Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1840)
- Date
- 1840-10-03
- Page
- Seite 573 (sequence 9)
- Language
- German
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573 item und Betteln hat sich vielleicht hier das Christenthum noch Vorbehalten. Auch der reichste Mann der Stadt, Herr Hirscher, dem man ein Vermögen von etwa 6 Millionen Gulden zuschreibt, ist Jude. Er ist derselbe, der vor zwanzig Jahren in den Zeitungen von sich reden machte. Seine Schwiegertochter wurde von einem stürmischen Anbeter in ihrer Lheaterloge ermordet.". — Prag, 12. Sept. (Privatmitth.) °) Ueber die eigenthümliche Stimmung, die gegenwärtig hier herrscht, will ich Ihnen durchaus Nichts berichten, da ich kein Freund von Unentschiedenem, Ungewissem bin. Nur darauf will ich aufmerksam machen, daß es Zeit wäre, der Nealisirung unsres Wunsches, unsrer bedeutsamsten Absicht in Etwas näher zu kommen, oder daß diese wenigstens nicht vergessen werde. Diese ist: die Gründung eines jüdisch-theologischen Seminars zum Studium der verschiedenen Stufen der jüdischen Theologie. Diese Idee, die seit Ihren Vorschlägen so populair geworden, die sich als unumgängliche Nothwendigkeit immer wieder ausdrängt, ist, so dachten wir von vorn herein, durch die Vereinigung Rapoport's und Sachs' und durch die Berufung noch eines oder einiger bedeutenden Männer, die zur Allseitigkeit und zum Glanze der Anstalt bedeutend beitrügen, und namentlich durch eine praktische Tendenz besonders wirken könnten, leicht zu realisiren, und würde innerhalb der österreichischen Staaten einen ungemessnen Zudrang erhalten. Wir halten uns überzeugt, hat diese Anstalt nur erst einige Konsistenz gewonnen, ist sie aus der Sphäre der Idee nur Etwas zur Wirklichkeit gekommen, sie würde reichlich dotirt, und aus Ungarn und selbst Galizien sich pekuniärer Unterstützung zu erfreuen haben. Wir können Ihnen aber aus sehr guter und zuverlässiger Quelle sagen, daß die Bewilligung zur Gründung der Anstalt von allerhöchster Stelle bestimmt ertheilt würde. Unser Sachs ist gewiß dazu geneigt. Es hängt also insonders von Rapoport ab. Würde nur erst Hand angelegt, und möchten die Verhältnisse nicht wieder verschroben werden, wie es leider! an so vielen Orten geht! *) Nicht von unfern» gewöhnlichen Corresp. Red. Preuße«. Berlin, 18.Sept. (Privatmitth.) Aus zuverlässiger Quelle erfahre ich Folgendes. Zu der Huldigung Sr. Majestät unsres Königs suchten die Aeltesten der Judengemeinde in Königsberg um die Erlaubniß der Theilnahme an der Huldigung nach, da auch die evangelische und katholische Kirche als solche gehuldigt. Sie wurden sowol vom Präsidenten von Schön, als auch vom Minister von Rochow abschläglich beschieden. Sr. Maj. der König nahmen aber das Gesuch huldreich auf, wiesen sie auf den Gottesdienst in der Synagoge an, und bestimmten, daß die Judenschaft in 4 Abgeordneten am Huldigungsakte Theil nehmen, ihnen aber der Eid selbst erlassen sein solle. Also geschah es auch. Jndeß ist in den öffentlichen Akten weiter keine Notiz davon genommen. —. Die Königsb. Zeit, meldet vom 12.: „Die Huldigung des Königs wurde auch in der israeliti, schen Gemeinde durch einen wohlthätigen Akt begangen. An dem Tage, dessen Andenken in dem Herzen jedes Preußen unauslöschlich fortleben wird, wurden sämmtliche israelitische Arme in dem Hospital der Gemeinde bewirthet. Gegen Schluß des Mahles trat der Ober-Aelteste der Gemeinde an die Tafel, und hielt eine ergreifende Anrede, die mit einem Lebehoch für den König schloß, in welches sämmtliche Anwesende aus vollem'Herzen mit einstimmten." —. Die Aeltesten der hiesigen Gemeinde sind eingeladen, am 21. d. den Feierlichkeiten bei dem Einzuge des Königs am Frankfurter Thore auf der Estrade, auf welcher sich die städtischen Behörden brsinden werden, beizuwohnen. Danzig, 1». Sept. (L. A. Z.) Als der König, von Marienburg hierher nach Danzig gehend, bei Dirschau die Weichsel passirte, ward ihm mitten auf der Brücke nicht eine Bitt-, sondern eine Beschwerdeschrift von einer Deputation der jüdischen Einwohner Dirschau's überreicht, worin sie Klage über Zurücksetzung und namentlich darüber führen, daß der Magistrat ihrer Stadt sie nicht zur Theilnahme an den Empfangsfeierlichkeiten eingeladen habe. Diese Beschwerdeschrift, die sehr gut abgefaßt sein und sich auf verheißene Gleichstellung aller Consessionen beziehen soll, übergab der König sogleich dem'betreffenden Landrath, und als ich gestern durch 40 '