Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1840)
- Date
- 1840-08-15
- Page
- Seite 472 (sequence 4)
- Language
- German
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472 Vorbeter, Herr Weintraub, unter Begleitung seines geschickten Sängerpersonals in einfach rührenden Melodien vortrug. Hierauf sprach der Herr Rabbine Mecklenburg aus der Fülle des Herzens vor der heiligen Gesetzeslade ein eigens hierzu verfertigtes hebräisches Gebet für den Frieden und die Seligkeit des hohen Dahingeschiedenen, der in den 43 Jahren seiner gesegneten Herrschaft das Wort Gottes zu erfüllen gestrebt hat; und nachdem noch einige Psalmverse aus K. 31 und 25 abgcsungcn worden, hielt der NeligionslehrerHerr Dr. Saalschütz, die Trauerrede über Spr. Sal. 14, 32. Derselbe endigte mit einem erhebenden Todtcngcbete, woran sich wieder Psalmodien (K. 61 und 72) schlossen. — Ferner zu Nordhausen, wo nach dem hebr. Seelengebete, und dem Necitiren mehrerer Psalmen, Herr A. Cohn eine sehr gehaltvolle und ergreifende Predigt hielt (über Spr. Sal. 10, 7), an die sich wieder andere Psalmen schlossen. Der Berichterstatter bemerkt dabei: „Der Feier entsprach ganz die würdige Haltung der Gemeinde. Möge dieselbe bei jeder gottesdienstlichen Vereinigung eine solche l»eobachten! Bei dieser Gelegenheit zeigte es sich wiederum, wie wohlthätig und unumgänglich nothwendig das Institut der deutschen Predigt für uns ist, und, obgleich Manche demselben noch nicht die gehörige Würdigung zollen, so werden dennoch'auch diese bald erkennen, welchen Einfluß die deutsche Predigt auf unsre geistige Bildung hat." — Nicht weniger in Greifenberg in Pommern, wo der Lehrer Lesser die Gedächknißpredigt über Spr. Sal. 20, 7 hielt. — Desgleichen in Aachen, wo in der schwarz dekorirten Synagoge, in Anwesenheit fast aller Behörden, und vor einer alle Räume ausfüllenden Versammlung, der Choralgesang aufs trefflichste von Herrn Wimm ebb ach er geleitet, und von Herrn Merfeld eine gediegene Predigt gehalten wurde. Der Berichterstatter fügt folgende Bemerkung hinzu: „Der Vorstand der Gemeinde, Hr. I. Levy, unter Mitwirkung der Herrn N. Mark und A. Mayer, aber besonders von den Prinzipien des crstern mit einem nachahmungswürdigen Eifer und den uneigennützigsten Bestrebungen beseelt, hat es nicht nur wahrhaft erkannt, was die Weihe eines Gottesdienstes erfordert, sondern wirkt auch rastlos dahin, den Cultus auf eine Stufe empor zu heben, wo er auf Geist und Herz seine Wirkung nicht verfehlen kann. Ich schicke diese Bemerkung voraus, weil es sonst wol befremden könnte, daß in einer Gemeinde, die sich noch vor einigen Jahren wenig von fast allen übrigen der Rheinprovinz, in denen noch der alte Jargon so tief eingewurzelt ist, hervorgethan hatte, der Gottesdienst auf ein ausgesuchtes,, gebildetes Publikum so tiefen Eindruck machen konnte, wie es bei dieser Gelegenheit sich auf die unzweideutigste Weise zu erkennen gab." Berlin, 22. Juli. (Nürnb. Corr.) Wie man erfährt, gab die Aufwartung der Aeltesten der jüdischen Gemeinde auch die Veranlassung, daß der König den mit anwesenden Seidenwaarenhändler Meyer über den Zustand dieses Industriezweiges befragte. Letzterer erwiderte, daß sie sonst für 12,008 Dukaten auf der leipziger Messe abgesetzt hatten, jetzt aber wenig oder gar nichts. Die russische Grenzsperre zwinge den Fabrikanten, sich nach Indien und Amerika zu wenden; dies vermöchten aber nur die größer», während die kleinern zu Grunde gingen. „Wie" fragte hierauf der König, „sind Sie im Stande, mit den Engländern zu concurriren?" „Wir jedenfalls!" war die Antwort. „Und wie groß ist Ihr Geschäft?" „In Berlin beschäftigen wir 1200, und in den verschiedenen Arbeitshäusern 3000 Personen." Münster, 3. Aug. (Privatmitth.j Der elfte und zwölfte Bericht über den von vr. A. Haindorf begründeten und dirigirten Verein für Westfalen und Rheinprovinz zur Bildung von Elementar-Lehrern und Beförderung von Handwerken und Künsten unter den Juden, und zwar für die Jahre 1837 und 1838, ist so eben erschienen, und giebt neuerdings von der segensreichen Wirksamkeit des Vereins, und von der edelsten Aufopferung des Dirigenten für seine Zwecke die offenste Kunde. Die Vereinsschule ist zu einer öffentlichen vermittelst Kabinetsordre vom 31. Mai 1839 erhoben, und hat als solche die Rechte einer moralischen Person. In Folge dessen hat der Schwiegervater des Dirigenten, Herr E. Marcks in Hamm, die Anstalt mit einem Capital-Vermögen von 25,000 Thlrn. dotirt — gewiß eine edele That, die in die Annalen Israel. Großthätigkcit würdig eingetragen wird. — Seit der letzten Berichterstattung (s. Jahrg. 1838 No. 45) sind 13 Lehramts - Aspiranten zur Ausbildung als Elementar- Lehrer ausgenommen, und 18 entlassen worden, die bereits sämmtlich an eben, so vielen. Gemeinden an-