Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1840)
- Date
- 1840-10-03
- Page
- Seite 571 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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571 jenes, weil dieser oder sener es so geordnet; die Lehrer müssen nothwendig in ihrem Eiftr ermüden, wenn sie überzeugt sind, daß die Anstalt in Gegenwart der Schüler aus kleinlichen Gründen herabgesetzt wird, und doch leistet die Schule, wie >chon oben gesagt, alles, wcrs sie leisten kann und mehr, als jede schwedische Schule unter .solchen Verhältnissen leisten würde, und gewiß, ich spreche es mit voller Ueberzeugung aus, diese Schule ist die Pflanzstätte der Religion; hier wird in die Brust des zarten Kindes der Grund zur Liebe für das Judenthum gelegt; hier lernt die Jugend ihre Religion lieben und jchatzen; hier Hort sie nicht in verächtlichem Ton von ihrem Glauben sprechen; hier umschlingt ein Band der Bruderliebe alle Kinder; hier, sage ich nochmals, ist eine Pflanzstätte des Judenthums. Gottes Lohn dem Manne, der dafür gewirkt. Auch dem Herrn Dr. S. verdankt diese Anstalt viel, mit thatigem Eifer, mit Liebe und Treue schenkt er dieser Anstalt seine Mitwirkung, und sie wird Früchte des Glaubens und der Liebe tragen! Nur unermüdet fortgewandelt auf den zwar etwas rauhen Pfaden, aber der Lohn, er bleibt nicht aus. Der ganze Vorstand der h esigen Gemeinde, wie noch 2 Mitglieder, im Verein mir dem Hrn. Rabbinen, bilden die Schuldirektivn, und unlängst sind die Schul-Statuten in schwedischer Sprache verfaßt und gedruckt erschienen: und wäre es zu wünschen, daß der Geist, der sich darin ausgesprochen, thatig wirken möchte. Dank der edeln Direktion! Möge sie fortfahren in ihrem redlichen Eifer, und die Frucht wird die Mühe reichlich lohnen. Alljährlich ist ein öffentliches Examen; monatlich erhalten die Kinder in Gegenwart der Direction ihre Censurbeweise, die mit Belobung oder Ermahnung begleitet, von einem der Herrn Directovcn den Knaben übergeben werden. Ebenfalls hat sich hier ein Verein edler Frauen gebildet, die eine Mädchenschule stiften wollen, und den zu diesem Zwecke nöthigen Fonds beinahe zusammen haben; auch hierzu hat der Vorsteher, Hr. Lamm, 1000 Rthlr. als Beitrag gezeichnet. Doch jetzt ersuche ich den geehrten Leser, mit mir vereint, die Schwelle unseres Gotteshauses zu betreten, und mit Verwunderung wird er die traurige Statte, von der oben gesprochen, vermissen; ein freundlicher, einfacher und schön verzierter Tempel des Herrn ladet ihn zur Andacht ein; feierliche, erhebende Choralgesange ertönen in den Gott geweihten Hallen; Ruhe, Stille und Andacht herrschen in diesem tiyn cip-:, und mit Vergnügen und Freude ruft er aus: np:^ -pVin* nn! Ja, so ist es jetzt. Durch die Thatigkeit des unermüdlichen Vorstehers Herrn Lamm ist aus der alten verfallenen Synagoge ein schönes Gotteshaus entstanden,^) eine Augenweide für den Besucher. Ein erhebendes Gefühl bemächtigt sich unser, wenn wir mit scheuer Ehrfurcht die Statte des Herrn betreten, und mit Andacht lauschen, wir den Choralgesängen, welche unter Anführung unseres verdienstvollen Cantors, Hrn. Lippmansohn, von 10— 15 Knaben ausgesührt werden. Alles laute Beten, Schreien und Plaudern ist streng verboten; das Versteigern der Mizwot abgebracht; alle Melodien sind bestimmt, und werden nur vom Cantor im Vereine mit dem Chore gesungen. Alle diese Einrichtungen wurden von einem Comitö, an dessen Spitze sich Hr. Dr. S. mit dem Gemeinde- Vorstand befand, getroffen, und nach gehöriger Ausarbeitung als eine Art „Synagogen Agende" dem Drucke übergeben. Keine Neuerung ist vorgenommen, kein Gebet wurde abgeschafft; alles, selbst die unserm Zeitgeiste so wenig entsprechenden uPEte wurden unverkürzt gelassen; nur Ruhe, Andacht und leises Beten wurden nebst Choralgesang angeordnet. Noch besonders lobend und dankend muß Hr. Or. S. erwähnt werden, der mit Vermeidung aller Neuerungen nur das Gute und Erhabene wiederherstellen wollte, und zur allgemeinen Zufriedenheit jetzt jeden Sonnabend von der Kanzel seine beredte Stimme erschallen laßt. Gewiß wird jeder glauben, diese Einrichtung habe keine Spaltung hervorgerusen; hier würde jeder edle, brave, wirklich fromme Israelit seinen Beifall nicht versagen, und doch muß ich mit Schmerz bekennen, daß es auch hier unter einer Anzahl von ungefähr 500 "Seelen (Frauen und Kinder mitgerechnet) so Manchen giebt, der dieser Einrichtung, weil sie gut und zeitgemäß ist, abhold und entgegen ist. Gehört in der Synagoge das laute Schreien zur Frömmigkeit? hört der himmlische Vater nicht das leise Lallen des neugeborenen Kindes? *) Der ganze Bau hat ungefähr eine Summe v. Bco. Rthlr. 18,000 gekostet, zu welcher der edle Herr Lamm einen Beitrag von 5 — 0000 Rthlr. gespendet. E o r r e sp.