Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1840)
- Date
- 1840-08-29
- Page
- Seite 497 (sequence 5)
- Language
- German
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497 den bestehen noch, die in dem alten Schlendrian noch gänzlich befangen sind, ohne daß es imSchooße derselben an Wünschen nach Besserem fehlte. Für viele dieser ist nun diese Gedächtnißfeier eine Gelegenheit geworden, wo das Bcdürfniß eines geordneten Kultus, eines homiletisch gebildeten geistlichen Oberhaupts so recht hervortrat, und wo selbst die zur Anwendung gekommenen spärlichen Mittel in der Masse zündeten, und in Unzähligen den Wunsch nach besserer Gestaltung weckten, ja auch die Ueberzeugung mit einem Male schufen, daß solche ohne Umsturz geltender Vorschriften recht gut bewirkt werden könne. Diese augenblicklich entstandenen 'Ansichten und Wünsche müssen sofort benutzt werden, um auch zu einigen Resultaten zu kommen. Aus diesem Gesichtspunkte, und wenn Sie dazu die alte Bedeutsamkeit unserer hiesigen Gemeinde erwägen, werden Sie mir ein Referat und einige Bemerkungen gestatten. Nachdem am 3. August um 4 Uhr Nachmittags sämmtliche Schuljugend unter klaffenweiser Anführung ihrer Lehrer von den allgemeinen Schulhausern nach der großen, innerhalb schwarz dekorirten Synagoge aufgezogen, und daselbst in Reihen hingestellt waren, nahmen die Verwaltungsbeamtcn und Repräsentanten nebst den eingeladenen Gästen christlichen Glaubens, den Sitz vor der heiligen Lade im Halbkreise ein, von Hem das Rabbinats-Collegium die Spitze bildete. Herr Rabb. Assessor Isaak Heldenstein begann vor der geöffneten heiligen Lade mit feierlicher Ablesung eines hiezu paraphrasirten a-'izirri sVa V«, als Seelenmesse für den hohen Entschlafenen, und endete mit einem hebräischen Gebet für die Regierung Friedrich Wilhelm des IV, welches durch die dieser Sprache eigenthümliche Kraft und Fülle sowol, als durch die Wehmuth des ergrauten Betenden, die Herzen aller Anwesenden andächtig erschütterte. Alsdann trug der hiesige Kantor I. Blumenfeld in angemessener Trauermelodie den Psalm 17 in vierstimmigem Wechselgesang präeis vor, während dessen der erste Lehrer an der hies. Gemeindeschule, Herr Moritz Bernhard, sich an geweihte Stätte begab, und hierauf in einer Gedächtnißrede, in körniger deutscher Sprache, den Schmerz über den Hingeschiedenen Landesvater, nahe vor Vollendung des siebzigsten Jahres seines vielbewegten Lebens, mit treuen und lebendigen Farben schilderte; zugleich mit besonderer Hinweisung auf den Fortschritt der preußischen Israeliten unter Seinem Szepter, und die Anerkennung welche ihnen zum Theil geworden. Ferner machte Herr B. auf unsere nächsten Beziehungen und Pflichten, in gemeinfaßlichen und ergreifenden Worten, aufmerksam, welche, wie uns dünkt, wol durch tiefere Behandlung der Materien noch an positivem Werth gewonnen haben würden; indessen, begünstigt von einem schönen Redetalent, als auch von einer entsprechenden Persönlichkeit, erhielten sie die überfüllte Versammlung in voller Spannung. Dem Redeaktus schloß sich der Psalm 91, ebenfalls vom hiesigen Kantor im vierstimmigen Wechselgesang vorgetragen, an, dem noch der Redner ein herzhaftes Gebet, von Gott Heil und Segen für König und Vaterland heraberflehend, voll Rührung und Liebe anreihte. Auf dem wieder eingenommenen Platz wurde Herr B. von dem Vorstande mit warmen Dankesbezeugungen empfangen, denen wir um so mehr verpflichtet beitreten, da jener, ohne Ansprüche auf theologische Grundlagen, nur vermöge seiner rhetorischen Gewandheit den ehrenvollen Auftrag übernahm, ja — in hiesiger Gemeinde fast allein dazu befähigt — übernehmen mußte, daher auch die Kritik die hoffentlich im Druck erscheinende Rede nur von diesem Gesichtspunkte aufzufassen hat. Zum Beschlüsse der Trauerfeier wurde vom gesammten Gcsangpersvnal das allsabbatliche Gebet für den regierenden Herrn und König abgesungen. — Wenn es nun übrigens auch scheinen mag, daß die äußerste Seltenheit eines derart geregelten Gottesdienstes in hiesiger Synagoge, Hie nächste Ursache des in allen Gemüthern zurückgelassenen Eindrucks sei, so gilt doch wol als erheblicher in Anrechnung zu bringe^, daß der grüßte Theil der zugegen gewesenen hiesigen und Auswärtigen, auf Messen und in andern Städten israelitische Prediger von Beruf zu bewundern und ihren Geschmack zu lautern Gelegenheit hatten, demohnerachtet an der Einfachheit, aber erbaulichen Ordnung und dem heiligen Ernst dieser Andachtsfeier sich labten: daher um so nachdrücklicher anzuerkennen ist, daß dieselbe, trotz dagegen kämpfender fried- und liebloser Ansichten Einzelner, nur durch die Klugheit des, Strenge und Nachgeben gleich geschickt handhabenden Vorstandes der Weise zu Stande kam und ausgeführt wopden ist. Aber wohlmeinend mag hier