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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-08-08 · Heft 32 (8.8.1840) · p. Seite 466

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 32 (8.8.1840)
Date
1840-08-08
Page
Seite 466 (sequence 14)
Language
German
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466 dürfniß, die gegebene Nothwendigkeit mit dem, was gethan ist und was noch immer geschieht, nicht übereinstimmt, sondern vielmehr in Streit liegt. Wir alle wissen, daß die Masse der jüdischen Glaubensgenossen zu den industriellen Gewerken zu führen ist. Es sind überall Vereine gestiftet worden zur Beförderung der Handwerke ic. Wir können es mit Zahlen Nachweisen, daß dieselben ihre Schuldigkeit gethan. Aber eben so müssen wir gestehen, daß ihre Wirksamkeit in unzähligen Lokalitäten noch eine sehr beschränkte war, unter den jüdischen Handwerkern ringt sich die Mehrzahl mit dem Erwerbe des kümmerlichsten Brodes ab, und nicht Wenige treten spater wieder zum Handel und Trödel über. Und dabei wol überrechnet, ist nirgends die Zahl der jüdischen Handwerker noch mit der Zahl der Seelen in genügendem Verhältnisse. Hat unsre Zeit überhaupt eine vorwiegende Richtung zum Kommerziellen, zum schnellen Austausche des Produzirten, so haben wir bei der jüdischen Masse um so mehr dieselbe nach Maßen zurückzudrängen. Worin die Ursachen nun liegen, daß in Ackerbau und Gewerk das gewünschte und erstrebte Ziel noch lange nicht erreicht ist? Wir sprechen es offen aus, weil die jüdische Masse vermöge ihrer Erziehung noch zu wenig, nicht an Arbeit überhaupt — denn der Hausirer mit seinem Packen vergießt gewiß die meisten Schweißtropfen — aber an manueller Arbeit gewöhnt ist, und weil sie im Gegentheile in ihren Bedürfnissen weniger an einfachster Beschaffenheit gewöhnt ist. Jenes führt daher die Masse im Ganzen noch zu wenig zur manuellen Thätigkeit; dieses läßt den Handwerker mit einem größern Bedürsniß ringen. Wir haben bereits den hauptsächlichsten Punkt berührt. Die beiden Uebel liegen in der Erziehung. Nicht den erwachsenen Knaben durch Bezahlung seines Lehrgeldes zum Handwerk zu führen, ist genügend. Es ist nothwendiger, dem Knaben eine Erziehung zu geben, die ihn per se zur industriellen Thätigkeit führt, und durch Einfachheit zur Verringerung seiner Bedürfnisse geschickt macht. Den Knaben von der frühesten Jugend an körperliche Arbeit zu gewöhnen, und mit den einfachsten Speisen zu nähren — das ist das Bedürsniß für die jüdische Masse, das wird im Laufe eines Dezenniums eine ausgedehntere Umbildung der untern Klasse Hervorbringen, als alle Vereine mit ihrer späten Hülfe. Und wie ist dies zu bewirken? Durch Errichtung von Industrieschulen, in denen die Knaben vom 5. Jahre an zur industriellen Thätigkeit und zur Einfachheit in den äußeren Bedürfnissen erzogen werden. Man gestatte uns, einige Ideen über die Einrichtung solcher Industrieschulen auszusprechen. Der wesentliche Gedanke einer Industrieschule ist: den Unterricht in den Elementen, d. i. Religion, Lesen, Schreiben, Rechnen und Realien, mit der Gewöhnung an Handarbeiten und mit vorläufigem Unterricht in industriellen Gewerken zu verbinden. Durch die verschiedenen Klaffen einer solchen Schule werden die Zöglinge in eine ganze Reihe von industriellen Zweigen eingesührt und eingeweiht, aus der sie mit Leichtigkeit einen Beruf sich erwählen, oder zu ihrem Berufe übergehen können. Je mehr Intelligenz die Knaben besitzen und entwickeln, desto eher steigen sie in Klassen, in denen die industrielle Betriebsamkeit einen größern intelligenten Boden hat, so daß die letzte Klasse, in die die befähigsten treten, die praktische Chemie, Technik und Mechanik, diese großen Hebel des jetzigen industriellen Lebens lehrt. Bauen wir uns den Riß einer solchen Schule auf. Von früh 4 bis 8 Uhr wird nach geschehenem Morgengebete durch alle Klassen Unterricht in den Schulwissenschaften ertheilt, ebenso von 5 Nachmittags bis 7 Uhr. Von 8 — 9 Uhr Vor- und von 4— 5 Uhr Nachmittags sind Frei- und resp. Frühstücks - und Vesperstunden. Von 1 — 2 Uhr Eßstunde. Von 9—1 Uhr und von 2 — 4 Uhr in den verschiedenen Klassen und je nach den Jahreszeiten manuelle Beschäftigung, und zwar: Pappar-

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