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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-08-29 · Heft 35 (29.8.1840) · p. Seite 494

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 35 (29.8.1840)
Date
1840-08-29
Page
Seite 494 (sequence 2)
Language
German
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494 Abraham Stern*) die Rede, der zu der bekannten Erfindung einer Rechenmaschine, welche die Bewunderung aller Beschauer so oft in Anspruch genommen, und auf deren Vereinfachung er immerfort sinnt, noch die nützliche Erfindung einer Vorrichtung, einen Wagen im vollen Laufen auszuhalten, gefügt hat. Uebrigens gehört unser Stern zu den eifrigsten Verehrern dieser Zeitung, deren Gang er unablässig mit ununterbrochener Aufmerksamkeit verfolgt. ®) liebet dieses bedeutende mathematische Genie stellen wir folgende Notiz aus unserm Isr. Pred. und Schul-Mag. B. II. S. 40 her: „Abraham Steen, geboren 1709 in dem Städtchen Hrubieszvw in der Woiwodschaft Dublin. Von ganz armen Eltern stammend, führte den Knaben das angebvrne mathematische Talent zu einem Uhrmacher. Der Gelehrte und Staatsmann Stasziee, Besitzer des Stavlchens, ward aufmerksam auf ihn, und riely ihm, nach Warschau zu gehen, um dort sich förmlich mathematischen Studien zu widmen. Mit Ueberwindung außerordentlicher Schwierigkeiten zeichnete er sich bald durch eclatante Erfindungen aus. So erfand er eine neue Drehmaschine, einen beweglichen, mit zwei kleinen Visiten versehenen Triangel, endlich zog er 181» durch die Erfindung einer neuen und die erstau, nenswerthesten Resultate gewährenden Rechenmaschine die Aufmerksamkeit des ganzen Landes auf sich. Leute aus allen Standen strömten jetzt zu dem kleinen Hause des jüdischen Mechanikers, der sich plötzlich im Umgänge der angesehensten Personen sah. So hatte man bald das seltene Beispiel vor Augen, in den Versammlungen der Gesellschaft einen polnischen und polnisch gekleideten Israeliten neben katholischen Bischöfen und Fürsten des heiligen römischen Reiches sitzen zu sehen. In dem Hause des Fürsten Michel Radzlwill sah ihn der Kaiser Alexander, der, selbst ein großer Rechner, sich, jedoch zu seinem Nachtheile, mit Sterns Maschine maß. Als Mitglied des berathenden Comitö über Schul- und Religionsangelegenheiten der Israeliten, opponirte Stern vom rabbinischen Standpunkte des Talmud aus den Reformvorschlägen der sogenannten deutsch-jüdischen Mitglieder. Er scheint dies aus der Ueberzeugung zu thun, daß die bezweckten, unvollständigen und halben Reformen der Maste seiner Glaubensgenossen die Einheit und das Zusammenhalten nehmen würden. Seine näheren Freunde kennen von ihm geschriebene Dissertationen über die Nokhwendigkeit von neuen Bibelübersetzungen aus dem Hebräischen. Von Christen geachtet und von allen seinen Glaubensgenossen ohne Unterschieb geliebt und verehrt, lebt Stern, arm geblieben, und erwartet noch die Anerkennung des Auslandes." In einem neuen Werke des Hrn. I. Kraszewski (Erinnerungen aus Wolhynien rc. — Wilna 1840) finden sich viele interessante Bemerkungen über" die Israeliten in Vdlhynien, Lithauen u., die wir Ihnen nächstens mitzutheilen uns erlauben werden. Schließlich können wir nicht umhin, der Redaction des hiesigen Eourrier das gebührende Lob zu ertheilen, daß sie alle die Israeliten des In- und Auslandes betreffenden günstigen Nachrichten mit vieler Liberalität aufnimmt und dadurch auf die allgemeine freundliche Stimmung des Publikums, bei welchem jenes Blatt zu einem der meist gelesenen gehört, sehr wohlthatig und beruhigend einwirkt. Wahrend andere Blätter sich zu den spottenden Bemerkungen, komischen Erzählungen und altbekannten, immer neu aufgefrischten Anekdoten bereitwillig hergeben, sehen wir die wohllöbliche Redaction des Courrier's alle derartigen Bosheiten streng von der Hand weisen und immer auf dem humanen Wege der Aufhellung über Mißverständnisse und der Heranbringung wohl-, meinender Berichte sicher und ruhig einherschreiten. Dr. 3. B. Warschau, 10. Aug. (Privatmitth.*) Finsterniß oder Gleichgültigkeit ist die gewöhnliche Klage aller Derer, die über Warschauer Gemeinveangelegenheiten berichten. Ich bin dieser Meinung nicht. Die Zeit entwickelt auch bei uns jetzt, rascher als vordem die Keime des Besten, dir einer treuen Pflege nicht entbehren. Erlauben Sie mir als Beleg, einen kurzen Bericht über eine sehr wirksame Anstalt. Im Jahre 1810 stellte Mad. Anna Waldenberg, Vorsteherin einer Privatschule, der hohen Regierung die Nothwendigkeit von Töchterschulen zum Elementar-Unterricht israel. Mädchen vor. Der erwünschteste Erfolg krönte ihre Bemühungen, und so wurde anno 1819 unter ihrem Vorstande diese Schule gegründet. Von ihrem Entstehen bis jetzt ist sie fortwährend im Wachsthum, und erfreuet sich eines zahlreichen Zuspruchs, und ohnerachtet des schwierigen Festhaltens der Schülerinnen, wobei Strenge aus diesem Grunde wenig anwendbar ist, indem die Nothwendigkeit der zu erlernenden Gegenstände für das zweite Geschlecht den meisten Müttern noch nicht genug einleuchtend ist, so zählt gegenwärtig diese Schule *) Nicht von unserm gewöhnlichen Eorrespondenten. Redakt. Redakt.

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