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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-09-19 · Heft 38 (19.9.1840) · p. Seite 547

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 38 (19.9.1840)
Date
1840-09-19
Page
Seite 547 (sequence 11)
Language
German
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547 sind, welche diese Pause nach dem Reichstage benützend ihre Stimme erheben, nein auch die Freunde unserer Religionsgenofsen verstummen nicht. Es sei mir in dieser Hinsicht gegönnt, aus der Predigt des geistreichen, ungarischen Predigers der hiesigen Evangelischen Gemeinde, vr. I, Szekocs, eine dieß darthuende Stelle herauszuheben : „Nachkommen der jüdischen Nation giebt es noch heute zerstreut über das Erdenrund, und auch unter uns wohnen und leben Juden. Sie leben, ja wohl, wenn es leben heißt bezahlen die Luft, die man athmet, wenn es leben heißt eine Handbreite Landes nicht sein nennen können, wenn es leben heißt, beraubt sein jedes bürgerlichen Rechtes, ausgeschloffen sein von jedem Amte, und seinen Namen als Schandmahl herumzutragen, wenn das leben heißt, ja dann leben sie. Aber solch ein Leben ist arger als der Tod, und wer bürgerlich todr ist, mag immerhin sich sein Grab höhlen, um in ein beffc-' res Leben einzugehen, wo es keinen andern Unterschied giebt, als den zwischen gut und bös. Richtig nannte ein deutscher Geschichtschreiber die Juden „lebendige Mumien," und wahrlich so oft der Menschenfreund einen Juden sieht, muß er erröthen; erröthen als Mensch, Christ, und Bürger, weil jeder Jude in bürgerlicher Beziehung in dm zweiten Theil des Tvipaiiituins, der von Sachen handelt, gehörend, ein lebendiges Muster der beleidigten Menschheit, weil jeder Jude eine lebendige Satyre über die Christliche Religion, d. h. über die Religion der Liebe ist. — Und wenn wir fragen dürsten, warum muffen sie alles das dulden? Können wir eine einzige Antwort geben, mit der wir vor dem Richterstuhl Gottes und unseres Gewiffens bestehen können? Ich meines theils glaube nicht. Denn was pflegt ihr gewöhnlich vorzubringen? Würdig, sagt ihr, sind sie ihres Schicksals unter den Christen, weit das erste Haupt der Christenheit durch sie am Kreuze geblutet. Das ist der Vorwurf, die Sprache des blinden Fanatismus. Oder soll etwa der spate Nachkomme des neunzehnten Jahrhunderts seiner Vater Sünden büßen? In diesem Gedanken liegt cine Hölle. Warum werden Sie nicht Christen? Warum werdet ihr nicht allesammt Katholiken? Oder Protestanten, oder Altglaube? Warum bekennt die ganze Wett sich nicht zum Christenthum? Warum schreibt ihr nicht ' ^ne gleiche Schrift, ihr müßt ja nur einige und zwanzig Buchstaben zeichnen? Beruht nicht alle Religion auf Geschichte, und müssen wir die Geschichte nicht so mH- ' men, so glauben, wie sie uns von unfern Vätern überliefert wurde; und warum sollte ich meinen beseligenden Glauben, oder wenn ihr wollt meine beseligenden Traume für eine Wahrheit hingeben, die mich zu Boden drückte? Oder sollten die Juden sich darum taufen, damit ihr sie getaufte Juden heißt? O wahrlich! wenn du Schuft bist, sei lieber Schuft ganz einfach, als Schuft im Namen Gottes des Vaters, Sohnes, und des heiligen Geistes." — „Warum betrugen sie? warum bekleiden sie kein Amt? warum treiben sie kein Handwerk? Weil sie gebunden sind, weil sie ausgeschlossen sind von allen Beamtungen, und wer sollte mich zwingen, das Feld zu bauen, wenn ich zu was anderem Beruf fühle? Entziehen wir unfern Christlichen Mitbcüdern jene Grundrechte, um welche die Juden noch immer vergebens flehen, und Ströme Bürgerblutes würden auf der Erde fließen; und doch behielten die Juden unter allen Bedrückungen Tugenden, die wir bei den Christen in ihrer Lage vergebens suchen würden. Dürste es uns wundern, wenn der Sklave in feinen Ketten, in seinem Herzen Grimm gegen seinen Henker tragt? Reißen sie nicht, sagt ihr, zur großen Beeinträchtigung der Christen den Handel ganz an sich, und zahlen sie nicht vom Thron herab bis zum armen Bauern Tausende, uno Tausende von Schuldnern? Diese Anklage spricht gegen uns selbst. Denn hiermit sprechen wir nur der Geschicklichkeit der Juden das Wort, und wenn wir unsern Vortheil verkennen, müssen wir die Juden nicht rühmen, daß sie auf dem ihnen offen stehenden einzigen Feld, nämlich dem des Handels, die allgemeine Wohlfahrt befördern? Ueberdieß wissen es die Juden zu gur, daß die Christen wol einen Gott glauben, aber zwei Götter anbeten: im Himmel das ewige Wesen, hier unten das Geld, sie wissen, daß so lange sie letzteres im Sacke tragen, auch der allerchristlichste Christ seinen Hut vor ihnen hebt rc. Bis jetzt habe ich die Kehrseite der jüdischen Angelegenheiten in Ungarn besprochen; wenden wir uns einmal zu der andern, zu deren angenehmem; da tritt uns vor Allem das ernste Streben der Juden entgegen, durch kräftige Haltung nach außen, durch wahre Veredlung nach innen, im Allgemeinen die Würdigkeit der ihnen zugedachten Rechte zu beweisen, so wie im Besondern durch Eingehen in die Nanonalinteressen, durch Aneignung und Verallgemeinerung der Landessprache, das Nationalband stets stärker um sich zu schlingen. Wenn es wahr ist, daß eine Nation nur insofern

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