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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-09-12 · Heft 37 (12.9.1840) · p. Seite 530

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 37 (12.9.1840)
Date
1840-09-12
Page
Seite 530 (sequence 6)
Language
German
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530 fen Entwickelung nur hinderlich sein muß — nach! Orts - und Zeitverhältnissen einer Modifikation fähig sei; und daß die Männer, die an die Spitze der Gemeinden gesetzt, nichts für eine zeitgemäße geistige Entwickelung gethan haben, zu betrachten sind, als wären sie nie gewesen. Und so legen wir, voll der Freude über ein so schönes erreichtes Ziel, vergessend, was sich in den letzten zwei Jahren in unserer Mitte Betrübendes ereignete, in dieser Angelegenheil die Feder nieder, und geben uns der angenehmen Hoffnung hin, daß bei der Stimmung, wie sie jetzt bei allen Mitgliedern unserer Gemeinde vorherrscht, wir nicht mehr in die Nothwendigkeit versetzt sein werden, wieder in diesen Blättern so bitteren Gefühlen Luft zu machen, deren wir uns in den letzten zwei Jahren zu unserer größten Betrübniß nicht erwehren konnten. — Zum Vortheile der hiesigen israelitischen Kleinkinderbewahranstalt wurde aus Anregung des Herrn Philipp Bürzel unter Anordnung und Leitung der Herren Vorsteher Landau und 0r. Karpeles eine Verlosung veranstaltet, deren Gegenstände, Damenarbeiten und andere werthvolle Geschenke von edlen Frauen geliefert, jetzt im Nvrmalschulgebäude zur Besichtigung ausgestellt sind. Bei den bedeutenden Anstrengungen die von allen Seiten gemacht wurden, und bei dem schönen Zwecke, den man damit zu erreichen beabsichtigt, läßt sich auch ein entsprechender Erfolg erwarten. © Preußen« Posen, 26. August. (Privatmitth.) Seitdem die Preußische Regierung ihre Fürsorge der Erziehung der jüdischen Jugend angedeihen läßt, hat sich das Schulwesen auch in unserer Provinz, innerhalb der jüdischen Gemeinden, bedeutend gehoben. Wie natürlich blieb Posen, die Provinzial - Hauptstadt, in dieser Beziehung nicht zurück, und es kann dahero nicht in Abrede gestellt werden, daß wir seit dem I.!tz24 hierorts einige gute Elementarschulen besitzen, deren Leistungen von den Behörden bei den vorschriftsmäßigen Prüfungen mehrfach anerkannt wurden. Auch der Unterricht im Hebräischen gewann in der letzten Zeit, durch den persönlichen Einfluß unseres Oberrabbinen, des Herrn Salomvn Eger, eine wichtigere Stelle in den Lehrplänen. Neben diesen Elementarschulen bestehet jedoch bisher keine jüdische Schule, welche den höhe'rn Bürgerschulen analog, die Tendenz hätte, der jüdischen Jugend die erforderliche Vorbereitung zu ihrem Lebensberufe zu geben, und deren Lehrsystem vorzugsweise auf einer wahrhaft religiösen Erziehung basirt wäre, wie dieß in Preußen, in allen Volks - und hohem Schulen der übrigen Eonfefsionen der Fall ist. Müssen und werden doch alle unsere Knaben zumeist für den Gewerbtreibendcn und Kaufmannsstand erzogen, und wohin sollen sie sich wenden, wenn sie die Elementarschule verlassen, um diejenige schulmäßige Vorbereitung zu erhalten, welche ihr künftiger Beruf fordert? In den Gymnasien, wofür das gelehrte Fach so viel geleistet wird, werden die auf den gewerblichen Unterricht bezüglichen Lehrgegenstände allzustiefmütterlich behandelt, und mancher ihrer Zöglinge fühlt als angehender Kaufmann Lücken, die sich späterhin kaum oder nur mit vieler Mühe ausfüllcn lassen. Bei weitem schlimmer aber ist es mit dem Religionsunterrichte, in seiner speciellen Beziehung auf das Judenthum, bestellt. Ist auch den sogenannten Talmud - Tora - Anstalten einiges Verdienst nicht abzusprechen, so muß man doch gestehen, daß aus ihrer Milte der Geist des Mittelalters noch nicht verbannt ist, daß aus ihren Schulen das religiöse Leben kaum sein alltägliches Bedürfniß, die Kenntniß der Liturgie und des Rituals entnehmen kann, und in unseren besser geleiteten Elementarschulen wird diese wichtige Seite der Erziehung durch andere Lehrgegenstände zu sehr in den Hintergrund gestellt. Bei den höher» christlichen Lehranstalten aber, dürste der jüdische Religionsunterricht für jetzt schwerlich eine sichere Zufluchtsstätte finden. In Berücksichtigung aller dieser Umstände, ist in letzter Zeit mehrseitig der Wunsch laut geworden, hierorts eine höhere jüdische Schule zu organisiren, welche einerseits die Aufgabe hätte, der jüdischen Jugend die erforderliche kaufmännische und gewerbliche Erziehung zu geben, und anderseits ihr Lehrsystem auf den reinen religiösen Geist des Judenthums zu gründen. Eine solche Schule würde aus das jüdisch-religiöse Leben der neuen Generation einen sehr segensreichen Einfluß ausüben, und man könnte mit Recht

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