Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1840)
- Date
- 1840-08-08
- Page
- Seite 465 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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465 der Gebete, welche die Gemeinde zu beten hat, so daß dieser sie anfangt und endet; 5. daß daher Niemand mit dem Ehafan nütsingen darf; 6. die Kohankm werden vor jedem Festtage eingeübt, und Andere dürfen sich nur leise jenen anschließen. Wer hiegegen handelt, wird zur Ordnung verwiesen, oder aus der Synagoge entfernt. Zu gleicher Zeit ist die Mizwot-Versteigerung in den Synagogen aufgehoben worden, und darüber im Regulativ verordnet: die Aliot und Mizwot werden nach einem festen Tarif in den Wohnungen der Syndici verkauft, wo ein Jeder bis zum Vorabend sich zu melden hat; Chiubim muffen sich beim Küster bis zum Vorabend melden; unverkauft gebliebene, so wie an den Wochentagen ff. werden nach den Stellennummern von den Syndicis vertheilt. Seesen, 3. Juli. Am ersten Psingsttag fand hier Konfirmation mit 8 Knaben und 3 Mädchen statt; am Sabbat Nachmittag wird regelmäßig im Tempel vom Dr. Wohlwill eine Religionsstunde gehalten; der Kirchengesang macht erfreuliche Fortschritte; die Gemeinde hat ein vom Dr. W. entworfenes, vom Staatsministerium genehmigtes Statut erngeführt. Neulichst fand hier eine interessante Trauung statt, zu der der Schwiegervater (aus Warschau) im polnischen Kostüm, und der Schwiegersohn, ein Employä bei' dem Königt. Niederländ. Finanzministerium und dekorirt (aus dem Haag) kamen. Ein intereffanter Gegensatz, um so mehr, da sie sich den hiesigen Tempel nur des Rufes halber zum Trauungsakte gewählt. Trier, 4. Juli. (Trier. Z.) In hiesiger Synagoge hielt heute der Rabbinats-Kandidat Herr Moses Heß die erste Deutsche Predigt. Außer einem zahlreichen israelitischen Auditorium waren auch mehrere Beamte unserer Stadt, an ihrer Spitze der Regierungs-Präsident, Herr von Schaper und eine Anzahl christlicher Damen zugegen. (Die Pr. Staatszeit, theilt dies auch so mit, und ist dies darum bemerklich, weil dieses Blatt von einer israelit. Predigt im Preuß. Staate bis jetzt nichts wissen wollte. Red.) A« die Israeliten, l u s o u d e r s die deutschen. Erstes Sendschreiben. Die großen Bewegungen der Zeit fordern uns immermehr zu einer reiflichen Erwägung unsrer Verhälrnisse, unsrer Zwecke, unsrer Bedürfnisse und unsrer Handlungsweise auf. Das Ding gehen zu lassen, wie es geht — ist nicht mehr an der Zeit, ist der Zeit, ist unser unwürdig. Manche sind berufen zur That, Manche zum Worte. Und so ist es unser Zweck, durch eine Reihe von Sendschreiben an unsre Glaubensgenossen, in Vorurteilslosigkeit und mit ungeschminkter Wahrheit, die Sachlage der jüdischen Verhältnisse zu besprechen, und, wie nun seit einer Reihe von acht Jahren die Erfahrung, sorgsame Beobachtung und treue Liebe bestimmte Ansichten in uns hervorgebracht haben, sie zu Euch, meine Glaubensbrüder, auszusprechen. Es soll hier die Wirklichkeit geschildert, und was für dieselbe nothwendig ist, auseinandergesetzt werden, nicht das verhüllende, sondern das ossenlegende Wort soll seine Statt hier finden. Die Zeit sanguinischer Hoffnungen ist auch für den Schreiber Dieses vorüber. Gottlob, daß ihn die Enttäuschung nicht entmuthigt hat, daß er in sich die Ueberzeugung hat gewonnen, wenn auch das Wort nicht mehr Massen von ihrer Stelle zu bewegen vermag, dennoch findet die in die Welt geschieh derte Idee, hat sie lebenskräftige und lebensgemäße Elemente in sich, ihren Boden, und dringt mit der Zeit durch das gelockerte Erdreich. Darum gebe ein Jeder das Beste, was er hat, und verzweifle niemals an der Wirkung, und wenn auch der Erfolg nicht sichtliche Gestaltung gewönne. Was uns zuvörderst vorliegt, es sind die bürgerlichen Verhältnisse. Lassen wir die politischen noch zur Seite, die rein wesentlichen des bürgerlichen Lebens erfordern zunächst unsre Aufmerksamkeit. Man kann sich durchaus nicht verhehlen, daß hier dies Be-