Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 38 (19.9.1840)
- Date
- 1840-09-19
- Page
- Seite 539 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225119-3225158--02984-3312498- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
539 Frankreich. Paris, 26. Aug. Wir theilen nun die Vorschläge, die dem No. 26 gegebenen Berichte folgen, so weit sie von Wichtigkeit sind, mit. Bei Gelegenheit mehrseitiger Forderungen um Anstellung mehrerer Rabbinen, macht der Berichterstatter auf die Schwierigkeit aufmerksam, vom Budget eine Vermehrung zu erhallen. Das Wort Saciificateur, welches man für Schochet gewählt hatte, will man durch jiurificateur oder purifiant ersetzen, man bleibt aber dabei, das Wort Schochet lieber wieder aufzunehmen und in den Gebrauch zu bringen. Die Verbindung zwischen den Konsistorien und dem Ministerium will man dahin bewerkstelligen, daß jene zwar mit dem Minister korrespondiren, aber nur vermittelst (par I'vlitremise) des Central-Konsistoriums. Die Wahl des Präs, des Central-Kons. soll auf vier Jahre reichen. Die Zahl der Notabeln soll nicht weniger als 60 sein, und durch das Central-Konsistorium aus der Liste ernannt werden. — In dem Ordonnanzentwurfe hatte Nichts so vielen Widerspruch erfahren, als daß dem Central-Konsistorium die Macht ertheilt wurde, den Kultus zu modisiziren. Cremieux spricht sich darüber folgendermaßen aus. „In der That, seit der Zerstreuung der jüd. Nation, hat man niemals unter uns eine religiöse Hierarchie gekannt. Unter uns findet kein reeller Unterschied zwischen Laie und Priester statt. Das Wissen entscheidet, und keine Autorität, wenn es nicht ein Sanhedrin ist, hat Rechte geltend zu machen. Darum hatte die Kommission dem Central- Konsistorium als Ausfluß der israelitischen Notabilität gewisse Vollmachten, die sich mehr auf den Kultus als auf die Religion beziehen, beigelegt. Hiergegen aber lehnen sich alle Konsistorien einstimmig auf. Ohne zu schwanken, müssen wir Ihnen Vorschlägen, sie zu unterdrücken, oder zu modifiziren. Denn vor Allem muß man in der Zeit, in welcher wir leben, das Eine vermeiden, die Gewissensfreiheit und religiösen Ansichten zu verletzen." Der Berichterstatter schlägt daher vor, die religiöse Hierarchie so zu ordnen: ein Groß-Rabbine der israelitischen Franzosen, Mitglied des Centzral-Konsistoriums, 7 Konsistorial-Groß-Rabbinen; Koadjutoren; Rabbinen erster und zweiter Klasse, nur durch den Gehalt verschieden; Unter-Rabbinen. Diese Geistlichen sollen von oben herab die Censur über die unteren Grade besitzen. Die Unabsetzbarkeit soll nicht statt finden, aber wegen vorzüglicher Verdienste als Belohnung ertheilt werden können. Die Groß-Rabbinen sollen monatlich einmal, und an allen Festtagen in der Landessprache predigen, und bei Annäherung des Paffa und des Neujahrsfestes einen Hirtenbrief erlassen. Den Vorschlag, daß sie jährlich eine Reise durch ihren Sprengel machen sollen, kann man nicht durchsetzen, weil die Kosten Niemandem auferlegt werden können, doch soll es den Gemeinden frei stehen, auf ihre Kosten die Anwesenheit des Groß-Rabbinen zu beschaffen. — Die anderweitigen Bemerkungen sind unbedeutender. Man ersieht hieraus, wie ein versöhnlicher Geist das Central - Konsistorium beherrscht, wie gern es die unstatthaften Punkte aufgiebt, ohne den Geist der Reform, deren die französische Synagoge so sehr bedarf, aufzugcben. Gewiß ist es, daß die neuesten, unglücklichen Ereignisse, die in Frankreich so vielen Anklang gefunden, den Hauch der Einigung und Erhebung über die französischen Israeliten gebracht hat. Straßburg, 26. Aug. Die Leipz. Allg. Zeit, enthält in einem Artikel unter obigem Dato sehr interessante Bemerkungen über die Juden im Elsaß. Wir geben sie hier wieder mit der Bitte an einen unsrer dortigen Correspondenten, uns darüber unterrichten zu wollen, wie weit diesem Berichte die Wahrheit einwohnt. „Ihr Correspondent hat von den Juden gesprochen. Ich bin keineswegs einVertheidiger dieser Juden, ich weiß leider nur zu gut, daß sie den deutschen Juden gegenüber um 50, vielleicht um 100 Jahre zurück sind; aber verachtet nur die elsasser Juden nicht; es giebt selten ein kühneres, unbändigeres Volk als die elsasser Juden, und ich rathe keinem deutschen Christen, in ein elsaffisches Dorf zu gehen und das Wort Jude als Scheltnamen auszusprechen, wenn er nicht Gefahr laufen will, hundert Messer über sich blitzen zu sehen, wie dies neulich erst in Bischheim sich ereignete, wo sie zwei Soldaten erstachen, weil diese sie juifs hießen, und in Bergheim, wo sie das Dorf an allen Ecken anzündeten. Der Einfluß des elsasser Juden auf das Landvolk ist ungeheuer, sie leben ganz intim zusammen, und was das Aussaugen der Bauern be-