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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-08-29 · Heft 35 (29.8.1840) · p. Seite 507

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 35 (29.8.1840)
Date
1840-08-29
Page
Seite 507 (sequence 15)
Language
German
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507 Verlauf von 40 Tagen kn dessen Mitte zurückzukehren. Mit Ungeduld zählte das Volk die Tage seiner Abwesenheit, irrte sich aber leider um einen Tag, und als Moscheh nach Verlauf von 39 Tagen nicht erschien, war seine Ungeduld gebrochen^ und von Teuftlsspuk geblendet, verfertigten sie das gotdne Kalb. Doch kaum zeigte sich am andern Tage Moscheh wieder, als gleich der 12. Theil des Volks, seine treuen Leviten, sich um ihn reihten, und das Schwert in der Hand tausende der Abtrünnigen dahin würgten, die übrigen aber zum treuen Gehorsam zurückführten. — Gleich wie einst Moscheh auf seine Leviten, so blicke er — Hr. Dr. R. — mit Vergnügen auf die kleine Anzahl seiner Zuhörer, in denen er die Stützen und Träger des ächten Judenthums erkenne. Gleich Jenen, würden auch sie vereinst die größere Masse der abtrünnigen Gemeindegtiedec auf die Bahn des Glaubens und der Religion zurückführen. — Ob gleichfalls durch das Schwert oder durch irgend andre Mittel hat Hr. Dr. R. unentschieden gelassen, und stillschweigends in das Ermessen seiner neuen Leviten verstellt. Nachdem Hr. Dr. R. solchergestalt das Selbstgefühl seiner Zuhörer erhöht und ihnen auf diese Weise ihre wahre Stellung im Leben begreiflich gemacht hatte, ging er zu der Betrachtung über, wie nothwendig es sei, in einer glaubensarmen Zeit seinen Geist zu erheben zu den großen Männern der Vergangenheit und aus ihrem Leben und Wirken Muth und Ausdauer im Kampfe gegen Irr- und Unglauben zu gewinnen. Hiermit war Hr. Dr. R. auf das eigentliche Gebiet seines gegenwärtigen Vortrags gelangt, dessen Zweck es war, an dem Todestage Moscheh's einen Trauergottesdienst (ny.ün) zu begehen zum Andenken an 4 unlängst dahin geschiedene Rabbinen, nämlich: 1) Rabbi Moscheh Sopher. 2) Den unlängst verstorbenen Rabbinen in Fulda. 3) Rabbi Akiba Eger, und 4) den unlängst verstorbenen Rabbinen von Jerusalem. In begeisterter Rede verbreitete er sich über das gottgefällige Leben und segensreiche Wirken jener Männer und wir glauben nicht zu viel zu sagen, wenn wir in jener Rede den frommen Feuereifer einer päpstlichen Allocution zu finden glaubten. Der ganze Hergang erinnert uns unwillkührlich an jene feierliche Promotion, wodurch das Oberhaupt der Kirche inmitten seiner Cardinale die Schaar der Heiligen durch neue Glaubens-Heroen verstärkt und dabei mit zerknirschtem Gemüthe den täglich zunehmenden Verfall der Religion beklagt. Wir hoffen, daß dieser Vergleich unfern Leser keinen Anstoß geben werde, in beiden Richtungen ist es nur dieselbe Heiligkeit des Strebens, welche wir anerkennen, mögen auch die Richtungen selbst noch so verschieden sein. — Den Lesern wird ohne Zweifel über, das Leben und Wirken jener 4 heiligen Männer, namentlich des Rabbi Moscheh Sopher, manches Detail bekannt sein, um darnach beurtheilen zu können, ob Hr. Dr. R. wol zu viel zu deren Lobe gesagt hat, wenn er sie als Muster und Vorbild zur Nachahmung dahinstellt, wenn er von ihnen sagt, daß sie die Grundsätze des Judenthums in ihrem Geiste aufgefaßt und im Leben bethatigt hatten. Ob auch diejenigen Grundsätze, welche Dr. R. unlängst als dem Judenthume eigenthümtich dargelegt hat, nämlich: „daß die Vernunft das Grundprinzip des Judenthums und ein Glaube wider die Vernunft ein Selbstmord sei" ob diese Grundsätze gleichfalls von jenen Männern im Leben bethatigt worden, wollen wir dem Ermessen des unparteiischen Lesers überlassen. De mortuis nil nisi hone. Uebrigens kann uns dieser Umstand in keiner Weise irren, wenn wir uns nur erinnern, daß, wie bereits oben erwähnt, in dem großen Kreise exoterischer Zuhörer ganz andre Grundsätze dargelegt zu werden pflegen, als in den engern Zirkel der Esoteriker; und der unbefangene Beurtheiler wird, mit Rücksicht auf die oben angedeuteten Prinzipien, in dieser scheinbaren Inkonsequenz die höchste Consequenz erblicken. Bevor wir den Bericht über den fraglichen epitaphischen Vortrag schließen, können wir nicht umhin, dem Leser eine Probe von der talmudisch>tiatectischen Jnterpretationskunst mitzutheilen, die Hr. Dr. R. sich angeeignet und die ec mit ungemeinem Scharfsinn auf die Bibel zu appliciren versteht. Der Unparteiische wird gestehen müssen, daß Hr. Dr. R. in hohem Grade die Kunst besitzt, die heilige Schrift in acht tatmudischem Geiste und nicht ohne Originalität auszusaffen. Im Laufe seiner Rede nämlich suchte der Redner seine Zuhörer gegen die Sophismen der Apikocsim zu wappnen und wandte auf diese Letztem einen Vers des Psalrmsten an, worin derselbe von seinen Verfolgern sagt: "’S nrpb in? b? tan. rate , yis-pp üb •»‘voaib bsa t:ü d. h. nach der profanen Erklärung: „Siehe die Frevler spannen dm Bogen, richten ihre Pfeile auf die Sehne, um im Verborgenen den Redlichen zu treffen." Herr Dr. R. hingegen erklärt ihn, auf die s. g. Aufgeklärte angewendet, folgendergestatt : Siehe die Frevler spannen den Bogen und schießen giftige Pfeile (d. h. Sophismen) gegen das, was sie überflüssig nen-

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