Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 38 (19.9.1840)
- Date
- 1840-09-19
- Page
- Seite 541 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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541 apfel und Schwerdt, worin die Eigenschaften des Regenten und die daraus fließenden Pflichten der Unterthanen gegen ihn auf eine klare Weise auscinandergesetzt werden, die huldreich angenommen wurde. Der König hörte mit sichtlichem Wohlgefallen von dem Oberrabbinen, wie das Schulwesen der hiesigen Gemeinde im Aufschwünge begriffen ist, bei welcher Gelegenheit der anwesende Ober - Consistorialrath, Probst Paulsen, Seiner Majestät die Verdienste des Oberrabbinen um dasselbe rühmte, wünschte auch bei dem nächsten Besuche unserer Stadt einer Consirmation von Knaben und Mädchen in der Synagoge beizuwohnen, und verließ dieselbe unter den huldreichsten Aeußerungen gegen seine mosaischen Unterthanen, deren Wohl er gleich dem der übrigen befördert wissen will. Aehnlicher Versicherungen hatte sich der Vorstand der Gemeinde in einer Privataudienz zu erfreuen. Später hatte der Oberrabbine bei einer Vorstellung der Königin ebenfalls ein Exemplar seiner Predigt überreicht, das von derselben in den huldreichsten Ausdrücken entgegengenommen wurde, und genoß dann noch die Ehre bei der Abschied-Cour hinzugezogen zu werden. X. Preuße«. Saarlouis, 23. Aug. (Privatmitth.) Nirgends in unserm ganzen Regierungsbezirke ist die Sehnsucht nach einem wissenschaftlich gebildeten Rabbinen so groß als hier. Aber man will sich nicht mehr mit der Theilnahme an dem trierschen Rabbinate begnügen, man wünscht vielmehr hier selbst an dessen Reden sich zu erbauen. Schon vor fünfzehn Jahren gaben die hiesigen israelitischen Bewohner den Wunsch zu erkennen, den- Sitz des trierschen Rabbinen nach Saarlouis zu bringen, was ihnen aber nicht gelungen ist. Von welchem Geiste man hier beseelt ist und welche Mittel den hiesigen Mitgliedern der israelitischen Gemeinde zu Gebote stehen, geht aus' folgenden zwei Thatsachen hervor. I) Die hiesige Synagoge, welche gegenwärtig noch von den Erben des Hrn. H. Worms und Hrn. Louis Lazard unterhalten wird, und wo der Religionslehrer Jakob Blüth Vorsänger ist, war für die hiesige Gemeinde zu klein geworden und man konnte sich über den Neubau einer Synagoge nicht vereinigen, da verabredeten sich folgende sechs isr. Bürger j von hier, Joseph Mayer, der Vorsteher, Jsak Samuel, Emanuel Rouff, Samuel Brach, Philipp Meier, seitdem ausgewandert nach Metz, und Lazard Friesburg, und schossen die Summa von sechs und zwanzig tausend Franks zusammen, wodurch die schöne Synagoge zu Stande kam, welche noch lange allen Ansprüchen eines Gotteshauses für eine noch dreimal so starke Gemeinde genügen kann. 2) Unter den verschiednen Vereinen zu wohlthatigen Zwecken hat eine noch die Nebenabsicht, durch allmälige Beitrage zu Gunsten der Gemeinde eine Wohnung für den Lehrer oder Vorsänger und ein warmes Bad zum religiösen Gebrauche zu erbauen. Ungeachtet dieser Mittel und des besten Willens ermangelt diese Gemeinde von vierzig Familien einer Schule für die israelitische Jugend, so wie eines geordneten Religionsunterrichtes, und doch könnte dies hier um so leichter eingerichtet werden, als es hier nicht nur keinesweges an Intelligenz fehlt zur Beaufsichtigung und Einrichtung einer solchen Anstalt, ich erinnere nur an Herrn Landau, der eben im Begriffe ist, eine sehr gefällige Weltgeschichte mit Abbildungen herauszugeben, sondern auch das Lehrerpersonal würde sogleich durch den Sprachlehrer, Herr Levy, und den Religionslehrer, Herr Blüth, sehr würdig repräsentirt werden können. Ersterer, ein feiner Kenner der hebräischen Sprache, ist bereits bei einer christlichen Schule als Lehrer der französischen Sprache angestellt. Von Herrn Blüth meldete bereits die triersche Zeitung, daß seine Rede in der Synagoge dahier den 2. Juli bei der Trauerfeier für unfern hochseligen König sehr wohlgefällig ausgenommen worden, wobei der Stadt- und Festungskommandant, alle oberen Civil - und Militairbehörden, die Geistlichen beider christ. Konfessionen und viele angesehne Bürger zugegen waren, welcher von der trierschen und koblenzer Regierung als Lehrer koncessionirt ist und früher in Saarbrücken und Merzig segensreich in dieser Eigenschaft zur allgemeinen Zufriedenheit gewirkt hat. Gegenwärtig wird der jüdische Religionsunterricht von demselben nur privatim ertheilt, wodurch viele Vortheile verloren gehen. Es wird nun darauf ankommen, wie die Rabbinatsangelegenheit in Trier geordnet werden wird. Gestern dielt der Rabbinats-Kandidat, Hr. Moses Heß von Trier, auf Verlangen dahier eine sehr erbauliche Rede, wobei derselbe Veranlassung nahm,