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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-09-05 · Heft 36 (5.9.1840) · p. Seite 513

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 36 (5.9.1840)
Date
1840-09-05
Page
Seite 513 (sequence 5)
Language
German
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513 Jetztzeit vorenthalten, völliges Licht über diesen Gegenstand zu verbreiten. Nächstens ein Mehreres. St. Mik os (Liptauer Komitat), 20. Juli. (Privatmitth.) Wenn von allen Seiten Berichte über den Zustand der jüdischen Gemeinden an Sie einlaufen, mögen auch wir nicht Zurückbleiben, besonders, wo es gilt ein Zeichen des erwachenden Lebens zu geben. Wie in den meisten, von den Hauptstädten entlegenen Gemeinden Ungarns, fühlen auch wir hier, leider, den größten Mangel an allen Mitteln zur Beförderung und Verbreitung gesunder Ansichten, humaner Gesinnungen und wahrer Religiosität. Und was am meisten zeigen soll für dir Bildung der gegenwärtigen Generation, für die Anerkennung der Erfordernisse der neuen Zeit; und was die besten Hoffnungen erregen soll für das Wohl kommender Geschlechter; für die Blüthezeit einer künftigen geistigen Entwickelung, nämlich, der Unterricht der Jugend — dieser ist noch im rohesten Zustande, und allseitig vernachlässigt, vorzüglich bei der ärmern Volksklasse. Die Ursache hievon, und warum von Seiten der hiesigen Gemeinde noch nicht der kleinste Schritt zur Errichtung und Organisirung einer Schule gethan wurde; warum das so mühsame Wirken und Streben zur Verbesserung und Veredlung der Erziehung der Jugend aller anderer Orten, die Nachahmungssucht unserer Gemeinde so wenig in Anspruch nimmt, ja sogar alle angefangencn Versuche fruchtlos blieben, wird Ihnen Referent nächstens genau detailliren. Für heute möge bloß erwähnt werden, daß wir uns dennoch hier nicht wenig gebildeter Männer zu erfreuen haben, und unsere ganze Gemeinde im Allgemeinen zu den Gebildetem und Gesittcren Ungarns gehört. Am 1. Januar 1839 wurde hier von nicht mehr als zwölf Individuen ein Leseverein gebildet, der zum Zwecke hat bloß solche Werke und Zeitschriften anzuschaffen, die das allgemeine Interesse des Judenthums betreffen. Heute erfreuen wir uns schon mehr als zwanzig Mitglieder und besitzen eine ansehnliche Bibliothek. Wir glauben daher kein besseres Mittel, um das Vorwartsschreiten nicht nur von Außen, sondern von Innen zu bewirken, anempsehlen zu können, als diese gemeinnützige Lektüre. Die wenigen Mitglieder dieses Vereines sind, obgleich ohne Ausnahme dem Geschäftsleben angehörig, ernstlich bemühet, durch diese anerkannten nützlichen und belehrenden Schriften den Sinn für wissenschaftliche Bildung immer mehr zu wecken und zu nähren; bessere Ansichten und hellere Begriffe des Judenthums zu verbreiten, und ihre unermüdliche Thätigkeit, die kein Opfer scheuet, hat auch schon reichliche Frucht getragen. Viele Familienväter haben angefangen sich selbst kennen zu lernen, und werden mit jedem Tage eifrigere Anhänger und Vertheidiger ihrer Religion, der sie sich sonst geschämt hatten. Daher auch das Bedürfniß, unfern Kindern eine zeitgemäßere, vernünftigere Erziehung zu geben fühlbarer und dringender werden muß, und wir können mit Zuversicht den entscheidenden Augenblick nicht mehr ferne halten, wo in unserer Gemeinde kräftige Maßregeln werden ergriffen werden, um den dunkeln Schleier des Obscurantismus endlich zu zerreißen, und neues Licht und neues Leben über unsere Gemeinde ergehen zu lassen. Adolph Bacher. Preußen. Magdeburg, 23. Aug. (Privatmitth.) Die No. 3. des „Minist.-Blattes für die gesammte innere Verwaltung in den Kön. preuß. Staaten" enthält wieder Verfügungen, die zum Theil unter einer eigenen Rubrik: „ Ministeriell-Verfügungen über die Verhältnisse der Juden" zusammengestellt, theils zerstreut sind. Wir bemerken, daß sie fast Alle im beschränkenden Sinne abgefaßt sind, daß sie sich aber aus der Zeit vom 17. Febr. bis 24. Marz a. c. noch her datiren. Die erste Verfügung, von einem königl. Nescripte begleitet, S. 79, betrifft die jüdischen Stadtverordneten in der Provinz Posen, und lautet: „In der Anlage (b. b.) theile ich Ew. Hochw., mit Bezug auf Ihren Bericht vom 26. Dez. v. I., die unterm 5. d. M. auf die Jmmediat-Beschwerde der Verwaltungsbeamten der jüdischen Korporation zu N., über die Beschränkung der Zahl der jüdischen Stadtverordneten, an mich ergangene Allerhöchste Kabinets-Ordre in Abschrift mit, um darnach das Weitere gefälligst zu veranlassen. Die Beschwerdeführer sind im Sinne der Königl. Ordre von hier aus beschieden worden. Berlin, den 17. Febr. 1840. Der Minister des Innern und der Polizei, v. Rochow." An den Königl. Ober-Prasidenten der Provinz Posen.

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