Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1840)
- Date
- 1840-09-12
- Page
- Seite 528 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225119-3225157--02972-3312485- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
328 ferm Lande gemacht worden sind, auf die immer wachsende Zahl wahrhaft erleuchteter Männer, auf das Emporblühen so vieler nützlichen Anstalten: so können wir doch andrerseits nicht leugnen, daß sehr viele jüdische Gemeinden sich noch hartnäckig davon abschließen. Es ist wol gerade in diesen Blättern, die die Gemeinsache Jsrael's stets unpartheiisch besprechen, nicht ungeeignet, offen darauf hinzuweisen. Kali sch faßt eine Gemeinde von über 3000 Seelen, und liegt Preußen so nahe. Dennoch findet man in ihr auch nicht die geringste Anregung zum Bessern, und alle Angelegenheiten de-s Judenthums liegen in völligem Scheintode begraben. Zwar lebt auch hier ein Mann, der die Bedürfnisse seiner Glaubensgenossen völlig durchschaut, und das Herz hat, mit Eifer für deren Erhebung zu wirken. Herr Louis Mamroth hat es so eben durchgesetzt, mit vieler Anstrengung durchgesctzt, ein neues Krankenhaus zu errichten, und hat sich hiermit ein wesentliches Verdienst in Kalisch erworben. Aber für die physischen Gebrechen ist es ihm noch nicht gelungen, Heilmittel aufzusinden oder vielmehr in Anwendung zu bringen. Die Unterredungen über diesen Zustand, die ich öfter mit diesem Manne hatte, die Aufforderung mehrerer einflußreichen Personen dieser Stadt, insonders die hohe Einsicht unsres neuen Schulkurator's, der das Bessere überall mit Eifer befördert, gaben mir den Muth, einen Vorschlag an die Gemeinde zu Kalisch ergehen zu lassen, durch Errichtung von Lehrschulen, wie in allen Gubernialstadten, so insonders in Kalisch der aufwachsenden Generation eine edlere Bahn zu eröffnen. Um jede pekuniäre Behelligung zu vermeiden , machte ich sie daraus aufmerksam, daß die Mittel ja schon in der den Namen Szkotowe (Schulgeld) führenden Abgabe vorhanden wären. Allein die Antwort, die mir, und zwar erst nach einiger Zeit, zugestellt wurde, lautete: „Nachdem ich Ihren werthen Vorschlag den Rabbinen und den Schulvorstehern vorgelegt habe, wurde ich mit demselben abgewiesen, und zwar aus dem Grunde, weil sie fürchten, unsre Religion könne dadurch leiden, oder vielmehr untergehen."!! Wie sehr diese Antwort mich traf, wie sehr sie für dergleichen Unternehmungen allen Muth abkühlt, wie düster man hierdurch in Gegenwart und Zukunft hineinschaut — lassen Sie mich hiervon nicht weiter sprechen: es ist schon Alles von der Gemeinde Kalisch selbst ausgesagt! Oo.... ss. Oesterreich. Prag, 16. Aug. (Privatmitth.) Den 12. d. M. feierte die hiesige Gemeinde einen Tag, wie sich die ältesten Männer hier nicht mehr auf einen ähnlichen erinnern, und ihn nur vermöge der Tradition aus dem Munde ihrer Eltern und Großeltern mit jenem vergleichen können, an welchem vor 86 Jahren der berühmte Ezechiel Landau hier ankam; und es kann für eine besondere Fügung des Zufalls angesehen werden, daß der Enkel jenes berühmten Mannes, unser gefeierter Vorsteher M. I. Landau dazu berufen war, eine der ersten jetzt lebenden jüdischen Celebritaten zu jenem Sitze zu geleiten, den der Großvater durch eine lange Reihe von Jahren so ruhmvoll behauptete. Wir sprechen hier von der Ankunft Rapopor l's, die an jenem Tage, Abends um 7 Uhr erfolgte, und wir glauben den - Lesern der Allg. Zeit. d. Jud. die schon mehrerem von hieraus über diesen Mann Geschriebenen ihre Aufmerksamkeit schenkten, eine kleine Skizze über die Art des Empfanges schuldig zu sein, denn ausführlich beschreiben laßt sich dieses allgemein herzliche Entgegenkommen ohnedieß nicht, von dem ausgezeichnete Fremde, die zufällig in Prag anwesend waren, versicherten, sie hätten so Etwas nach der Beschreibung nie geglaubt, wenn sie es nicht mit eigenen Augen gesehen hätten. Schon in der Nacht vom 11. zum 12. fuhr eine Deputation der n"a pn nach dem 8 Meilen von hier entfernten Städtchen Kollin, wo er wahrscheinlich sein letztes Nachtquartier auf dieser Reise nehmen sollte, entgegen. Er kam aber erst des Morgens an, verfügte sich darauf in die jüdisch-deutsche Schule des Herrn I. Spitz, prüfte daselbst die Schüler in allen Schulgegenständen, und hatte Ursache sich über Lehrer und Schüler belobend zu äußern. Mittags ward ihm eine glanzende Tafel durch Herrn M. Mendel in Böhmischbrod bereitet. Abends gegen 5 Uhr langte er bei der letzten Poststation, dem zwei Meilen von hier gelegenen Dorfe Biechowitz an. Hier erwarteten ihn die Herrn Vorsteher Landau und Fnekles, der Vorstands-Substitut Herr T.