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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-08-29 · Heft 35 (29.8.1840) · p. Seite 506

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 35 (29.8.1840)
Date
1840-08-29
Page
Seite 506 (sequence 14)
Language
German
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506 Händen desjenigen ist, der es zu gebrauchen versteht, das zeigt gerade ein Blick in die Geschichte der Gesellschaft Jesu. Durch ihre göttliche Politik allein vermochten sie es, dem mit reißenden Ungestüm dahin brausenden Strome der Reformation einen Damm entgegen zu setzen, welcher nach hundertjähriger Erfahrung sich kräftiger und nachhaltiger bewiesen hat, als alle Bannflüche und Jnterdicte. Dieselben Gefahren aber, welche vor 306 Jahren der katholischen Christenheit drohten, stehen dermalen, — wer könnte es leugnen? — dem rabbinischtalmudischen Judenthum bevor. Die Analogien zwischen dem Damals und dem Jetzt springen zu sehr in die Augen, als daß wir sie weiter auszuführen uns gemüßigt sehn müßten. Bon diesem Gesichtspunkt aus betrachtet dürfte der dem Hrn. Dr. R. wolhin und wieder gemachte Vorwurf der Unentschiedenheit seine vollkommene Erledigung finden und eine mehrjährige Wirksamkeit in diesem Sinne hat zur Genüge gezeigt, daß er im Besitze derjenigen Geistesvorzüge sei, welche nöthig sind, um in unsrer Zeit für eine veraltete Lehre neue Prosclyten zu gewinnen. Gleichwie in seinen Privatbezichungen, beobachtet Herr vr. R. auch in seinen öffentlichen Vortragen eine rücksichtsvolle Discretion. Anders und vorsichtiger spricht er vor einem großen Auditorium, anders im geschloffenen Zickel gleichgesinnter Freunde. Wohl mögen die letztem oft über den Inhalt seiner öffentlichen Vorträge frappict sein und ungläubig die gläubigen Köpfe schütteln; allein er weiß durch ein Wort, durch eine seine Wendung, ihre Bedenklichkeiten leicht zu beschwichtigen. So war es z. B. am Abende des Festes der Torafreude, als Herr 1)r. R. vor einem ungewöhnlich zahlreichen Auditorium einen religiösen Vortrag in ultra-modernem Geschmack zum Besten gab. Er legte hier öffentlich Grundsätze an den Tag, welche alle Erwartungen seiner Freunde darniederzuschmettern und die Früchts eines mehrjährigen segensreichen Wirkens zu untergraben drohten. „Die Vernunft, hieß cs, sei das höchste Prinzip des Judenthums, das Judcnthum fordere keinen Glauben, sondern vernünftige Prüfung, und ein unbedingter Glaube wider die Vernunft sei nach den Grundsätzen des Judmrhums ein Selbstmord." Wir wollen nicht auf die Consequenzen Hinweisen, welche sich aus diesen Grundsätzen entwickeln ließen. Mit Recht aber dürsten die altgläubigen eifrigen Anhänger des Hrn. I>r. R., denen das Wort „Vernunft" ein Schreckbild ist, mit bangen Zweifeln und Besorgnissen auf ihren treuen Seelenhirten blicken. Allein dieser Letztre wußte nicht nur ihre Zweifel mit Gewandtheit zu beseitigen, sondern auch ihr unbedingtes hingebendes Zutrauen aufs Vollständigste zu erneuern und für alle Zukunft sich zu sichern. Wenn er den Tag der Gesetzesfrcude dazu auserfthn hatte, um die sogenannten Aufgeklärten einen zweifelhaften Triumph feiern zu lassen und was kann gottgefälliger sei», als an diesem Tage Freude zu verbreiten? — so hatte er den Sterbetag unsers großen Lehrers Moscheh, welcher bekanntlich nach der Tradition auf den 7. Adar fällt, dazu bestimmt, um im auserwählten Kreise seiner innigen Freunde diesen eine glänzende Genuglhuung zu verschaffen. Es war am genannten Tage, an einem Donnerstage nämlich, als Herr Di-. R. in urplötzlicher Begeisterung, allen Anwesenden unerwartet, die Kanzel betrat. Die Eliten der hiesigen Gemeinde waren um ihn versammelt, d. h. alle diejenigen, welche jeden Tag wo möglich dreimal die Synagoge besuchen, jeden Neumondsabend fastend und betend ihre Sünden büßen, in den Tagen des Omar in langen Bärten erscheinen, kurz alle diejenigen, welche in Sitte, Geberde und Sprache als historische Monumente aus einer gemüthlich-poetischen Zeit in die kalte philosophische Gegenwart herübcrblickcn. Inmitten dieser würdigen Versammlung und an jener heiligen Stätte mußte zumal die Erinnerung jenes denkwürdigen Tages in dem empfänglichen Gemüthe des frommen Rabbinen zur religiösen Begeisterung sich steigern, und mächtig ergriffen von den poetisch-romantischen Gefühlen des gläubigen Mittelalters, warf Herr vr. R. einen Seherblick in die Vergangenheit, um aus ihr Trost für die Gegenwart und mit prophetischem Geiste Hoffnungen für die Zukunft zu schöpfen. Die Geschichte des israelitischen Volks bot, ihm Gelegenheit zu mannigfachen Betrachtungen, unter welchen wir nur folgende hervorheben wollen: Von'jeher, hieß es, habe sich in der Geschichte unsers Volkes die traurige Erfahrung wiederholt, daß dir Mehrzahl unsrer Brüder von einem hartnäckigen, widerspenstigen Geiste besessen sei. Schon in Egypten, in der Wüste und in aller Folgezeit, habe diese leidige Erbsünde sich kund gegeben. Doch inmitten einer abtrünnigen Menge habe doch stets ein kleiner Theil ihre Treue und Ergebenheit gegen die angestammte Religion bewährt. Bevor Moscheh Sinai's Gipfel bestieg, um aus den Händen des allmächtigen Gesetzgebers die Tafeln deS Bundes zu empfangen, versprach er dem Volke, nach

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