Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1840)
- Date
- 1840-09-12
- Page
- Seite 529 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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529 Laußig, der Prediger Herr Dr. (3adf)§, der Vorsteher der rfa p'h Herr M. Edler von Hönigsberg, der Spitalsvorsteher Hr. Jos. Hirsch, der Physikus Herr Dr. Porges und mehrere ausgezeichnete Gemeindemitglieder, die ihm alle entgegeneilten, sobald sie den Reisewagen vom nahen Hügel herabfahren sahen. Die Begegnung war hier höchst rührend. Ein Mann,, der in vorgerückten Jahren sein Vaterland verläßt, weil er hofft nach einem seinem geistigen Gedeihen entsprechenderen Boden versetzt zu werden, und die Ausbeute, die er im Bereiche ernster Studien gemacht, allgemein brauchbar machen zu können, betritt zum erstenmale Deutschland, das er bisher nur aus Schriften und vom Hörensagen kennt; das Klima und die Menschen sind milder, doch fremd, und ein so herzlicher Empfang wie dieser mußte für einen Augenblick die Sprache stocken machen, und dem geistvollen, zugleich aber milden Auge Thronen entlocken. Doch dieser feierliche Moment wich bald einem anderen, wo die naive Einfachheit seiner Worte, wie man sie nur aus dem Munde solcher Männer zu hören pflegt, gewann vollends die Herzen Aller, die den ausgezeichneten Mann bisher nur aus der Ferne kannten und achteten. War nun schon hier der Empfang für die Ge. sinnung, die ihn in Prag erwartete, bezeichnend genug, so sollte sie in dem eine Meile von Prag gelegenen Dorfe Herlozitz noch mehr hervortreten. Hier bot sich ein ungewöhnlicher Anblick dar. Hieher waren nämlich sämmtliche Vorsteher der Synagogen und Corporationen so wie eine große Menge Privatleute zu Fuße und zu Wagen entgegen gekommen, um den lange ersehnten, lange bestrittenen neuen Religionsvorsteher zu sehen und zu begrüßen, und der Andrang von Wagen und Menschen war in dem Augenblicke der Ankunft so groß, daß die Communikation auf der Heerstraße auf eine große Strecke hin unterbrochen war; denn die ganze Masse wälzte sich wie eine Welle an den Wagen, und das milde Antlitz so wie die schönen Worte, die der Reisende gesprochen, entzückten Alle, die das Glück hatten ihn von der Nähe zu sehen und sprechen zu hören. Bon hier aus bewegte sich nun ein Zug von 52 Kutschen durch eine lavinenartig anschwellende Volksmenge bis endlich in den Krenischen Anlagen, dicht an der Stadt die Menge der freundlich Grüßenden so groß wurde, baß .der Wagenzug sich kaum Schritt vor Schritt weiterbewegen konnte. Es war ein herrlicher Aufzug, bei dem die fehlenden glänzenden Equipagen durch das freundliche Entgegenkommen einer verständigen Volksmenge hinlänglich ersetzt wurden. Ebenso ging es durch einen großen Theil der Stadt bis zur Alt - Neu-Synagoge, wo nach abgehaltenem Mincha - Gebete Rapoport ein würdiger Abkömmling Aarons, den Priestersegen 'sprach, und durch den schönen Vortrag, den er über das letzte Wort dieses Segensspruches gehalten, gewahrte er den Zuhörern nicht nur einen tieferen Blick in sein Inneres, sondern ließ sic auch die Hoffnung verwirklicht sehen, daß durch den ausgezeichneten Mann der Friede in unsere Gemeinde wiederkehrcn werde, und daß nun in Frieden und Eintracht an der Verbesserung unserer 'Zustande werde gearbeitet werden kötnen.-Zu Hause angekommen, wurde er an der Stiege mit einem hebräischen Gedichte, das der Sohn des Spitalvorstehers an der Spitze von 40 jungen Männern sprach, und in den Zimmern von einer großen Anzahl ausgezeichneter Gemeindemitglieder empfangen. — So endigte ein in den Annalen der hiesigen Gemeinde denkwürdiger Tag. Was nun der Ref. der Allg. Ztg. d. I., der die Ansicht derjenigen, die Rapoports Berufung zuerst ausgesprochen, aus freiem Antriebe und aus reiner Hingebung für die gute Sache in diesen Blättern dem lesenden Publikum gegenüber vertreten hat, auszusprechen erübrigt, ist zuerst ein Wort des Dankes an diejenigen, die sich in dieser Angelegenheit mit unerschütterlichem Eifer und unbeugsamer Geduld vorangestellt, und denen jede entgegentretende Schwierigkeit nur eine neue Aufforderung war, von ihrem Vorsatze nicht abzulassen; dann aber auch diejenigen, die uns vorgeworfen haben, daß es mit einigen unserer in diesen Blättern ausgesprochenen Hoffnungen nicht ernst gemeint sei, auf den talmudischen Vortrag, den unser hochverehrter erster Religionsvorsteher am ersten Sabbat nach seiner Ankunft öffentlich gehalten, aufmerksam zu machen, worin unter anderen auch die zwei Gedanken geistreich entwickelt wurden, daß so unwandelbar auch unsere heiligen Satzungen seien, vieles UnwesÄitliche dazu Hinzugekommene, — das, wie wir ohne Furcht vor einem Widerspruche, hinzusetzen, einer freien religio-