Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1840)
- Date
- 1840-08-22
- Page
- Seite 483 (sequence 3)
- Language
- German
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483 dem große Hülfe zukam, da sie sogleich von allen grausamen Torturen befreit wurden; aber unsere Feinde suchen dennoch die Juden zu stürzen. Zwar hat das französische Gouvernement eine Person gesandt, um den Gegenstand zu untersuchen, aber nicht direct aus Paris; sie instruirte bloß den Consul in Alexandrien, Jemanden nach Damaskus zu senden, und das Resultat war, daß er, als ein dem Consul von Damaskus untergeordneter Beamter zu Gunsten seines Obern entschied! Der Pascha gab einmal den Consuln sein Wort, daß die Gefangenen vor ihm in Alexandrien verhört werden sollten, allein sobald der französische Consul davon hörte, eilte er zum Pascha und bewog ihn, sein Wort zurückzunehmen. Gewiß, wenn der Prozeß in Damaskus geführt wird, so ist keine Hoffnung, da es niemand wagen wird, für die Angeklagten zu reden; wann aber im Gegentheil der Prozeß in Alexandrien Statt hat, so werden sie ohne Zweifel unschuldig befunden, da Hunderte von Zeugen zu ihren Gunsten da sein werden rc. rc. rc. Copie eines Schreibens eines vornehmen (christlichen) englischen Kaufmanns, des Sgr. Briggs, an den Gouverneur von Damaskus. (Als Mr. Briggs sich in dieser Stadt aufhielt, gab Scherif-Pascha ein Bankett für diesen Herrn, welcher diese Gelegenheit ergriff, um günstig für die Juden zu sprechen, und ehe er die Stadt verließ, richtete er folgendes Schreiben an den Gouverneur:) „Ich will Ihnen einen gerechten und großmüthigen Rath geben. Ich bin in Ihrer Stadt gewesen, und habe die empörende Behandlung der Juden mit angesehen. Ich bin der Meinung, daß es lediglich von zweien oder dreien ihrer Feinde herrührt, daß alle diese Verfolgungen über sie gekommen sind. Dies kann unmöglich dem Allmächtigen Wohlgefallen, denn die Juden sind ohne allen Zweifel unschuldig. „Lassen Sie eine große Prämie in der Stadt darauf setzen, wer den Pater Tomaso ausfindig macht — „Ich habe über diesen Gegenstand auch an meinen Freund, den Pascha von Aegypten, geschrieben." Interessant ist auch die Antwort des Oberrabbinen von Damaskus auf die ihm nach der Tortur gestellte Anmuthung, ein Bekenntniß jenes I Verbrechens, zu unterzeichnen, aus einem Brief aus Konstantinopel vom 18. Juni: Er sagte: „Als ihr mich schlüget mit 500 Hieben über meinen ganzen Körper, gestand ich eine Lüge nicht ein; als ihr mich im Winter in ein Gefäß mit kaltem Wasser 3 Stunden lang eintauchtet und ein bloßes Schwert über meinen Kopf hieltet, daß ich ihn nicht aufheben konnte, log ich nicht; und als ihr mir 170 Schläge auf meine Hand gäbet, gab ich keine Unwahrheit von mir; und als ihr die Knochen, die ihr mir um den Kopf bandet, mir in die Augen triebet, um mich zu blenden, log ich nicht und sprach diese Unwahrheit nicht aus, und nun soll ich eine Lüge unterschreiben?" Bericht über eine Versammlung über denselben Gegenstand gehalten am Mittwoch 22. Juli 1840 in Manchester auf der Stadthalle unter Theilnahme einer großen Anzahl von Kaufleuten, Fabrikanten, Gelehrten und Geistlichen verschiedener christlichen Consessionen so wie auch einheimischer und fremder Israeliten. Ungefähr 20 Minuten vor 12 Uhr übernahm der Boroughgreeve, Herr John Brooks, in Abwesenheit des Mayors den Vorsitz, worin er von Herrn David Price, dem ältesten Constabler, unterstützt ward. Er verlas das mit 13) respectabeln Unterschriften versehene Schreiben, auf welches er die Versammlung angesetzt hatte. Die oberste Unterschrift gehörte einem anglikanischen und die letzte einem Geistlichen der schottischen Kirche an, außerdem seien die Unterschriften von so mannichfaltigen Klassen, daß er sie als den Ausdruck der Meinung der sämmtlichen Bewohner Manchester's betrachten könne, dahin, daß sie das Verfahren gegen die Juden in Damaskus als ein höchst teuflisches betrachten. Er selbst, der hier nun seit 25 Jahren mit vielen der hier wohnhaften Juden in Be rührung gekommen, hätte, obgleich er anfänglich ebenfalls nicht frei von Vorurtheilen gewesen, gefunden, es sei mit ihnen eben so wol umzugehen als mit Christen. Es sei ein nüchternes, industriöses, ausdauerndes, standhaftes Volk, die man um so lieber gewinne, je mehr man sie kenne.