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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-08-15 · Heft 33 (15.8.1840) · p. Seite 478

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 33 (15.8.1840)
Date
1840-08-15
Page
Seite 478 (sequence 10)
Language
German
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478 wir dürfen es nicht dulden, daß man uns vor dm Augen aller unserer Glaubensgenoffen als solche bezeichne, die Ln stumpfe Gleichgültigkeit gegen alles Hohe und Heilige versunken sind: denn wir wollen rein vor den Menschen dastehen, so wie wir uns bestreben, rein vor unserm Gotte zu erscheinen. Aus diesen Gründen erachten wir es für unsere Pflicht, die Zustände unsrer Gemeinde, so wie sie sind, in der Kürze darzulegen. Zuvörderst haben wir zu bemerken, daß wir weder zum Düsseldorfer, noch zu irgend einem andern Rabbinats-Sprengel gehören, und daß auch nicht ein einziges hiesiges Individuum zur Besoldung eines Rabbinen beiträgt. Wol sind Aufforderungen zum Anschlüsse an uns ergangen, die wir aber, aus Gründen, die nicht hierher gehören, abgelehnt haben. Diesen Jrrthum des Düsseldorfer Referenten hätten wir nun wol als unschädlich können hingehen lassen. Wenn aber weiter behauptet wird, daß auch bei uns der Cultus verwahrlost und statt des geringsten Fortschritts, statt der geringsten Verbesserung nur trauriger Stillstand, Rückschritt und stumpfe Lethargie anzutreffen sei, so müssen wir hier freilich entschiedener auftreten und den Herrn Referenten fragen, ob er auch wol wisse, was er behaupte; ob er es wol verantworten könne, ein solches Urtheil über eine kleine Gemeinde zu fallen, die, trotz der geringen Mittel, in wenigen Jahren sehr viel gethan Hatz über eine Gemeinde deren hauptsächliches Streben dahin geht, durch Kirche und Schule auf den Geist und das Gemüth ihrer Mitglieder zu wirken; die, eben weit entfernt von finsterer Orthodoxie, wie von verderblicher Neuerungssucht, die heiligen Satzungen der Religion hochachtet, ohne darum die Forderungen der Zeit zu verkennen und in welcher Alt und Jung, Arm und Reich, der Orthodoxe und der Liberale Hand in Hand dem Ziele entgegenstreben. Weder Düsseldorf, noch sonst eine Gemeinde ist uns Muster und Vorbild. Unser eigenes, geistiges Bedürfniß lehrt und treibt uns, dasjenige zu thun, waS wir als nothwendig und förderlich erkennen und zeigt uns den Weg, den wir wandeln sollen. Die Verwaltung unserer Angelegenheiten ist geregelt, sie beruht auf feststehenden, im Jahre 1836 notariell angefertigten Statuten, und dürfen wir uns der Hoffnung hingeben, unsere jahrelangen Bemühungen um Sanctionkrung derselben Seitens der Staatsbehörde nunmehr bald mit Erfolg gekrönt zu sehen. In unserm Gotteshause herrscht Ruhe und Ordnung, so weit der sehr beschränkte Raum dieses gestattet; das unschickliche und störende laute Beten verschwindet mehr und mehr, und bei vielen Gebeten herrscht die tiefste Stille. Solche Stellen, welche gewöhnlich vorzugsweise zu unordentlichem Surcheinanderschreien Anlaß geben, werden theils vom Vorbetec allein, theils Vers um VerS rezitirt, und das wahrhaft entheiligende Versteigern der Mizwot, welches wir bis heran aus öconomischen Rücksichten noch haben beibehalten müssen, wird noch im Laufe dieses Jahres abgeschafft werden. Bereits seit einem Jahre haben wir einen regelmäßigen Chorgesang eingefühct, der zur Hebung und Belebung des Gottesdienstes um so mehr beiträgt, als außer demselben durchaus nichts gesungen wird, und welcher bei ftrnerm gleichmäßigem Fortschreiten, wol recht bald neben ähnlichen Instituten weit größerer Gemeinden möchte genannt werden können. Diesen Vorzug verdanken wir dem guten Geiste einer Anzahl junger Leute aus unserer Mitte, welche sich mit Aufopferung ihrer Freistunden dem schönen Werke widmen. — Was nun aber den religiösen Vortrag betrifft, so dürfen wir kühn behaupten, daß in dieser Beziehung, wenigstens in qualitativer Hinsicht, nichts zu wünschen übrig bleibt. Zwar kann diese Geistesnahrung der Gemeinde nicht jede Woche, sondern nur von Zeit zu Zeit gereicht werden; denn nur dadurch, daß Kantor, Gemeindelehrer und Prediger in Einer Person vereinigt ist, war es möglich, .diese Stellen genügend zu besetzen. Aber wenn ein religiöser Vortrag statt findet, so ist dieses ein besonderes Fest für die Gemeinde, bei welchem auch kein Kino fehlen will, denn die Predigten, die wir hören, sind gewählt, voll Begeisterung, Kraft und Wahrheit, würdig vorgetragen, sie kommen vom Herzen und gehen zum Herzen, und niemand verläßt wol die Kirche, ohne erbaut und belehrt zu sein; ein Urtheil, in welches viele unserer christlichen Mitbürger, ja selbst Theologen und andere Gelehrte mit uns einstimmen. — Und so tvie in der Kirche, so erfreuen wir uns auch in unserer Elementarschule, die ebenfalls seit einem Jahre reorganisier ist, und in welcher jetzt 23 Kinder beiderlei Geschlechts einen

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