Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1840)
- Date
- 1840-10-03
- Page
- Seite 570 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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570 Sorgen der leidenden Brüder und Schwestern zu mildern, denn außer einer nwmp n-mn, welche für Kranke Sorge tragt, gie'vt es hier einen Frauenvcrein, zur Unterstützung armer und bedürftiger Frauen, sowie einen Jünglingsverein, welcher arme Knaben unterrichten laßt, nvthleidende, unverheirathete Männer unterstützet, bei kranken Milgliedern.wacht u. s. w.; außerdem wird jährlich eine nicht unbedeutende Summe, die stets durch Sammlung bei allen Gemeindegliedern herbeigeschafft wird, zur Anschaffung von Holz und Bestreitung der Miethe und zu andern nöthigen Bedürfnissen, gewöhnlich in Summen von 15 — 20 Rthlr. ertheilt. Ueberhaupt wird ein steter, reger Sinn für Wohlthun und Menschenfreundlichkeit bei allen hiesigen Israeliten gesunden, woran Alle mehr oder weniger Theil nehmen, und verdienen die Herren Direktoren und Vorsteher dieser Anstalten den innigsten Dank ihrer Brüder durch die rastlose Thätigkeit, welche sie diesen Vereinen weihen. 3. Der Israelit in Beziehung zu seiner Religion. Hier stellt sich mir ein großes Feld dar, welches ich jedoch so kurz als möglich beschreiben will, um nicht die geneigten Leser Ihres geschätzten Blatteszu ermüden. Traurig, recht traurig sah es noch vor einigen Jahren in Stockholm mit Religion und Judenthum aus, als auch hier der Geist des Bessern erwachte und die Gemeinde sich entschloß, in der Person des Hrn. L)i°. L. Seligmann, einen Rabbiuen, wie ihn der ictzige Zeitgeist fordert, aufzunehmen. Durch diesen Schritt ward wenigstens anfangs so viel gewonnen, daß alle 4 Wochen deutsche Predigt gehalten wurde, wo der Jugend, welche von Gott und Religion so wenig wußte, kräftige Lehren vorgetragcn wurden, Lehren, welche ihnen Glück und Ruhe im Leben verhießen. Mit Liebe und Eifer verkündete I)r. S. das Wort Gottes, lehrte der Jugend die Religion, in welcher sie auch einer öffentlichen Konfirmation unterging, die mit Gesang und üblicher Feierlichkeit vor sich ging, aber noch immer war an gewöhnlichen Sabbattagen das Gotteshaus öde; Unordnung, Geräusch und Andachtlvsigkeit herrschten jm Heiligthum; schwarz und unfreundlich war die Wohnung des Herrn, und leicht verflog der Schimmer von Andacht, welchen die herzlichen Worte un-* fers würdigen Rabbinen erweckten. — Keine Lehranstalt fand sich, in welcher den Kindern von Jugend auf Unterricht in der Religion, hebräischer Sprache und in den Wissenschaften ertheilt wurde; die israel. Knaben waren in christlichen Schulen zerstreut; immer mehr nahm die Gleichgültigkeit gegen Judcnthum, Religion und Gottesfurcht zu; und nur eine kurze Zeit noch in diesem traurigen Zustande fortgelebt, hätte das Judenthum in Stockholm vergehen oder verdorren lasten; aber der Herr schläft und schlummert nicht, er erweckt den Helfer in Israel. Auch hier ließ er einen Mann auftreken, der von Gemeindegeist beseelt, das Gute und Nützliche wollte und auch bewirkte. Der Name dieses Mannes ist: Herr Vorsteher A. L. Lamm. Er war es, der mit Eifer vor drei Jahren eine israel. Lehranstalt gründete, bei welcher unser würdiger Herr Nab. Dr. S. Oberlehrer ist; außerdem sind noch 2 israel. und 4 christliche Lehrer bei dieser Anstalt angestellt. Außer dem hebräischen Unterrichte, welcher sich bis zum Uebersetzen des und der Gebete erstreckt, in Verein mit hebr. Grammatik, werden die Landessprache, die schwedische, die deutsche, französische und lateinische Sprache gelehrt; ferner wird in Geschichte, Geographie, Rechnen, Schreiben, Zeichnen, Singen, Religion und biblischer Geschichte Unterricht ertheilt. Die Schule ist in 3 Klassen getheilt und zählt jetzt ungefähr 40 Knaben, beinahe alle schulfähigen Kinder der hies. Gemeinde. Daß die Lehranstalt ihr Entstehen und ihre Existenz dem thatigen Eifer des Vorstehers, Herrn Lamm, zu danken hat, habe ich schon oben erwähnt, und diese Stiftung, die er mit nicht unbedeutenden Geldbeiträgen unterstützt, hat ihm gewiß den größten Dank aller edlen und guten Israeliten allhier verdient gemacht. Sie werden zwar fragen, welche Früchte trägt diese Anstalt, und mit Wahrheit kann ich Ihnen antworten, daß sie alles das leistet, was sie unter den Verhältnissen, in welchen sie sich befindet, nur leisten kann. Anfangs hatte dieselbe nicht allein mit schwachen Mitteln zu kämpfen, sondern das Vornrtheil war auch gegen sie; nun sind zwar beide Hindernisse beseitigt, aber ein anderes stellt sich jetzt dem kräftigen Gedeihen dieser Anstalt hindernd in den Weg, und dieses ist: der Mangel am wahren Gemeinsinn für dieses Institut. Die Eltern schicken zwar ihre Kinder in die Schule, und sind auch mit den Leistungen derselben nicht unzufrieden, wie Schreiber dieses fest überzeugt ist, und doch tadeln sie bald dieses, bald