Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1840)
- Date
- 1840-08-22
- Page
- Seite 485 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225119-3225154--02926-3312436- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- hazzan 1× ep/1004827
OCR text
485 wenn ich nicht ernstlich die völlige Emancipation für die einzige Elaste zu erstreben suchte, der der vollständige Genuß der brittischen Eonstitution noch entzogen ist, u. s. w. Herr John Mävicar glaubte nicht, daß in allen Landen Ihrer Majestät eine einzige Person der bekannten Anklage den geringsten Glauben beimesse. M. H. sagte er, ich habe seit Jahren mit vielen Juden Verkehr und Umgang gehabt, und kenne sie als eine humane und wohlthatige Nation. Ich habe mich oft in Wohlthätigkeitsangelegenheiten an sie gewendet, und immer mit reichlich so gutem Erfolge als bei den Christen dieser Stadt. Herr Abraham Watkin rief das Interesse jedes Engländers für jeden Unterdrückten und Unglücklichen an. Und mit wem, sagte er ferner, sollen wir hier sympathisiren? Mit den Juden, den lebenden Abkömmlingen und Vertretern derjenigen, denen wir unendlich verpflichtet sind; mit den Juden — unseren Nachbaren und Freunden, mit denen wir leben; mit den Juden, unseren Mitbürgern, die allen ihren bürgerlichen Pflichten streng genügen, und zwischen uns auf eine Weise leben, welche in Hinsicht jeder Art von Respectabilitat viele von uns Christen beschämt. Fühlen wir mit denen, die mit uns fühlen! denn zu welcher von den vielen Stiftungen in dieser Stadt subscribiren die Juden nicht mit Freigebigkeit? Auch ich habe, wie Herr Mavicar, mich oft in Wohlthätigkeits-Angelegenheiten für Christen an Juden gewendet, und immer reichliche Unterstützung gefunden. Herr W. Rayner Wood sprach sein Bedauern aus, daß England je an Judenverfolgungen Theil genommen, und freute sich der veränderten Zeit. Er hoffte, daß solche Versammlungen wie diese die Regierung zur Aufbietung aller ihrer Kräfte zur Verwendung für die Leibenden anspornen würden. Nachdem die Versammlung die Veröffentlichung aller dieser Beschlüsse und den üblichen Dank gegen den Vorsitzenden beschlossen hatte, ward sie aufgehoben. Dänemark. Kopenhagen, 30. Juli. Die Röffilder Stände scheinen bei der Verwerfung ihrer Petition um Wählbarkeit der Mosaiken in die Stände sich nicht beruhigen zu wollen. Unter den 7 Partikeln der vom! Prof. Bang in Antrag gebrachten Proposition ist die zweite: „daß die Wählbarkeit, um Mitglied in der Stände-Versammlung zu werden, an keine anderen Bedingungen, als allgemeine persönliche Qualifica-- tionen geknüpft werden, und daß die mosaischen Glaubensgenossen, so wie die gewöhnlichen Consuls nicht von der Wählbarkeit ausgeschlossen werden mögen." Altona, 4. Aug. (Privatmirth.) Ich übersende Ihnen hierbei den Entwurf eines neuen Judengesetzes für Schleswig und Holstein, den die Regierung den neu eröffneten Ständen vorgelegt. Ich hebe kurz die Hauptpunkte hervor: Freie Niederlassung im Lande, gewöhnliche Gerichtsbarkeit, daher Aufhebung des jüdischen Gerichts zu Altona, städtisches Bürgerrecht, Wahlrecht, aber nicht Wählbarkeit, Aufhebung des Schutzgeldes, Zulassung zzr Advokatur, Medicin und Chirurgie, Groß- und Detailhandel, Aufhebung des §., nach welchem in Krämercompagnieen nur Christen eintreten können, Eintritt in die Zünfte, Erwerb von Grundstücken und Gütern zu eigener Bewirthschaftung, Nicht-Ausübung der Patronatsrechte, Verbot des Güterhandels, freie Ausübung der Religion, Anstellung eines Geistlichen bei jeder Gemeinde, der zugleich Chasan, nicht aber Schochet sein darf, Konfirmation, ohne welche nicht zu einem Eide zugelassen, in eine Zunft oder als Student ausgenommen, das Bürgerrecht ertheilt wird, Schulpflichtigkeit der Kinder, Niederlassung ausländischer Mosaiken nur mit allerhöchster Bewilligung, ausländische Mosaiken dürfen nur 14 Tage, und mit magisträtlicher Erlaubniß Ein Jahr sich aufhalten. Dies sind die Hauptpunkte des Entwurfs, der, wenn auch die Stände Manches abzuändern Vorschlägen werden, dennoch ungefähr in dieser Gestalt zur Ausführung kommen wird. So fangen denn endlich auch unsere Wünsche und Erwartungen in Erfüllung zu gehen an. Rußland und Polen. Warschau, l. Aug. (Privatmitth.) Zu den höchst wohlthätigen Folgen, welche die Allg. Zeit. d. Judenth. hier herbeigeführt hat, gehört unstreitig die Gründung eines jüdischen Armenhauses. Kaum war der in dieser Zeitung (III. Jhrg. No. 95, S. 548. Sp. 2) ertheilte wohlmeinende Rath in Betreff der Verwaltung des Armenwesens in der hiesigen Gemeinde zur anregenden Sprache gekommen, als so-