Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1840)
- Date
- 1840-08-29
- Page
- Seite 495 (sequence 3)
- Language
- German
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495 in ihren drei Abtheilungen doch 148 Mädchen. Der Unterricht wird gratis ertheilt, indem der Etat dieser Schule auf Kosten der hiesigen Gemeinde ruhet, nichts destowcniger wird sie so gut von reicher als von armer Eltern Kindern besucht, und mit Vergnügen siehct man hier Kinder, hier leider zahlreicher Partheien vereinigt. Hier ist kein Unterschied zwischen Orthodoxen und Chassio, zwischen polnischen und deutschen Juden, allen Kindern wird die polnische Sprache, als Landessprache eingeübt und allen Unterricht ohne Unterschied ertheilt. Gegenstände des Unterrichts sind: polnische, deutsche und russische Sprache, Arithmetik, Moral, Religion, israel. Geschichte, Handarbeiten aller Art, auch Kleider-Zuschneiden, welche letzteren in den Nachmittags - Stunden von 3 bis 5 Uhr des Sommers und von 2 bis 4 Uhr Winters gegeben werden, die Vormittags- Stunden hingegen von 8 bis 12 Uhr nehmen den übrigen Unterricht ein. Dienstags, Freitags wie artth am Neumond ist Nachmittags frei, Sabbat und Feiertag der religiösen Ruhe gänzlich geweihet. Zum Unterrichte werden die von der Regierung für alle Schulen des Königreichs vorgeschriebenen Bücher benutzt, zur Moral und Religions-Lehre das schätzbare Werk des Herrn I. Tugendhvld, Mitgliedes und Sekretairs des Censur-Comitv für hebräische Schriften, welches er jüdischdeutsch und polnisch unter dem Titel: Heu jakir, czyii sya ultibiony sder geliebte Sohns zu diesem Zwecke herausgab. Die erste oder niedere Klaffe zählt zwei Abtheilungen, die dritte Abtheilung enthält die höhere zweite Klaffe, worin Grundsätze der Grammatik und Rechnen in Brüchen gelehrt wird. Das Russische ist erst neulich privat, und zwar statt der ehemals unterrichteten französischen Sprache cingesührt worden. Herr H. Waldenberg, Gatte der Vorsteherin, einer der ersten Begründer hiesiger israelitischer Elementar-Schulen, ist dieser Schule als Lehrer zugegeben, und arbeitet mit möglichster Thatigkeit und anstrengendem Fleiße, den irgend der zahlreiche Zuspruch nur heischet. Derselbe hat auch eine kurze biblische Geschichte nach Peter Beer und Andren, mit vortrefflichen moralischen Anmerkungen versehen, ausgearbeitet, wonach er den Unterricht in der Schule ertheilt, und welche Arbeit ihm den Beifall der Sachkundigen zugezogen. Gegenwärtig ist diese Schule unter Aufsicht des Direktors hiesigen Gymnasiums auf der Lesche, Herrn von Karwowski, dem die Negierung den Schutz aller hiesigen israelitischen Lehr-Institute aufgetragcn. Dieser edle Pole erfüllet seine Pflichten mit nachahmungswürdigem Eifer, und trägt sein Möglichstes bei, Aufklärung durch guten Unterricht bei unfern Glaubensgenossen zu befördern. Er ist es auch, der neulich der Negierung vorstellte, daß eine Elementar Tochter-Schule, bei einer hiesigen israelitischen Bevölkerung von circa 40,000 Seelen nicht hinreichend sei, und daß in entfernter Abtheilung der Stadt unter Vorstand der Mad. Laski von der Regierung eine zweite eröffnet werde. Die Einwilligung der Regierung ist bereits ausgesprochen, und sobald der nöthige Fond ermittelt sein wird, werden auch die entfernt Wohnenden ihre Töchter an dieser neuen Wohlthat unsrer wohlwollenden Regierung dankbar Antheil nehmen lassen. L. Derrtfchlan d. Wiesbaden, 7. Aug. Am Schluffe des Jahres 1838 war die Bevölkerung des Hcrzogth. Nassau 386,221 Seelen stark, worunter 6201 Israeliten. Oberndorf bei Bopsingen, 2. Aug. (Privatmitth.) Unser Mitbürger, der bisherige Bezirks- Rabb. zu Braunsbach, Hr. Dr. Frankfurter, wollte seinem gefühlvollen Herzen genügen und, bevor er die Reise nach Hamburg, dem Orte seines neuen Berufs antrat, noch einige Tage an dem Orte seiner Heimath, in der Mitte einer Gemeinde, in welcher er eingebürgert ist und in welcher sein Vater 33 Jahre lang als frommer Seelenhirre gelebt und gewirkt hat, verweilen. Bei dieser Veranlassung wurde er von unserm ehrwürdigen Rabbinen, Herrn G. Adler (dem ehemaligen Lehrer des ür. Fr.) im Einverständniß mit dem löbl. Kirchenvorstand ausgefordert, in hiesiger Synagoge zu predigen. Dieser Aufforderung entsprach Dr. F. bereitwillig. Und er redete am gestrigen Tage zu einer, seiner Worte lauschenden Versammlung, die nicht nur aus sämmtlichen Gliedern der hiesigen und der benachbarten isr. Gemeinde zu Aufhausen, sondern auch aus den weltlichen und gcistlichen Honoratioren der christl. Gemeinde dahier und der nahen Stadt Bopsingen bestanden, über Jes. 44. 7, 8. Wenn die Erwartungen, zu denen die acht klasfj^e Bildung und das schon von früher her bekannte