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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-09-12 · Heft 37 (12.9.1840) · p. Seite 534

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 37 (12.9.1840)
Date
1840-09-12
Page
Seite 534 (sequence 10)
Language
German
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534 Aber nein! wir erhielten abermals einen Vorsänger nach altem Schlage, und das mißtönende Jodeln und Trillern schlug an das Gewölbe der neuen, wre der alten Synagoge. Die Kanzel und die Obsellien sehen zu, und spielen eine stumme Rolle dabei. Die Jugend aber, die der religiösen Weckung am benöthigtsten ist — bleibt weg. Vor einem Monate verließ dieser Vorsänger seine Stelle. Der Elementar- und Religionslehrer H. Ludwig Schloß trat auf, um die Gemeinde durch eine Probe von geregeltem Vortrag und Choral-Gesängen der wohlgeübten Schuljugend nach den Münchener Gesungen an das Bessere zu gewöhnen. Hier war es, wo die Vorsteher die dargebotene Gelegenheit rüstig ergreifen, und durch ihre wirksame Protektion langgehegte Wünsche realisiren hatten sollen. Allein sie blieben müßig, und ließen den Gegnern (und wo fanden sich deren nicht?) freien Spielraum, den H. Schloß so zu entmuthigen, daß er seinerseits die Sache aufgab. Und so werden wir denn abwarten, bis wieder ein alter Chasan sich meldet, und da anfängt, wo jener gerade stehen geblieben. Was die Religiosität betrifft, so finden Sie in unserm Bezirke noch viele Gemeinden, wo gar kein Religionsunterricht ertheilt wird; die Kinder besuchen die christlichen Schulen, und das Judenthum können sie — in den Schlafstuben kennen lernen. Hier thate es doch Noth, daß der Bezirksrabbine einschreite, der es auch schon so oft versprochen. Die Regierung ist überall geneigt, zu unterstützen, sie will, daß die Jugend eine religiöse Erziehung erhalte. Aber man muß sie auffordern, man muß ihr zeigen, wo es fehlt. — Möchten meine Bemerkungen eine gute Stätte finden, wie sie aus vollem Herzen gegeben werden. Ich bin ein Privatmann, aber Jude, und will gern, daß die reichen Mittel, welche die jetzige Zeit darbietet, zur Erhebung und Läuterung, nicht ungenutzt brach liegen mögen. Pesth, im August. Die Juden Ungarn's. Ungarn ist —' in Betreff der Juden — das Land der Bewegung. So wie nach einer nicht entscheidenden Schlacht im Vorgefühl der andern, die gewiß Sieg oder Untergang bringt, der geschwächte Feind seine letzten Kräfte aufbietet, beim Mangel der geeigneten Waffen alle Rumpelkammern durchstöbert. Alles was nur einer Waffe ähnlich sieht, wie verrostet, wie zerbrechlich eS auch immer sei, herausholt, um sich beim nächsten Zusammentreffen den Erfolg zu sichern; so bieten auch die Judenfeinde Ungarn's, in der Zwischenzeit zwischen diesem Reichstage und dem nächsten, Alles auf, was in ihrer Macht steht, beschwören aus den dunklen Raumen mittelalterlicher, längst zu Grabe getragener Jahrhunderte, jene gespensterhaften Vorurtheile herauf, die man schon langst in die ewige Ruhe eingegangen glaubte, um sich mit ihren geisterhaften, nebeligen, dem Reiche der Finsterniß entnommenen Waffen einen Sieg zu verschaffen, zu dessen Eckampfung sie vergebens in der Alles beleuchtenden Gegenwart, in den Rüstkammern des Lichtreiches herumspähen würden. Thcusache ist es, daß der verflossene Reichstag uns nicht gemistet, was wir uns versprochen. Aber wer die feste, folgerichtige Weise der österreichischen Regierung kennt, wer da weiß, daß sie dem Grundsätze des allmahligen, vorbereitenden Fottschreitens huldigt, daß sie das Gewordene, das herangebildete berücksichtigend, darauf achtet, daß durch das in seinen Folgen noch nicht hinlänglich geprüfte Werdende keine Interessen empfindlich verletzt werden, wer sage ich dieses unerschütterliche Prinzip unserer Regierung hierin kennt, den wird dieser Ausgang unserer Angelegenheit nicht überraschen, der wird nur darin die nothwendige Folge sehen, der wird, weit entfernt in der so außerordentlichen Schmälerung, der von der Nation beantragten Zugeständnisse eine Miß« billrgung der Regierung zu sehen, vielmehr das erste Glied einer Reihe mit jedem Reichstage sich mehrender Concessionen wahrnehrnen, die mit der unbedeutensten anfangend allmählich so anwachsen wird, daß mit der letzten die vollständige Emancipation zu Stande kommen wird. Doch wie aus eben derselben Blüthe, in welcher die Biene ihren Honig findet, andere Insekten ihr Gift holen, eben so scheinen die Judenfeinde darin nur Ermunterung zu rhren Angriffen gegen die Juden gefunden zu haben. In die Voroerreihen der Kampfer für das Reich der Finsterniß, stellte sich ein Herr Gasparich. Er ließ vor einigen Wochen in einer ungarischen Zeitschrift einen größern Aufsatz erscheinen, der Feuer und Flammen gegen die Juden spricht, der den giftigen Geifer der abscheulichsten Verleumdung auf die Juden spritzt. Was ein Eisenmenger und Consorten nicht gethan, das that

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