Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1840)
- Date
- 1840-09-05
- Page
- Seite 519 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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519 zu dämmern begann, strömten zahlreiche Gruppen von Männern und Frauen, Jünglingen und ^Jungfrauen, nach der — der Trauer des Tages angemessen — matt beleuchteten und schwarz drapjrten Synagoge. Die Beleuchtung war so eingerichtet, daß die Morgenseite mit dem Allecheitigsten ganz in Dunkel gehüllt blieb, nur von einem über dem heiligen Schranke zunächst der beiden Bundestafeln angebrachten silbernen altdavidischem Schilde "NN ging ein falber Schimmer aus, der die Umgebung einigermaßen erhellte, gleichsam sinnbildlich andeutend, wo der einzige Hoffnungsstrahl für Israel noch glänzt! — Der Vorbeter hatte das gewöhnliche Abendgebet verrichtet und setzte sich dann zu den Füßen der schwarz verhängten Kanzel, rezitirte die Klagelieder Jeremia, deren Schlußverse und der Chor in rührenden Tönen wiederholte. Es folgte dann das Lied inn ‘p'-iana* der Refrain . ttö'-rtia p2tn ward so charakteristisch ausgeführt, daß, als die sansterklingenden Kinderstimmen von der düstern Höhe herab jene Worte vernehmen ließen, man wirklich einen unsichtbaren Klageruf von Zions wüster Statte zu hören glaubte: „mein Haus ist verbrannt!" In wehmüthiger Begeisterung stimmte nun Alles mit dem volltönendenMännerchvre ein "N — Es ward an diesem Abende noch das ‘p*02"> rtr und ‘jv^s JT!d5 mx mit Chorbegleitung exeeutirt, worauf der Gottesdienst schloß. — Am folgenden Morgen folgte nach Einhebung der Tora *mö rQw vom ersten Vorbetec ohne Schnörkelei angemessen rezitirt, sodann noch mehrere ausgewählte die sich theils durch größere Sprachreinheit, theils durch ihren Inhalt (besonders in Bezug auf die jüngsten Ereignisse im Orient) zur Rezitirung eigneten, von beiden Vorbetern abwechselnd, bis gegen 8 Uhr das *,nn Vvp ■ynEnto wieder wie gestern Abend abgesungen wurde. Der Oberrabbine Dr. Frankel bestieg nun die Kanzel und hielt einen sehr angemessnen und hinreißenden Vortrag über den Text 5 Mos. 4, 30, worin er vorzüglich darauf drang, daß Festhaltung an den jüdischen Glauben und an den jüdischen Namen die Hauptaufgabe in der jetzigen bedrängten Zeit, wo die grellen Anklagen des Mittelalters sich wiederholen, für uns sein müsse. Das Schlußgebet des Oberrabbinen, eine sinnvolle Paraphrase des ■W'iölrT, ließ kein Auge der zahlreich versammelten Gemeinde trocken, und bei solcher Stimmung konnte die nun folgende treffliche Rezitirung des (durch die Uebersitzungen Mendelssohns und Herder's auch dem deutschen Publikum bekannt gewordenen) klassischen verfaßt von R. Jehuda halevi, ihre Wirkung nicht verfehlen. — Die Absingung des abwechselnd vom Vorderer und Chor, beschloß diese würdevolle Trauerfeier, Vormittags gegen halb zehn Uhr. Allen anwesenden Gemeindegliedern muß hierbei das Lob gespendet werden, daß sie allesammt dazu beitrugen die Würde und den Anstand aufrecht zu erhalten, indem von Seiten des Vorstandes, um Gewissenszwang zu vermeiden, ein Verbot des Sitzens auf kleinen Bänkchen u. dgl. nicht ergangen, sondern blos die Vorkehrung getroffen war, daß, wer Schuhe oder Stiefeln auszrehen wollte, solches in der Vorhalle zu thun und dafür eine anständige Fußbekleidung anzulegen habe. Aber Jedermann, auch die dem Altherkömmlichen sonst mit Liebe Anhängenden, fühlte wohl was der öffentliche Anstand in unsrer Zeit in Deutschland erheische, und das Sitzen auf niedrigen Bänkchen (ohnehin nur ein mm und nicht S'vzm is^to) ward ganz unterlassen. Dennoch aber räumten die ältesten Greise ein, daß sie wahre Herzenstrauer um den Verlust unsers Heiligthums zum ersten Male an diesem s&a 'ü, wo sie nicht auf der Erde saßen, empfunden hatten. V. B. Kopenhagen, 30. Juli. (Privatmitth.) *) Wenn der Wetteifer nicht nur für die Wissenschaft, wie die Alten schon behaupten (irastt i-Din di$:p), sondern auch für das Leben von heilsamen Folgen ist, und man sich allerdings darüber zu freuen hat, wenn auch in den Gemeinden, oder doch bei denen, die das Wort zur Anpreisung ihres Cultus führen, ein solcher Wetteifer immer mehr rege wird, und namentlich jede Gemeinde darnach strebt oder dafür gelten will, das non plus ultra einer Synagogen-Ocdnung erzielt zu haben, so darf es doch nicht ungerügt hingehen, wenn man sich auf Kosten Andrer rühmt, -r22rw. Dadurch steht keine Gemeinde höher, daß in einer andern etwa noch größere Mängel herrschen, und noch viel weniger glänzt sie dadurch, daß sie das Strahlende an andern Orten zu schwarzen und in den Schatten zu stellen sucht. Zeigt aber das, was man von Andern dabei berichtet, daß man sich von dem, was anderswo statt findet, nicht einmal gehörige Kenntniß zu verschaffen ge- *) Nachdem durch die folgende Corresp. die Verhältnisse wieder irr's Gleiche gerückt sein werden, bitten wir unsere geehrten Correspondenten, diesen Rangstreit nun liegen zu lassen. Mögen überall die Thatsachen sprechen, denen wir so gern die Spalten öffnen. Red.