Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1840)
- Date
- 1840-09-05
- Page
- Seite 518 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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nie den Beleidiger oder gar dessen ganzes Haus aus Rache mit Schmutz beworfen; laß uns also schlafen, und nimm ein starkes Medicament gegen böse Wallungen des Blutes ein, damit Du dann geheilt, Deiner und unsrer würdig, Dir und allen Deinen Mitmenschen zum Wohle mögest leben können' — „Yalere non vivere est vital" — Doch nun genug von der scandalösen Geistesergießung des Herrn Professors, die ihre höchste Schmach und Strafe in sich selbst findet; so wenigstens — und das ist ein erhebendes freudiges Zeichen der Zeit — giebt sich die allgemeine Indignation bei Christen und Juden in unsrer Stadt über die beispiellose Verirrung und Selbstschändung des Herrn Professor's kund. — Möge er — und das wünsche ich herzlich — ein wirksames Mittel finden, um das wieder gut und vergessen zu machen, was er so sehr und am meisten gegen sich selbst gesündigt hat! Philalethes. So weit der Corresp. Zum Verständniß, daß die Erpectoration Schönlein's die Antwort auf einen Zeitungsartikel sein sollte, den die Leipziger A. Zeit, vor einem Monat brachte, und der von einem getauften Juden herrühren sollte. Wir können nur hinzufügcn, daß, wenn der Prof. Schönlein an uns Knoblauchsgeruch wahrnimmt, wir nach dieser Rede an ihm nur einen penetrirenden Geruch von faulem Schweizerkäse finden, den er gut und gern in Zürich hätte lassen können. Und damit Basta. Ohne Schönlein finden wir unfern Weg auch! Berlin, 26.Aug. (Privatmitth.) Vor Kurzem starb hier ein Student, mosaischen Glaubens. Seine Kommilitonen frugen bei der Gemeinde an, ob sie ihn aus Studentenart begraben könnten. Es wurde mit Dank angenommen. Ein Hundert Studenten mitMarschällen und Trauerstäben folgten unmittelbar hinter dem Leichenwagen, und ihnen folgten die israelit. Begleiter. Um das Grab schlossen die Studenten einen Kreis, und sangen die üblichen Bestattungslieder. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 25. Aug. Angekommcn: ‘■wrna ■'ii'Vib, Festgebete der Israeliten nach der gottesdienstlichen Ordnung im ist. Bethause zu Wien. Mit einer neuen Uebers. von I. N. Mannheimer, Religionslehrer und Prediger. 3 Bdn. Wien. 1840. (Vgl. den Art. „Wien" in den fortlauf. Berichten über Synag.- und Gemeinde-Ref.) Diese Ausgabe auf schönem Papier, mit großen, schönen Typen, sehr corcekt, mit einem schönen Titelblatte versehen, hat auch den Vorzug einer eben so getreuen, wie geschmackvollen Uebecsetzung, die in halber Spalte neben dem Texte sich befindet. Am Ende der beiden letzten Bände befindet sich eine Sammlung erklärender Anmerkungen, unket denen wir besonders die zum Col-nidre-Gebete auszeichnen. Für die Besucher des Wiener Tempels, so wie der. Bethauser, die nach dem Wiener sich gebildet, füllt dieses Weck ein wesentliches Bedürfniß aus. Wir mochten es aber auch allen denen (besonders Damen) in die Hand geben, welche auch in den gewöhnlichen Synagogen nur die Hauptgebete des Tages zu beten pflegen. — Predigt zum Gedächtnis S. M. Fr. Wilhelm 111. rc. von 0>. Sommerfeld, isr. Prediger. Elbing, 1840. Der Verfasser hat den richtigen Griff gethan, sich nicht bloß in patriotischen Phrasen herumzuwerfen, sondern Thalsachen anzuführen, die dem Hörer wahre Gefühle zu geben vermögen. Ref. .verfuhr bei dieser Gelegenheit ebenso. Was an dieser Predigt noch auffällt, ist, daß die Uebergange noch steif gehalten sind. Sobald die Zuhörer in der Einleit, den leitenden Gedanken erhalten haben, muß man frisch hineingceifen in die Mitte. Um so überraschter ist der Zuhörer, findet er sich am Ende gerade da, wovon ec ausgegangen. — Fortlaufende Berichte über Gemeinde- und Synagogen - Reformen. Dresden, 12. Aug. (Privatmitth.) Der Gottesdienst, wie er an dem jüngsten Gedächtnißtage der Zerstörung Jerusalems nan 'a in unsrer neuen Synagoge abgehatten wurde / verdient wahrlich einer besondern Mittheilung. Ware es auch nur, um den Radikal-Reformern zu zeigen, daß man nicht alles Alte über den Haufen zu werfen und so zu sagen das Kind mit dem Bade auszuschütten brauche, um religiöse Erhebung zu bewirken, den Ultra-Orthodoxen aber darzuthun, wie zweckmäßige Verbesserungen in unsrer Zeit allein geeignet sind, dem Judenthume die Teilnahme seiner Bekenner und die Achtung andrer Religionsparteien zu! sichern und mithin das wichtigste Gebot unsrer j heiligen Religion Stört tönp zu erfüllen. — War man seit Jahrzehnden gewöhnt, daß wer nur einigermaßen! Gefühl für Würde und Anstand der Relkgionsübung hatte, an diesem Trauertage von der Synagoge sich fern hielt, indem man anstatt von Wehmuth ergriffen zu werden in den meisten Synagogen an dem Abende, der uns die schrecklichste Begebenheit im Leben unsrer Stammgenossen vergegenwärtigen sollte, vielmehr eine komische Anwandlung fühlte, so bot der heutige Tag das entgegengesetzte Schauspiel dar. Schon am Abende, als es