Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1840)
- Date
- 1840-10-03
- Page
- Seite 569 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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569 näheren Beleuchtung der Stellung unserer Brüder in Schweden, und hauptsächlich in Stockholm zu liefern. — Ehe ich zur näheren Erörterung übergehe, bin ich Ihnen wie Ihren werthen Lesern eine Erklärung meiner Stellung sowol im bürgerlichen als religiösen Leben schuldig, indem oft beides die Wahrheit und Nichtigkeit eines Berichtes besser in's rechte Licht setzet; ich gehöre dem Kaufmannsstande an, und zähle mich noch mit Stolz unter die sogenannten Altgläubigen, die zur wahren Aufklärung ein Vonsichwerfen aller Ceremonial-Gesetze nicht nothwendig halten;'— und. nun zu meinem Berichte. I. Der Israelit als Bürger. Was die politische Stellung des hiesigen Israel betrifft, so kann ich leider! nicht viel Erfreuliches sagen; zwar hat die löbl. Regierung vor ungefähr zwei Jahren ein Gesetz") erlassen, welches einer Emancipation der Israeliten ähnlich sah; aber nur der Buchstabe des Gesetzes findet sich; der Geist, das Leben mangelt noch. Gewerbefreiheit' besitzt der Jude; er kann Handel treiben, Handwerke üben, aber nur Patentmeister werden, indem die Alles beengenden Innungen sich hier hemmend in den Weg legen. Die allgemeinen Ansichten über das Judenthum, verbunden mit Vorurtheil, Neid und Mißtrauen, herrschen leider noch hier, so gut wie an vielen andern Orten. Noch immer ist es eine Schande Jude zu sein. Gewiß auch hier giebt es edle Männer, aufgeklärte Geister, welche den Unterschied der Religion nicht berücksichtigen, und nur Gleichstellung des Menschen im Auge haben; dieses haben viele uneigennützige, wahrheitliebende Männer, welche die Rechte des Menschen auch für Luden in Anspruch nahmen, bei dem jetzigen Reichstage genugsam bewiesen; aber das Allgemeine, der aufgeklärte Pöbel (wenn ich mich so ausdrücken darf), ist gegen die Juden. Es ist wahr, man wirst den hiesigen Israeliten Wucher vor, und ich gestehe es, daß leider viele dieses nicht ehrenvolle Geschäft treiben; aber hier trifft den Israeliten weniger der Vorwurf, als die Gesetze, welche ihm so hemmend in den Weg treten. Die beengte Freiheit, die uns verbietet, uns allen Fächern zu widmen, muß hier Manchem zur Entschuldigung die- ") Die darauf sich beziehenden Verordnungen wurden in Ihrem geschätzten Blatte abgedruckt. Corresp. nen; aber auch hier kann ein redlicher Wille manches und vieles leisten. Aller Schwierigkeiten ungeachtet, welche die Zünfte in den Weg legen, besitzen wir doch hier 3 Tischler-Meister (Patent-), 1 Juwelier und Goldarbeiter (durch Gnade des Königs wirklicher Meister), I Schneider, 1 Schuster und 4 Conditoren, die alle etablirt sind, und recht bedeutende Werkstätten haben. Viele Gesellen und Lehrlinge finden sich noch außerdem als: Bäcker, Goldarbeiter, Schuhmacher, Maler, Schriftsetzer u. s. w., aber alle müssen leider den Druck empfinden, dem der Jude ausgesetzt ist; immer müssen sie mit Schwierigkeiten kämpfen, doch sie leiden als Juden, und werden als Menschen geachtet, aber der Wucherer!! Gott gebe, daß nun bald ein Geist Alle beseelen möge, daß Alle vereint sich von dieser Geißel der Menschheit lossagen möchten, und gewiß sie würden einen großen Theil der Achtung, die sie hier verloren, wiedergewinnen. Auch den Künsten und Wissenschaften widmen sich Mehrere; wir besitzen 2 Aerzte, einen Künstler und viele jüdische Studirende, aber auch hier heißt es: „bis hieher und nicht weiter." Nur der Körper wird dem Israeliten anvertraut; der'Geist, der wird ferne gehalten; zu keiner Lehrstelle wird er zugelassen; weder Advokat noch Offizier dark er werden; auch die mütterliche Erde darf er nicht bebauen. Doch giebt es auch hier Israeliten, welche sich der Auszeichnung einer ganzen Nation werth machen; so hat ein Mitglied des hiesigen Adelstandes beim vereinigten Reichstag für einen Israel. Mitbürger, Hrn. Heilborn, eine lebenslängliche jährliche Pension von 500 Rthlr. schwedisch Bco., als Nationalbelohnung für seine edlen menschenfreundlichen Bestrebungen, der Noth der Armen abzuhelfen, vorgeschlagen; und die 3 übrigen Stände, nämlich der Priester -, Bürger- und Bauernstand, sind diesem Vorschläge beigetreten, welcher nur der Bestätigung des engeren Ausschusses bedarf. — Dieses möge genügen, um Ihnen eine Uebersicht unsrer politischen Stellung zu verschaffen; und nun 2. Der Charakter als Mensch. Nur mit Freude beginne ich den Israeliten Stock- . Holms als menschenfreundlichen, wohlthätigen, gastfreien und thätigen Mann zu schildern. Auch hier, wie in den meisten israelitischen Gemeinden, finden sich wohlthätige Stiftungen, um die Noth und die