordnungsmäßigen Leichenbestattung sind die wesentlichsten Früchte, die in diesem Jahrzehend reiften. — Alle diese Verbesserungen jedoch erhallen nun erst ihren eigentlichen Haltpunkt durch ein Werk, das die Letztzcit ins Dasein gebracht. Ich meine den neu erbauten Tempel in Verbindung mit einem Schulhause, das zugleich Amtswohnungen für Lehrer und Cantor enthält. — Es ist nicht übertrieben, wenn man behauptet, daß wol selten eine Gemeinde mit mehr Liebe und Eintracht als die unsrige zum Bau dieser heiligen Werke geschritten. Einen sichern Beleg zu dieser Behauptung liefert der Umstand, daß dieser Bau erst vor einem Jahre projectirt, mit geringen Vorschüssen aus der Kasse ein, zelner Mitglieder begonnen wurde, und jetzt schon erfreuen wir uns seiner gänzlichen Vollendung. Be, denkt man, daß die Baukosten circa 9006 Thaler betragen, und daß die Gemeinde nur etwa noch den vierten Theil dieses Betrages schuldet, so wird man einen Begriff von den Geldopfern gewinnen, die gebracht wurden. — Verdient nun auch der gute Wille, den die ganze Gemeinde durch die That so deutlich an den Tag legte, die gebührende Anerkennung, so müssen wir doch des Vorstandes, an dessen Spitze der Kaufmann Herr L. Cohn steht, und der Baukommission besonderer Erwähnung thun. Mit dem rühmlichsten Eifer nahmen die, diese Aemter.bekleidenden Männer der Gottessache sich an, und widmeten ihr, mit Hintenansctzung ihrer eigenen Geschäftsangelegenheiten, einen großen Theil ihrer Zeit, und nur diesen Bemühungen konnte es gelingen, daß ein so rascher, ein so glücklicher Erfolg ihr Unternehmen krönte. — Am gestrigen Tage, als Dienstag den 15. September, fand die Einweihungsseierlichkeit des Tempels statt. — Herr Dr. I. Auerbach aus Berlin vollzog bei dieser Feier das Predigeramt, wie der Herr Cantor Lichtenstein aus Stettin das deö Cantors. — Gerne überließ ich eine Schilderung dieser Feier und des Eindruckes, den sie auf die Gemüther sammtlicher Anwesenden hervorbrachte, einer andern gediegenem Feder, die es versteht, den tiefen und heiligen Empfindungen des Herzens das gehörige und schlagende Wort zu verleihen. Ich, meiner Scits, will nur versuchen, die würdige Art und Weise zu beschreiben, wie dieser heilige Akt ausgeführt wurde. — Nach dem, um zehn Uhr Vormittags, die zu dieser Feier Eingeladenen in dem höchst geschmackvoll dckorirten und hellerleuchteten Tempel versammelt waren — es erschienen, unter einer großen Anzahl christlicher Glaubensgenossen, der Magistrat, die Geistlichkeit und viele hohe Civil- und Militärbeamten hiesigen Orts — begann die Feier mit dem Gebete toia sin, das von dem Vorbeter mit einer eigens zu dieser Feier verfaßten Melodie unter Musikbegleitung vorgetragen wurde, und dem die Gemeinde still folgte. Auf gleiche Weise ward hierauf der 15. Psalm abgesungen. — Nach Beendigung

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