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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-09-05 · Heft 36 (5.9.1840) · p. Seite 520

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 36 (5.9.1840)
Date
1840-09-05
Page
Seite 520 (sequence 12)
Language
German
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520 sucht, (denn daß man absichtlich die Sache entstellen haben wollen, können wir uns nicht gut denken), so erscheint das Rühmliche, das man von sich selbst verkündet, um so mehr in einem zweideutigen Lichte. — Zu dieser Bemerkung, oder richtiger Rüge, fühlen wir uns aber durch Folgendes aufgefordert. Ein in einer jüdischen Zeitschrift stehender, die Berliner Cultuszustande rühmender Artikel hatte von den hiesigen Einrichtungen gesprochen, als waren diese gleich den ehemaligen Jakobson'schen in Berlin, nichts anders als ein von einem Privatvereine hervorgegangener Versuch, der sich mehr als sparsame Fortschritte, ja kühne Schöpfungen ertauben konnte. Dagegen glaubte ein Berichterstatter, der die hiesigen Verhältnisse genauer kennt, Protest einlegen zu müssen, und erlaubte sich in No. 3 dieser Zeit. d. I. sich darauf zu berufen, „daß ja diese Blatter ausführlich berichtet hatten, daß der Cultus allhiec der erste war und noch immer der einzige ist, der in allen Punkten eine Umformung erfahren, und bei der ganzen, 2500 Seelen starken, Gemeinde Eingang und Fortgang gewonnen." Ohne für jetzt untersuchen zu wollen, in wie weit Vorliebe für die hiesigen Institutionen diese Worte diktirt hat, so sieht doch so viel jeder ein, daß ihr Verfasser nichts anders als eine Abwehr beabsichtigte, indem ec eine offenbare Unwahrheit zurückwersen wollte, am wenigsten ging er daraus aus, irgend eine Privatgesellschaft verletzen und deren Streben in Schatten stellen zu wollen. Er scheint vielmehr sogar einzuräumen, daß allerdings eine solche, die oft aus der Elite einer Gemeinde sich bildet, und bei welcher leichter Uebereinstimmung der Gesinnungen zu bewerkstelligen ist, auch weiter gehen kann in ihren, (wenn auch vom Vers, nicht zu billigenden), gottesdienstlichen Anordnungen. Nichts desto weniger rief dieses in No. 10 dieser Zeitung, einen Gegenartikel von einem Mitglieds einer Privatgesellschaft (dat. Hamburg) hervor, der dem hiesigen Ritus Malkotschlage an und zahlreiche Mi scheberachs mit Nennung der Summen andichtete, somit offenbar zu erkennen gab, daß er unsre hiesige Agende nie gesehen, welche dieses ausdrücklich untersagt'). Inzwischen hatte *) Ausnahmsweise wurde es Hm. Eibeschütz, der zwei Legate für die Synagoge schenkte, gestattet, einen Extra-Mischeberach ^jedoch ohne Nennung der Summen) machen zu lassen, wozu der Vorstand erst seine Zustimmung geben mußte. Was sonst dort gerügt wird, hat man nach diesen Andkchtungen fast erwarten sollen, daß der hiesige Ritus gar als einer der überorthodoxesten gelten, ja verschrien sein müsse. Doch was geschieht nicht Alles in dieser sublunarischen Welt! Man höre! Ein Eorrespondent aus Dresden, dat. 11. Juni (die Synagoge allda wurde am 8. Mai eingeweiht) fühlte sich im Innern gedrungen, den dortigen, bereits mehrere Wochen (s. r. v.) bestehende Gottesdienst, und die Zweckmäßigkeit der dabei getroffenen Einrichtungen in No. 26. d. Z. zu rühmen. Alles recht gut! Aber da er fürchtet seine gtanzreiche Darstellung möge doch Andern etwas matt Vorkommen, sieht er sich nach einer Folie um, und so heißt es denn unter andern, „auch wol selbst die in Kopenhagen eingesührten Reformen sein lediglich von den Neuerern hervorgegangen," wobei er dann, nachdem noch mehrere Gemeinden tüchtig mitgenommen werden, zum Resultate kömmt, „daß Dresden also die einzige aus eifrigen Synagogenbesuchern, worunter auch talmudisch-gelehrte Greise sich befinden, zusammengesetzte Gemeinde sein dürfte, deren Mitglieder insgesammt an dem neuen Cultus Theil nehmen." Kann man sich auch des Lächelns erwehren, wenn so etwas in aller Unschuld, nachdem kaum 4 Wochen ein Gottesdienst bestehet, — m denen noch kein kalter Sabbat fiel — hingeschrieben wird, so indignirt doch die Art und Weise von der man dabei auszugehen sucht, die völlig auf Unwahrheit sich gründet. Denn daß der ehrenwerthe Dresdner Berichterstatter niemals dem hiesigen Gottesdienste selbst bergewohnt — wo er denn die eigentliche Theilnahme an demselben — und zwar auch die talmudisch-gelehrten Greise — geschaut haben würde, also die hiesigen Verhältnisse nur vom Hörensagen kennt, wollen wir verzeihlich finden, aber empören dürfte es, daß er auch nicht einmal einen flüchtigen Blick in die von Herrn Dr. Wolff t)etauß§e§ebm Agende geworfen, wo er sich überzeugt haben würde, daß keineswegs Neueder Einsender mit der heiligen Schrift abzumachen. Auch in dieser sind antropomorphistische Ausdrücke, und so lange gelesen werden muß, wird arsirr nicht so verwerflich erscheinen, zumal man das 'n dttwn dabei ins Auge zu fassen hat. „Wo heilige Liebe , wohnt, da wohnt auch heiliger Haß, wie helles Licht den starken Schatten wirft," sagt Draseke. rin übrigens zu verbieten, wenn Leute Lust haben zu fasten, leuchtet uns nicht ein, da sie wirklich an den astrologischen Grund am wenigsten dabei denken. Corr.

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