Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1840)
- Date
- 1840-09-12
- Page
- Seite 526 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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526 Syrien. Alexandrien, 7» Aug> Sir MdseS Montesiore und Herr Ctemieux sind am 4. hier attgekommcn, sie sind mit einem außerordentlichen Pomp von allen ihren Glaubensgenossen empfangen worden, ebenso wie von den österreichischen und englischen Konsulen, die diese traurige Angelegenheit mit allen Kräften unterstützen, (köparst. de Lyon.) Sie sind Wit zahlreichem Gefolge, welches zwei Hotels fast ausschließend besetzt, angelangt, und wollen Ende dieses Monats ihre Reise nach Damaskus fortsetzen, um zu Gunsten der gräßlich mißhandelten Juden Schritte zu thun, und diese Sache neuen Untersuchungen zu unterwerfen. Sir Moses wurde dem Pascha durch den Obristen Hodges vorgestcllt, Herr Crömieur wird, durch Herrn Cochelet eingesührt. (L. und A. Ä. Z.)' Der Semaphore giebt folgenden Auszug aus der Anrede Montesiore's an den Pascha: „Hoheit! ein Verbrechen ist in Damaskus begangen worden. Juden wurden desselben beschuldigt. Das Gouvernement dieser Stadt hat schreckliche Qualen angewendet, um den Angeklagten Geständnisse abzuzwingen: Aber sobald Ew. Hoheit davon Kenntniß erlangten, ließen Sie, bewogen von den Gefühle» der Gerechtigkeit und Menschlichkeit, die Sie immer auszeichnen, diese Procedur sofort aufheben, um die Wahrheit zu erforschen. " „Hoheit! diese Thatsachen sind zu unserer Kenntniß gekommen, wir sind hierhergekommen, unsre Unterstützung unsren Brüdern zu leihen, die sich ohne Schutz befinden. Wir verlangen deshalb von Ihnen, uns einen Firman zu verleihen, der in der authentischesten Form uns die ausgedehntesten Rechte ertheilt, um zu Damaskus alle die auszuforschen, die uns Aufschluß über diese traurige Sache geben können, sie vernehmen zu können, wann wir wollen, und überall, wo wir es für angemessen finden werden." „ Wir bitten gleicherweise, daß bei unsrer Ankunft zu Damaskus dieser Firman in den Straßen und an allen öffentlichen Plätzen afsichirt werde." — Eine Korresp. in der Leipz. A. Z. giebt nun an, daß diese erste Unterredung nicht den Wünschen Montesivre's entsprochen hätte. Der Pascha habe erklärt, daß ihm die Dazwischenkunft von Rechtsgelehrten in dieser Angelegenheit nicht angenehm sei, und daß er dem Sir Moses eine weitere Antwort in einigen Tagen zu geben versprochen. - Wir bemerken hier im Woraus, daß die edelen Vorfechter dieser unserer allgemeinen Angelegenheit (allgemein, weil sie jene scheußliche Beschuldigung, die man unsrer Religion aufhefttt, enthält,) in keiner ungünstigem Zeit nach Alexandrien kommen konnten. Thiers ist der Vertheidiger Ratti-Menton's, Thiers ist zugleich der Beschützer des agypt. Pascha's — wie wird nun Mehmed Ali den Juden Gelegenheit geben wollen, Thiers zu beschämen, und dessen Günstling zu entlarven? So schön, so erfreulich, so glänzend es sein würde, wenn es diesmal in unsre Hände gegeben worden, sonnenklar nicht allein die Unwahrheit jener Beschuldigung , sondern die Schlechtigkeit und Jntriguen derer zu zeigen, welche uns mit solchen höllischen Lügen verderben wollen: so müssen wir doch im Voraus unsre Hoffnung sehr herabstimmen, ob es gelingen werde? Jedenfalls werden wir aber mit dem Bewußtsein von dannen gehen — wir haben unsre Pflicht gcthan! Rußland und Polen. Petersburg, 13. Aug. Aus den verschiedenen Städten Curlands sind gegenwärtig mit Genehmigung und Beihülfe der Krone 341 jüdische Familien mit 2ö30 Seelen zur Ansiedelung nach dem Chersonschen Gouvernement abgefertigt worden. Die Reise wird etwa 3 Monate dauern, indem sie im Durchschnitt täglich nur 18 Werst (2i Meile) zurücklegen. Besondere Beamte sorgen für die Ordnung und Verpflegung. Am Orte der Ansiedelung erhält jede Familie 1» Dessiättnen anbaufähigen Landes für jede männliche Seele. Auch sind die Ansiedler auf 25 Jahre von den Abgaben und auf 50 von der Rekrutenstellung frei. —. Die Mitaner Zeitung schreibt aus Mitau vom 5. d. M.: „Die christlichen Bewohner Mitau's haben neuerdings wieder einen Beweis ihrer oft an den Tag gelegten Menschenliebe, Wohlthätigkeit und Toleranz gegeben. Sie haben die von hier auswandernden Juden bedeutend unterstützt, und Viele waren beim Abmarsch derselben, vom. Gefühl des Mitleids ergriffen, bis zu Thränen gerührt. Nachdem der hiesige Rabbine, I. D. Friedemann,