Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1840)
- Date
- 1840-08-08
- Page
- Seite 461 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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46i stimmung. Nur Ein Umstand war diesmal neu, daß nämlich die Kommission, die darüber Bericht zu erstatten hatte, der Majorität nach auf die Emancipation wirklich antrug, was früher noch nie der Fall war. Berichterstatter war der Abgeordnete Kuenzer, welcher also auf Emancipation der Juden antrug, allein die Kammer verwarf mit 3t Stimmen gegen 17 den Antrag. Preußen. Berlin, 17. Juli. Die Leipz. A. Z. rheilt folgendes Nähere über die Audienz der jüdischen Aeltesten bei Sr. Maj. dem Könige mit: So eben haben die Aeltesten der hiesigen Judenschaft, und zwar der Bankier Salomon Meyer, der Fabrikenbesitzer Joel Wolff Meyer und der Buchhändler tlr. Beit, eine Condolenz - uiid Gratulationsaudienz beim Könige gehabt; und der huldreiche Empfang, den sie gesunden, sowie'die überaus gnädigen und trostreichen Worte, die der Monarch an sie gerichtet, haben einen so tiefen Eindruck gemacht und die angestammte Liebe zu demselben zu einer so begeisterten und hoffnungsvollen Hingebung gesteigert, daß diesem Ereignisse mehr als ein momentanes Jntercffe gesichert ist, indem cs dazu beitragen muß, die großen Erwartungen, welche das preußisch» Volk und die gesammte civilisirte Welt von Friedrich Wilhelm IV. Regierung hegt, auch in Beziehung auf die Verhältnisse seiner jüdischen Unterthanen zu rechtfertigen. Tie erste Anrede des eintretenden Königs war gleich so freundlich wohlwollend, daß jede Befangenheit, bei einer solchen Gelegenheit so natürlich, alsbald verscheucht ward; und nachdem Dr. Beit seine Rede (in welcher er Das, was die jüdischen Unterthanen Preußens als solche dem verstorbenen Könige verdanken und was sie vom jetzigen hoffen, auseinandersehte, sowie die Versicherung anzunehmen bat, daß w.nigstens in Beziehung auf Königs- und Vaterlandsliebe die jüdischen Unterthanen den christlichen Mitbürgern gleichzustehen unter allen Wechselfällen sich beeifern würden) beendigt hatte, erwiderte der König, der aufmerksam zugehört hatte, etwa Folgendes: „Mit Vergnügen habe ich die schönen Worte vernommen, die Sie, meine Herren, eben an mich gerichtet. Sie sollen bei mir gut aufgehoben sein. Bei dem Patriotismus, den die jüdischen Gemeinden meines Staates und besonders die Berlins zeigen, läßt sich schon weiter bauen, und es soll, verlassen Sie sich darauf, weiter gebaut werden. Wenn der selige König das Werk, das er begonnen, nicht vollendete, wenn in einzelnen Provinzen die bürgerlichen Verhältnisse der jüdischen Unterthanen, wie z. B. in Posen, noch zurückstehen, so lag dies in Umstänj den, die man, ohne ungerecht zu sein, nicht beseitigen konnte. Doch freut es mich, daß, wie ich höre, auch dort die Juden sich immer mehr der bürgerlichen Gleichstellung würdig machen. Meine Herren, ich bin, glauben Sie es mir, kein Anhänger der blinden Vorurtheile früherer Jahrhunderte." Es versteht sich von selbst, daß diese Worte, aus dem Gedächtnisse mitgetheilt, nicht ganz genau die der königlichen Rede sind, aber der Sinn und Inhalt, wie er sich unverlöschlich den Zuhörern eingeprägt, ist treu wiederholt; nur ist noch Vieles ausgelassen, was der Monarch huldreich hinzufügte. Er ließ sich die Namen der Deputirten nennen, fragte, ob die beiden Herren Meyer miteinander, und ob Hr. Veit mit den Malern verwandt sei, wie viel Mitglieder die berliner jüdische Gemeine zahle, ob es wahr sei, daß die Synagoge einer baulichen Erweiterung bedürfe, kurz es sprach ein königlicher Vater mit seinen Kindern. Zum Schluffe fügte er noch hinzu: „ Meine Herren, es war mir sehr schmeichelhaft, daß Sie mich persönlich zu sprechen gewünscht haben, obwvl Sie als Bürger bereits vollkommen durch die Deputation des Magistrats repräsentirt worden sind." Ais hierauf Or. Veit eine Eingabe der hiesigen Judenschaft auf den Tisch niederlegen wollte, soderte sie der König huldreichst mit den Worten: „Es ist wol besser, wenn Sie mir sie selbst geben." So endigte die Audienz. Die Kunde über den Erfolg dieser Audienz verbreitete sich mit reißender Schnelligkeit^ unter den Mitgliedern der hiesigen jüdischen Gemeinde; Dank, Freude und Hoffnung erfüllt die Gemüther; und die in diesem Augenblicke nach dem Tempel zum Sabbatsgottesdienste zahlreicher als gewöhnlich wallenden Juden werden ihr Dankgebet zum Herrn emporsteigen lassen, daß er die gerechte Trauer, in die uns der Verlust unsers zur Ruhe und Seligkeit eingegangenen Königs versetzt hat, durch die nicht minder gerechtfertigte freudige Zuversicht zu dessen geliebtem Nachfolger mildert. Sein allweiser Wille hat uns einen guten König genom- 32°