Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1840)
- Date
- 1840-08-15
- Page
- Seite 475 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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47 6 I Sam. 2, 6. Ausspruch echt patriotischer Gesinnungen, allerdings noch Ln unausgebildeter Form.— Israelitischer Ehrentempel von E. B. Feder, zweite — 4te Lieferung. Dinkelsbühl, 1840. .(Vgl. Lit. Nachr. No. 17.) In diesen das Werk abschließenden Lieferungen werden zuerst Biographien von Spinoza bis Rothschild, dann eine große Sammlung von Erzählungen und Anekdoten aus allen Zeilen und Landern, zuletzt eine Reihe von Witzworrerr und Einfällen, gegeben. Da sie meist gut gewählt und gut erzählt sind, so empfehlen wir das ganze Weck (1 z Thtr.) zu leichter, anregender Lektüre.— Israelitischer Musen-Almanach. Von Di. Sam. Maye r, Rabbkne in Hechingen. Erster Jahrg. Dinkelsbühl. 1840. Daß in einer, zumal noch jungen, und sich entwickelnden Literatur vieles Mittelmäßige seinen Kours mitmacht, das ist nun einmal nicht anders. Allein cs giebt doch einige Gebiete, die gewissermaßen heilig gehalten werden sollten von den Schriftstellern, und mit großer Behutsamkeit betreten. Es ist nicht gernrg, ' eine Idee zu haben, man muß auch die volle Kraft besitzen, sie auszuführen. Ein israelitischer Musen-Almanach! Wir wollen über die einer solchen Erscheinung zu Grunde liegende Idee noch gar nicht uns aussprechen, nur die vorliegende Ausführung soll uns beschäftigen. Hier ist cs namentlich, wo nur das Vollendete, Ausgezeichnete hervortreten sollte, erstens in der Betrachtung, welcher erhabenen, göttlichen Muse Fortsetzung die neuere ifraelittsche sein müßte, dann in der Erwägung, daß die Welt schon so geneigt ist, alle israelitischen Erscheinungen mit feilem Spotte zu überschütten, und daß diese daher, namentlich auf den poetischen Fluren, mit Kraft gegürtet und mit Vorzüglichkeit gekrönt austreten müssen , um von vorn herein ihr Dasein unbestritten zu machen. Es ist nun schon an dem vorliegenden Musen- Almanach zu tadeln, daß er nur Produkte eines Autors enthalt. Denn dies widerspricht dcr Tendenz und Aufgabe eines Musen-Almanachs, welcher verschiedene Blüthen der Dichtkunst, die im Jahre Mm Aufbruch gekommen, sammeln soll. Alsdann aber daß der Inhalt unseren Wünschen und unseren Erwartungen nicht entspricht. Zuerst die metrischen Stücke sind wirklich schlecht. „Joseph, ein Epos, erster Gesang" ist gereimte, oft falsch gemessene Prosa. Wir stellen den ersten Vers her: Mein Lied ertönt von Jacobs Zierde (,) Vom Jüngling, den verfolgte Haß Und glühend lüsterne Begierde; Der dient' als Sclav', im Kerker saß, Und klug Egyptens Land regierte; Im Glück den Vater nicht vergaß, Den Brüdern zu vergeben wußte, Durch die er schmerzlich leiden mußte. Da nehme ich mir wahrlich lieber das erste Buch Mösts vor! Die schlechten Reime ,,schöne" und „Thrane," ,schwöre" und „Ehre," „neigen" und „erzeugen," „Boten und Boden" fließen in Unzahl. Wer kann j* B. den letzten Vers ertragen: Die Brüder sah'n die Handelsleute Und zerrten ihn aus der^Cysterne, Verkauften ihn mit Schadenfreude, Weit komm' er in die weite Ferne. Er ward dem Pdtiphar zum Kauf Gebracht. Ec nahm ihn liebreich auf Und spricht: erzähle dein Geschick, Die Thran' entfern' aus deinem Blick. Bei dem besten Willen, bei der größten Langmuth müssen wir wünschen, daß Joseph sein Geschick auf diese Weise nicht weiter erzähle. Nicht weniger sind die S.217 mitgetheilten „fünf Lieder in den Büchern Mosis" schon dadurch völlig mißrathen, daß sie in Reimen übertragen sind. Die Eincheilung des Strafliedes von Mosis j (5, 32) in ein Duett zwischen Mosis und Josua, die! sich bei der fünften Zeile immer vereinigen und zusam-! mensprechen, ist höchst geschmacklos. — Viel wehr Talent zeigt der Vers, in den prosaischen Stücken. Aber ich bitte ihn um Gotteswillen, wie konnte er eine Erzählung „Jda Nelken du ft" betiteln! Ja, wenn es eine Parodie auf die in manchen Strichen bei den Juden häufige Sucht nach sonderbaren, schwülstigen Namen sein sollte. So aber in allem Ernste ein schönes,! doch immer gebildetes, wenn auch verbildetes Mädchen! Jpa Nelkendust zu nennen! — Die Erzählung selbst ist! aus dem Leben gegriffen, und enthalt viel Wahres. ' Recht gut ist auch die zweite Erzählung: „Starrsinn! und Leichtsinn" gehalten, und am besten „Simon Bar- * cocheba," die den größten Raum einnimmt. Worin der! Versi einen recht guten Griff gelhan, ist, daß er viele! Agadot in die Reden seiner Personen verwebt, 'wodurch - sie oft sehr originell werden. „Simon .Barcocheba" erj weist übrigens abermals, welche große poetische Elemente j in unsrer Geschichte liegen, die schon an und für sich ' die Dichtung in der Höhe zu halten vermögen. Die Sprache in diesen Erzählungen ist leicht und fließend, wenn auch bisweilen zu weitschweifig. Die Gestalten der jüdischen Lehrer sind dem Vers, vollkommen gelungen, weniger die des Helden, die nicht in hellen Umrissen hervortritt, und mehr ein Raufer, als eine von messia- Nischen Ideen beseelte Persönlichkeit ist. Wir bedauern den Verf. wegen der Fluch von Druckfehlern, die das sonst gut ausgestattete Werkchen entstellen. Erster Anhang zum ersten Sendschreiben. Die Anregung zur Errichtung von Industrieschulen für israelitische Knaben, die wir in