Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 39 (26.9.1840)
- Date
- 1840-09-26
- Page
- Seite 563 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225119-3225159--03009-3312524- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
563 solches Zutrauen, daß ihm die ganze isr. Schuljugend daselbst übergeben wurde. Unter dieser Zahl befanden sich auch 2 isr. Taubstumme, welche ihm mit der Bitte anempfohlen wurden, dieselben nach Möglichkeit etwas im Schreiben zu üben. Doch Hirsch -—'wer selbst die Leidensschule besucht hat, sympathisirt leicht mit Andrer Weh — dauerte der Zustand dieser Unglücklichen zu sehr, als daß er nicht auf Mittel und Methode, sie der Menschheit wieder zu geben, hatte sinnen sollen. Die besondern Anlagen, die seiner unbewußt, bis jetzt noch in ihm schlummerten, gelangten durch diesen (für ihn glücklichen) Zufall zur Entwickelung. Nach sorgsamen Nach-, denken und..wiederholten Versuchen bildete er in einigen Tagen den Sprach-Mechanismus in so weit heran, daß die Taubstummen die ihnen vorgesprochenen Wörter deutlich nachsprechen konnten, was also um so erstaunenswerther ist, als Hirsch bis dahin weder theoretische, noch praktische Anleitung in diesem Fache erhalten, und schon große Männer an dem guten Erfolg, die Tonsprache in dem Taubstummen auszubilden, gezweifelt haben. *) Wenn gleich des Lehrers Streben sehr wirksam war, so ermangelte der Taubst.-Unterricht doch noch einer begründeten Methode, den Gang der Begriffsentwickelung stufenweise zu fördern. Dessen recht kundig zu werden reiste Herr Hirsch, 1835 zu dem Professor Dr. Heinrcke (Sohne des in der Einleitung erwähnten Gründers der Leipziger Anstalt), Direktor der Taubst.-Anstalt zu Crefetd. Liebreich ging ihm dieser zur Hand; er theilte ihm manche Erfahrungen, die er (Heils seinem Vater, theils seiner eignen Praxis zu verdanken hatte, mit, Lab ihm die treffendsten Winke über Tonsprache und Begriffsentwickelung, und empfahl ihm die über dieses Lehrfach bis dahin erschienenen wichtigsten Schriften. tSchluß folg» •) S. Institution des sourds et inuets par la voie des signes luethodjques par Pabbe de PEpee, Paris 1776, Und Seeond memoire sur Pinstruction des sourds-inuets, ou nouveau Systeme des signes par Pabbe Jarnet, Caen 1822. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 Gr. Gebühren für die gespaltene Seile aus Petit-Schrift oder deren Raum ausgenommen. Die Verlagshandlung. Im Verlage des Unterzeichneten erscheinen: Religiöse Vortrage Zunächst für Israeliten. Gehalten theils in Berlin, theils in Breslau von S. Pleßrrer, Religionslehrer. Zweite vermehrte Auflage. Wol dürfte es befremdend erscheinen, daß die Literatur so wenig Sammlungen israelitischer Predigten aufzuweisen hat, und daß von den wenigen, welche seit Zähren erschienen sind, die meisten nur eine sehr laue Aufnahme beim Publikum fanden. Der Grund hievon wird uns jedoch bald einleuchten, wenn wir dieselben einer genaueren Prüfung unterwerfen. Wir werden da bald gewahren, daß die Mehrzahl der israelitischen Kanzelredner unserer Tage, welche ihre Vortrage durch den Druck veröffentlichten, an zwei gefahrvollen Klippen scheiterten. Entweder 'sind sie nämlich dem Geiste der Neuerungssucht, denselben für Fortschritt haltend, zu sehr ergeben; ihre Reden athmen daher nicht den ächten und ursprünglichen Geist der israelitischen Religion und können natürlich nur das Mißfallen des wahren Israeliten, der kahlen Unglauben wohl von Aufklärung zu unterscheiden weiß, erregen. Andere dagegen, denen dieser Vorwurf weniger gemacht werden kann, lassen wieder die nöthige Eigenthümlichkeit einer israelitischen Volkslehre ganz außer Acht und arten so in leere, gehaltlose Declamation aus. — Beide Klippen hat der Verfasser obiger Predigten zu vermeiden gesucht, und zwar mit Glück, wie die günstige Aufnahme der ersten- Auflage, welche binnen Kurzem vergriffen war, so wie die Urtheite competenter Richter zur Genüge beweisen. Treu den alten, schon durch ihr Alter ehrwürdigen Satzungen des israelitischen Glaubens schildert er dessen Wahrheiten und Lehren in einer eindringlichen, kräftigen und dabei blühenden Sprache und es dürsten daher diese Predigten ebensowol dem Theologen von Fach als Muster, als auch dem nur Erbauung und Belehrung suchenden Leser empfohlen werden. Djese zweite, mit mehreren neuen Reden vermehrte Auflage ist, vorläufig auf 8 Hefte berechnet, welche von 6 zu 6 Wochen ausgegeben werden .sollen, und deren reichhaltiger Inhalt aus dem nachstehenden Jnhalts-Verzeichniß der beiden ersten bis jetzt erschienenen Hefte zu ersehen ist: 1. Die Tempelreisen. Eine Vorbereitung auf das Ueberschreitungsfest. — Der Gemeinde größtes Bedürfniß. Rede zur Einweihung des neuen Tempels zu Bromberg. — 3. Das heilige Zahlenergebniß. Vorbereitung auf das Wochenfest. — 4. Die rechte Feier der Gesetzgebung. Rede, gehalten am Gesetzgebungs¬ oder Wochenfest. — 5. Das Leben lieben, den Tod nicht scheuen (Sabbat Pinchas). — 6. Der wahre