Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1840)
- Date
- 1840-10-03
- Page
- Seite 572 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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572 Ist ein geregelter Choralgesang weniger erhebend als eine profane Arie aus irgend einer Oper! Ist das Geschäftszimmer nicht paffender zur Unterhaltung über Cvurs und Waarenpreise als daS Gotteshaus? Muß denn ein Stündchen Plaudern, das einförmige Gemurmel und das laute Plärren unterbrechen! O möchten doch diejenigen, die so denken, daheim bleiben, nicht den Gottesdienst ferner entweihen, und den übrigen, ruhigen Theil in seiner Andacht stören. So mancher Zelote, der über des an einem m® versäumte a^n-rr 28- Gebet in der Synagoge ein Zetergeschrei erheben würde, verlaßt dieselbe an eben diesem r>2D, um auf seinem Comptoir den Geschäften nachzugehen; so sind nun einmal die Frömmler (denn Fromme sind es wahrlich nickt), die auch hier der Ordnung die Unordnung in den Weg legen. Es wäre zu wünschen, daß Herr Di-. S. so manches «('geschafft hatte, welches der Zeit und der wahren Andacht zuwider ist; wer aber möchte die unvernünftigen Schreier noch mehr wecken; mögen dieselben bald das Bessere erkennen, und — schweigen. Mit Vergnügen muß ich noch hier den regen Eifer des jetzigen löblichen Vorstandes, welches außer dem öfters gedachten Hrn. Lamm an den Herrn 58. Meycrson, M. Jacobson, I. Leemann und I. Assur thätige und gebildete Thcilnchmer hat, erwähnen. Möge ihr Eifer für das Gute nicht ermüden; will doch oft der ungebildete, harte Felsen den Lauf des segcnreichen Flusses hemmen; doch er eilet, den Verhinderer unbeachtet lassend, weiter. Und nun, ehe ich meinen Bericht schließe, will ich nur wenige Worte über die Einweihung der Synagoge und di? letzte Consirmations-Feier, die an demselben Tage stattfand, hinzufügen. Tief war der Eindruck in den Herzen der meisten Zuhörer, als die feierlichen Gesänge erschallten, als einige dreißig Jünglinge und Jungfrauen das Gelübde ablegten, ihrer heiligen Religion treu zu leben und zu sterben. Unvergeßlich haben die ergreifenden Worte des Herrn Dr. S. sich in die Herzen eines jeden Zuhörers eingeprägt; ehrfurchtgebietend und feierlich war der Zug mit der reichgeschmückten Tora, von dem Rabbinen und den Vorstehern getragen; mit einem Worte, Alles war erhebend, feierlich, und tief ergreifend. Kein Auge blieb trocken, als der würdige Rabbine die Jugendschaar ermahnte, den Weg des Glaubens treu zu wandeln. So wurde das Einweihungsfest unseres Gotteshauses auf eine wahrhaft erhebende Art gefeiert. Mög«n, so wie dessen äußerer Glanz und Würde erfreuend auf das Auge wirkt, die Worte, die im Innern erschallen, Alle zur Eintracht und Liebe, zur wahren Frömmigkeit und Lugend erwekken; dann ist das Gute erreicht! ^Oesterreich. Von der polnischen Gränze, 8. Sept. Nach den für dieses Jahr veröffentlichten Tabellen belief sich die Einwohnerzahl von Galizien auf 4,763,66t Personen, unter denen 283,34» Israeliten (also ungefähr der 16. Mensch). Diese haben sich in der letzten Zeit im Vergleich mit früheren Jahren, in doppeltem Verhältnisse vermehrt. Trieft, II. Sept. Wenn auch über die inneren Verhältnisse der Gemeinden Berichte von Glaubensgenossen immer den Vorzug verdienen, da sie mit ihrem Gegenstände vertrauter sind, und den jeweiligen Standpunkt selbst inne haben, so ist doch andrerseits oft ein Wort eines Andersglaubenden wichtig, da die allgemeine Stimmung und die Berührungspunkte nach außen daraus klarer hervortreten. Wir nehmen daher auch folgende Worte aus der Z. f. d. eleg. Welt (Ro. 178) über obige Stadt auf: „Ohne Duldung ist kein Welthandel möglich; Leipzig würde um Vieles den Kreis seiner Wirkungskräfte und die Jntension dieser seiner Kräfte erweitern und stärken, wenn es die Juden frei zuließe. In Triest ist dies der Fall und Triest's Bedeutsamkeit ist ohne die Arbeitsamkeit derJudenschast nich in gleichem Maße denkbar. Man zählt von den 60,000 Einwohnern 15,000, also den vierten Theil Juden." — „Das Hervordrängen einer Staatskirche ist hier auf keine Weise fühlbar, und der Umstand, daß nur die römisch-katholischen Kirchen Thürme haben dürfen, gleicht sich hier aus, denn keine einzige Kirche hat einen eigentlichen Thurm, sie sind meistens mit Kuppeln geschmückt." — „Die 15,000 Juden haben ihre fünf Synagogen. Zweifelsohne!') besteht die Judenschaft sammtlich aus Kaufleuten, zweifelsohne sind sie reich, denn ich sehe auf den Straßen nichts von hausirenden Trödlern, das Gau- *) Der Bericht ist von einem Durchreisenden. Redakt.