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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-08-08 · Heft 32 (8.8.1840) · p. Seite 467

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 32 (8.8.1840)
Date
1840-08-08
Page
Seite 467 (sequence 15)
Language
German
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467 beiten, Korbflechten, Schnitzen, Tischlerei, Klempnerei, Maurer- und Zimmerarbeiten, Garten- und Feldbau, Buchbinderei u. dgl. in aufsteigender Linie. Die höchste Klaffe chemischen, technischen und mechanischen Unterricht. Es werden dabei die Zöglinge in Rotten getheilt, wo diejenigen, die bereits bedeutende Fertigkeiten erlangt, wieder zur Unterweisung und Beaufsichtigung der jüngeren angewendet werden. Dadurch wird die Zahl der Lehrer und Werkmeister mäßig, und man bedürfte nur einiger, die in besonderer Vorbereitung sich für eine solche Schule qualisizirt, und mehrere Gewerke sich angeeignet haben. Hierbei nun ist der zweite Hauptgesichtspunkt, die einfachste und mäßigste Erziehung der Knaben in materieller Beziehung. Gleiche Kleidung von den einfachsten Stoffen, Abhärtung gegen Witterung und Jahreszeit, Frühstück in Schwarzbrot» und Milch, Mittags kräftige Suppe und Zugemüse, Sabbat und Festtage ein Stück Braten, Abends ein Butterbrod und Biersuppe, kleine Sparkassen, Fußreisen. Nerbindet sich damit ein angemessener Religionsunterricht, eine stete moralische Einwirkung, so werden die Früchte großartig und weitumfassend sein. Die Ausführbarkeit solcher Institute reicht an das Mögliche. Sie müssen im Wachsthume begriffen, von kleinerm Umfange zur größten Ausdehnung sich hinaufarbeiten. Eine jede Provinz, die eine beträchtliche jüdische Seelenzahl faßt, muß ein solches Institut besitzen, und kann es leicht durch Zusammenschüffe in der ersten Anlage erhalten. Es werden nun mäßige Pensionen, mit halben und ganzen Freistellen eingerichtet. Z. B. die Pension 50 Thaler jährlich, die halbe Freistelle 25 Thaler, die dreiviertel Freistelle 15 Thlr., und die ganze Freistelle für ganz unbemittelter Eltern Kinder. Die Anstalt trägt Sorge, allmählig die industrielle Betriebsamkeit der Zöglinge zu reellen Produktionen zu leiten, aus denen sie Vortheil ziehen kann. Die Anstalt bedarf zuvörderst durchaus nicht der allzugroßen Lokalität, die sie allmählig nur erweitern kann. Ein solches Institut wird stets in einer kleinern Stadt errichtet, wo die Räumlichkeiten leichter herzustellen sind. Wir haben hiermit unseren Glaubensgenossen nur die Idee solcher Industrieschulen hinstellen wollen, deren unsäglicher Nutzen jedem Verständigen leicht in die Augen springt. Nur durch solche Anstalten kann eine radikale Umbildung der untern Klaffe erwirkt werden. Sollten sich nicht überall Männer finden, die diese Idee mit Liebe ergreifen, mit Thatkrast verfolgen würden? Wir haben durch die neuesten Ereignisse gesehen, daß die jüdische Glaubensgenossenschaft in der öffentlichen Meinung noch auf sehr schwachen und schwankendem Boden stehet. Wir haben unsre Pflicht gethan, und der civilisirten Welt gegenüber uns gerechtfertigt. Es ist aber gerade jetzt nun die Zeit, durch eine allgemeine Rüstigkeit zu zeigen, daß wir uns allerdings auf dem Gebiete des Bürgerthums und des bürgerlichen Lebens ganz heimisch machen wollen. Wohlan! durch Gründung solcher Industrieschulen in allen Provinzen würden wir diese unsre Absicht, diese unsre Rüstigkeit am glänzendsten erweisen, am offensten bethätigen. Dies ist zugleich ein Boden, wo gar keine Partheiung möglich ist, wo jede religiöse Meinungsverschiedenheit ganz und gar aufgeht. Lasset uns nicht abermals in Saumseligkeit das Beste versäumen. Alle Ihr, die Ihr wahre Hochherzigkeit und Sinn für das Allgemeinbeste im Busen traget, nehmet Euch dieser Sache an! Und so bitten wir die Leser dieser Zeitung, im Eifer für das Gute, dieses erste Sendschreiben in allen Kreisen, jüdischen und christlichen, bekannt zu machen, und zur Realisirung der ausgesprochenen Ideen anzuregen und beizutragen! Wir werden das Weitere heranzubringen nicht ermangeln.

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