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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-09-19 · Heft 38 (19.9.1840) · p. Seite 544

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 38 (19.9.1840)
Date
1840-09-19
Page
Seite 544 (sequence 8)
Language
German
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diese beiden Riesenleiber, zu erhalten, selbstständig, in Autonomie, in ursprünglicher Sitte und Leben sich zu erhalten, bis seine Aufgabe in Palästina gelöst war, und der westliche Koloß sich erdrückend über Asien, Afrika und Judäa legte, bis die vom Willen Gottes gelenkte, eiserne Hand des römischen Kolosses Israel, weil er es nicht zu zermalmen vermochte, durch die Länder streute. Von hier ab begann die neue Mission Israels. Welche sie sei, mag uns in der Tiefe des Bewußtseins liegen. Die Zeit reift sie. Auf die Zukunft hat sie den meisten Anspruch. Die Gegenwart aber sagt uns: Ihr solltet an der Menschheit existiren, bis Ihr und sie reif geworden, in neue Wechselwirkung zu treten; jetzt habt Ihr Nichts zu thun, als Euch an der Menschheit zu erheben, die großen Resultate der Zeiten in Euch aufzunehmen, und Euch festzusetzen überall in Ebenbürtigkeit, wo Ihr bis dahin nur eine beschränkte, flüchtige Existenz gehabt! Und was hätte hiermit eine erbärmliche Freistatt in einem wüsten Winkel zu schaffen, um zwischen Muselmann und Aegypter ein nichtiges, umstrittenes Dasein zu fristen? Was hätte hiermit eine Kolonie heimathsloser Juden zu thun, deren Bestand eine Gnade entfernter Mächte, deren Beschaffenheit von fremden Befehlen abhängig, deren Wesen ein zweck- und tendenzloses sein würde? Wir protestiren unsrerseits gegen die Artikel des Glohe, gegen den Spott des Courr. fran<;., und gegen all' dieses leere Gerede. Wollt Ihr irgend einen Gegenstand Eurer blasirten, aufgedunsinen Einfälle, sucht ihn überall, nur nicht bei uns. Man sicht gegen uns mit so vielen scharfen Schwertern, wozu bedarf es noch der hölzernen? Man trorpmelt auf unsere Kosten, und ohne unfern Willen, so viel das Jahr über, wozu noch den Klang zerborstener Schellen? Ja, gehr nur. Zu Dir aber, strebsame und zurückgewiesene jüdische Jugend, ein ernstes Wort. Was Dir vor Allem Noch thut, das ist die praktische Thätigk ei t. Der Hauch der Gymnasien und Universitäten, der Ton der allgemeinen Literatur' ist viel zu theoretisch. Der Mensch bleibt Einzelwesen, und muß seine Anstrengung Einzelnen zuwenden. Eine Wirksamkeit in's Allgemeine, Große ist nur Wenigen gegeben, und diesen Wenigen nur in glücklichen Momenten. Darum alle vagen Ideen ausgegeben. Wir Israeliten müssen vor Allem thätige, schaffende Bürger werden. Das ist unsre nächste Aufgabe. Aus ihr heraus wird der Herr der Geschichte, der Meister der Menschheit schon das Weitere und Höhere entwickeln. Ja, wir sollen uns festsetzen im Schooße der Menschheit, der Gesellschaft als integrirende Glieder. Also auf das Praktische, auf die bürgerliche Thätigkeit muß unser Bestreben gehen, dahin muß eure Bildung streben, dafür müßt ihr euch ausrüsten, darin einen Platz erobern. Lasset eure begabteren Knaben, jüdische Eltern, Chemiker, Mechaniker, Oekonomen, Fabrikanten, Gärtner und Gewerkmeister aller Art werden. Stiftet, ihr Reichen und Einflußhabenden, Industrieschulen und Gewerbsanstalten. Die sich zum Lehrfache bilden, nicht gleich auf die höheren Stellen euer Auge gewandt, sondern euch zu tüchtigen, praktischen Pädagogen gebildet, um selbst in niedrigerer Sphäre mit Energie und praktischem Geiste das Beste still hin zu schaffen! Dies Alles sei unser Augenmerk, unser Plan und Projekt — Syrien aber überlasset denen, die sich darum raufen! „Heine über Börne" Ein lebender getaufter Jude über einen tobten getauften Juden. Zwei Negationen machen im gewöhnlichen Laufe der Dinge eine Affirmation, aber aus Beiden kömmt kein ganzer Jude heraus. Denn Börne war zuviel Politiker, Heine ist zuviel Schwätzer, um ganz Jude zu sein. Aber Börne war Künstler, und Heine ist nur ein Dilettant. Die obige Schrift bringt uns die Worte eines Dilettanten über einen Künstler, also über dessen Schlafrock. Aber das interessirt uns nicht im Geringsten. Sie haben es Beide so gewollt. Börne aber hatte Sympathien, z. B. auch mit uns Juden; Heine har nur Sympathien mit seinem Leibe. Darum wanderte auch Börne aus Deutschland, weil er es unausstehlich fand, Heine aber, weil man ihn unausstehlich fand, und immer mehr finden muß. In der vorliegenden Schrift kramt Heine seine Ansichten über Juden, Christen und Hellenen aus.

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