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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-08-08 · Heft 32 (8.8.1840) · p. Seite 463

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 32 (8.8.1840)
Date
1840-08-08
Page
Seite 463 (sequence 11)
Language
German
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465 dle allgemeinen Vernunftsschlüsse wider das Verbot solcher Ehen hingestcllt, findet er, daß nach Paulus 1 Corinth. 7, 12 — 14 die Heirath zwischen Juden und Christen durchaus nicht verboten sei. Und dies spricht Augustin (de lide et operib. 1. 19, de adult, conjug. 25.) auch klar aus. Erst die Koncilien trafen dieses Verbot, zuerst das von Elvira, dann das zu Rom unter dem Papste Zacharias, das den Bann darauf feststellte, bis das zu Trient das Anathema auf die gemischten Ehen legte. Hierauf wendet er sich zum mosaischen Gebote, und die Ursachen des Verbotes der Eheverbindung mit den sieben Völkern, da der Einbruch ihres Götzendienstes zu fürchten stand, besprechend, findet er dies durchaus nicht anwendbar auf Christen. Er stützt sich dabei auf das bekannte Votum des Sanhedrins zu Paris. Weiter verfolgt er die Sache durch die rabbinische Entwickelung des jüdischen Rechts hindurch nicht. Allerdings gicbt er zu, daß durch eine Verheirathung der Juden mit Christen im Großen die Gefahr stehe, das Judenthum aufgelöst zu sehen, er will aber, daß der Gesetzgeber hiervon keine Notiz nehme, sondern daß dieser die Gestattung solcher Ehen ausspreche. Um alle sonstigen Hindernisse zu heben, empfiehlt er die Civilehe, und die Bestimmung der Religion der Kinder frei den Eltern zu überlassen. — Ueber die Rabbinenwahl zu Breslau. Goldbcrg 1840. Die letzten zwei Jahre. Breslau 1840. Beide Schriftchen beziehen sich ,auf persönliche Verhältnisse, und stehen wir daher gänzlich von ihrer Bcurtheilung ab, da wir hinlängliche Beweise der Verkennung und Mißdeutung auch bei größter Unpartheilichkeit erhalten haben, um uns von dem Gebiete der allgemeinen Fragen des Judenthums irgend zu entfernen. Dies insonders dem Einsender der beiden Schriftchen an uns. — Der Israelit. Roman von Balzac. Aus dem Französischen übertragen und mit einem Nachwort versehen von Dr. .... u, 3 Bände. Leipzig 1840. Wir empfehlen diesen sehr «igenthümlichen Roman insonders unseren Leserinnen. Derselbe weicht vielfach von den gewöhnlichen Wegen jüdischer Romane ab, und läßt uns einmal an Inquisition, Folter und Pöbelausläufc vergessen. In zarter, lieblicher Sprache entfaltet er ein schönes Hcrzensgemälde vor unseren Augen, und ob auch der Schluß sehr überraschend, und zum Theil unangenehm ist, so halten wir doch den Inhalt des Merkchens fest. Es ist die Liebe eines Juden und einer Prinzessin aus einem verjagten Königshause, die uns hier in ihrem allmähligen Wachsthum vorgeführt wird. Welche Extreme und dennoch welche Berührungspunkte des Schicksals liegen hierinnenDas Nachwort bespricht insonders, von welchem Standpunkte aus Jude und Judenthum Gegenstand der Poesie sei, und legt allerdings nur einen grandiosen Maßstab an. Wir fühlen uns bewogen, die Hauptstelle, die sich hierüber ausspricht, aus diesem schön geschriebenen Nachworte hervorzuheben. »In der That, bei dem häufigen Auftreten und Hineinziehen der Juden in die Dichtung in neuerer Zeit, kann man sich wol die Frage vorlegen, inwiefern der Jude überhaupt Object der neuern Poesie sei. Willig oder unwillig muß der Jude jetzt so oft den Malern, deren Farben die Druckerschwärze und Pinsel der Preßbcngel sind, zum Portraitiren, Kopiren und Manieriren sitzen, daß es sich der Mühe verlohnt, einmal näher hinzusehen, in welcher Beleuchtung und Gruppirung er eigentlich in ein wesentliches Gemälde passe. Denn hier kann man, wenn man gerecht sein will, den Juden nicht einmal gewohnter Zudringlichkeit zeihen, da er genommen und entführt wird, ohne seinen Willen und oft wider seine Absicht. Die Dichtkunst hat ihre eigentliche Bildungs-, Pflanz- und Ziehstätte da, wo der Kamps einer Individualität gegen die Totalität der Zeit und der Gesellschaft — des Verhängnisses — cntsponnen ist, und entweder in auf- oder absteigender Linie zum Siege oder zum Untergange führt. Wahrend die Geschichte rücksichtslos über diese Kämpfe hinwegfchreitet, und von der Allgemeinheit aus nur den Zusammenstoß — die Schlachten — und die Erfolge schildert, versenkt sich die Dichtung in die Seele des kampfenden Individuums, und zeichnet ihn auf seinen geistigen Wegen. Darum ist ihr das Materielle, die Wirklichkeit, welche die Geschichte eisern festhält, und festhaltm muß, preis gegeben, und macht diese zu ihrer Magd, während sic die Herrin der Geschichte ist. Die Geschichte muß sich meistern lassen vom - Gange der Begebenheiten als ihrer Wesenheit, die Dichtung ist die unumschränkte Gebieterin der Begebenheiten, die sie als rohe Baumaterialien bearbeitet, wie sie dem Plane ihres jemaligen Bauwerkes in Angemessenheitdienen sollen. Der Ausgang richtet sich ihr je nach den Momenten, nach der Jntensivität des Kampfes, und resultirt sich ihr nur aus den moralischen Kräften, die aufgewendet worden, nicht aus den materiellen. Dieser Ausgang ist daher allerdings auch der Dichtkunst eine Nothwendigkeit, aber eine selbstgeschaffene, während er der Geschichte eine von außen her gegebene Nothwendigkeit ist. Von diesem Standpuncte aus kann der Jude als solcher nur in dreifacher Gestalt ein wesentlicher Gegenstand der Dichtkunst sein, nämlich entweder aus der Zeit des Untergangs der jüdischen Nation und Selbstständigkeit, wie z. B. die Babylonier in Jerusalem von Uechteritz, oder kämpfend gegen die unterdrückenden Gewalten von außen, um seine Existenz als Mensch und Jude (wie z. B. die Marannen von Philippson) oder ankampfend um einen Hähern Standpunct und um wirkliche moralische Haltung (wozu wir einigermaßen den vorliegenden Roman Balzac's, auch den Alroy von d'Jsraeli rechnen können.) In den ersten beiden Situationen wirs das moralische Bewußtsein des Juden in den scharfen Grenzen seiner Subjcctivität verweilen, in der letztem wird er sich zum allgemeinen moralischen Bewußtsein erhöhen, und seine Subjectivität sich in einen sogenannten

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