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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-09-19 · Heft 38 (19.9.1840) · p. Seite 548

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 38 (19.9.1840)
Date
1840-09-19
Page
Seite 548 (sequence 12)
Language
German
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548 diesen Namen verdient, als sie ihre charakteristischen Eigenheiten nach allen Beziehungen behält, wenn es ferner wahr, daß Sprache nichts anderes, als der Inbegriff von den Abdrücken ihrer Vorstellungen, und folglich ihrer Eigenheiten ist, durch welche diese zur Objectivitat gelangen; so können wir auch behaupten, daß die Nationalsprache das stackste Band ist, welches die einzelnen Glieder der Nation zusammen halt, und daß diese das Recht habe, an Jeden, der die Einbürgerung wünscht, die Forderung zu stellen, durch Aneignung der Landessprache, eine Bürgschaft für sein wirkliches Eingehen in die Nationalinteressen abzugeben. Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, ist die Forderung der Ungarn an die Juden, die Landessprache unter sich zu verallgemeinern, nur billig, was auch von diesen allgemein anerkannt wird. Und hier ist es, wo sich die Verdienstlichkeit, der von Herrn Bloch begonnenen, in diesen Blattern ebenfalls bereits besprochenen Bibelübersetzung, in ihrer wahren Bedeutsamkeit zeigt. Dadurch, daß ein Jude, eben so vertraut mir den Ansprüchen, und Forderungen der einen Glaubenspartei, als theilnehmend an den Wünschen, Hoffnungen, Denkungsart, Sitten und Gebrauchen der andern, aus deren Schooße er hervorgegangen, die Möglichkeit begründet, schon die zarteste Jugend durch die Erlernung der ungarischen Uebersetzung der Bibel — bekanntlich bildet die Bibelübertragung den ersten Unterricht des Juden — in das Helligthum der Nationalität einzuführen, stellt dieses Beginnen die Friedenspalme dar, die die eine Partei, als Zeichen ihres ernsten Willens zur aufrichtigen Verbrüderung überreicht. Doch wäre es sehr gefehlt, wollte man dieses Unternehmen nur von diesem Standpunkte aus, oder gar von dem viel beschranktem einer gewöhnlichen Bibelübersetzung betrachten. Die Zeit, die Nation, in welcher sie entsteht, die Sprache, in der sie geschrieben wird, die Verhältnisse, unter welchen sie in's Leben tritt, machen ganz etwas Anderes aus ihr, verleihen ihr eine ganz andere, eine höhere, eine wichtigere Stellung. Wer kennt nicht die großartigen Wirkungen, welche die Ueberfthungen, und Erklärungen von Mendelssohn und seinen Freunden ausgehend unter den Juden Deutschlands hervorgebracht? Diese Werke sind es, die den deutschen Juden deutsch gelehrt, und sie so in den Stand gesetzt, durch Lectüre sich auszubllten. Sie sind es, die den Sinn für ästhetische Schönheit in ihnen geweckt, die sie auf das Wissenswürdigste sowol in der hebräischen, als in der Fremdliteratur aufmerksam gemacht, und so jenen, in seinen Endresultaten gewiß heilsamen Jdeenumschwung hervorgebracht, der noch jetzt in uns vorgeht. Was nun dieses Werk den Juden Deutschlands gewesen, das könnte in Sprache stehendes,. bei gehöriger Lösung der Aufgabe, für die Juden Ungarns werden. Thatsache ist es, daß bei den neuern Völkern Europa's, die ersten Uebertragungen der heiligen Schrift, der Fixirungspunkt ihrer Literatur waren, daß diese stets wie Wendepunkte den Anfang eines geistigen Frühlings anzeigten. Thatsache ist es, daß sie wie Meilenzeiger der Zeit den Punkt bezeichnten, wo die eine Epoche des innern Lebens endigte, und die andere begann, daß ihr Einfluß in der ganzen Literatur durch Jahrhunderte hin sich fortpflanzte. Nun aber gehört die Uebersetzung von der ich rede zu den ersten in Ungarn, unter dem Zusammentreffen der entsprechendsten Verhältnisse entstehend. Wird der Verfasser seine schöne Aufgabe zu lösen in den Stand gesetzt, so muß sie nicht nur den früher besprochenen Einfluß ausüben, sondern auch die Nation muß ihr einen angemessenen Platz in ihrer Literatur anweisen. Daß wir aber einer würdigen Lösung um.so eher entgegen sehen können, hierzu berechtigt uns die beifällige Kritik über die erste bereits erschienene Lieferung, von den ersten Koryphäen Ungarns ausgehend. Zwar giebt es bereits fünf Uebersetzungen, von denen vier der altern (den Jahren 1551, 1590, 1626, 1685) und die eine der Neuzeit angehören; aber abgesehen davon, daß die sechste Uebersetzung — in Betracht der Bibel — der Zahl nach noch immer zu der frühem gerechnet werden muß, so überzeigt uns schon ein Blick auf den großen Zeitabschnitt, welcher die altern von der gegenwärtigen trennt, wie wenig jene den jetzigen Anforderungen entsprechen können, da die Sprache so manche, so verschiedenartige, so gewaltige Veränderungen erlitten, und die damals noch in der Wiege schlummerten, wissenschaftlichen Forschungen im Bibelstudium, jene reichliche Ausbeute noch nicht geliefert, die es uns heute anbietet. Ueberdieß sind sie alle, wie schon eine oberflächliche Vergleichung zeigt, mehr oder weniger nach der septuaginta; oder nach andern Uebersetzungen verfaßt. Was die Neuere, unter der Aegide eines ungarischen Prälaten j ins Leben getretene betrifft, so sott sie fast gar nicht in! den Buchhandel gekommen, mißrathen, und ganz nach! der Vulgata sein.

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