Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1840)
- Date
- 1840-08-08
- Page
- Seite 458 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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458 nett konnten. Die Mitglieder des Court of Aldermen wurden dort zurückgehalten; indeß. sind einige von ihnen jetzt angckommen, wie z. B. der Lordmayor. Dieser nahm auch seinen Platz unter lautem Beifall ein. Mr. O'Connel stand auf, und wurde mit lautem Beisall empfangen. Eine oder zwei Personen waren so ungezogen, zu zischen; aber der Beifall wurde nur um so lauter. Er sagte: ich kann der Versammlung die Versicherung geben, daß der Beschluß, den ich beantragen will, so einfach ist, daß er keine Verzögerung veranlassen wird. Es ist dies nur eine Dank-Adresse an den Lordmayor, welcher die Gesellschaft versammelte, und an den Ald. Thompson, welcher den Vorsitz führt. Und jetzt kann ich mich wieder setzen! (man ruft: nein, nein!) Wohl denn, so habe ich eine andere Pflicht zu erfüllen, nämlich die Meinungen eben solcher demüthiger Mitglieder' auszudrücken, als ich selbst bin. Als ich in's Zimmer trat, hatte ich ein Papier in der Hand, das ein ganzes Buch voll Gründe enthielt, um die Anklage, welche man gegen die Juden gemacht hatte, zu tatkräftigen. Aber sollten Gründe hier nothwcndig sein? Ich halte die Anklage für entschieden falsch! Und wenn auch die Beweise nur schwach sind, jedes menschliche Gefühl zeuget gegen diese schändliche Lüge. Nach den dargelegten Zeugnissen, welche hen moralischen Werth der Juden von England zu erkennen geben, könnte ein Mensch so entartet sein, und glauben, daß sie des Bluts bedurften zu ihren Gebräuchen? Ist nicht der Jude ein Muster in jeder Beziehung des Lebens? Ist er nickt ein guter Vater, ein guter Sohn! Sind sie nicht treue Freunde! (Beifall!) Sind sie nicht redlich, fleißig! Sie sind reich und in unscrm Lande konnten sie es ohne Fleiß nicht werden. Es beweist alles dies, wie unwahrscheinlich die Klage gegen die Juden ist. — Man könnte cinwenden, daß die Juden in Damaskus nicht die Juden unseres Landes sind, daß man dort einen schlechtcrn Charakter fände, und daher das Verbrechen glaublich ist. Darauf bedarf es aber nur der einen Antwort: die Vcrläumdung ist gegen die Religion gerichtet. — Der geehrte und gelehrte Gentleman fuhr fort, die Ungerechtigkeit, deren Opfer die Juden in Damaskus waren, zu beklagen. Man kann nicht den geringsten Zweifel in ihre Unschuld setzen. Das Verbrechen ist zu unglaublich, als daß es begangen worden wäre; der einzige Beweis ist das Zeugniß eines schlechten- Mannes, das ihm noch dazu durch die Tortur erpreßt wurde. Nehmen wir nur einen Au-, genblick an, daß die Tortur in England angewendet würde, und denken wir an die Folgen solchen Verfahrens. Würde nicht Jeder der Anwesenden gegen solches Verfahren laut protestiren. Aber unser Gefühl erstreckt sich auch noch auf die unglücklichen Juden, alle Engländer rufe ich auf, ihre Stimme wegen der Opfer dieser schändlichen Bedrückung zu erheben. Der Ruf möge gehen von einem Ende der brittischen Insel bis zum andern, (hört, hört) und wenn der Beifall eines Irländers noch fehlt, (Beifall und Gelächter!) so bin ich dafür da! Mr. W. Attwood unterstützte den Beschluß. Er stimmte den Gefühlen derer bei, die vor ihm gesprochen hatten, und sagte, daß es ihm eine große Ehre sei, an dieser Versammlung Theil zu nehmen. Da es ihr Vorrecht, sei es auch ihre Pflicht, die jüdische Religion von dieser Beschuldigung zu reinigen. Ich bin überzeugt, sagte er, daß die Wirkung der gegenwärtigen Versammlung sein wird, die Meinung des Landes über diesen Gegenstand laut auszusprechen, und die Regierung wird nicht länger zögern, solche Maßregeln zu ergreifen, welche den Gegenstand ordnen werden. Die Beschlüsse wurden einstimmig angenommen. Der Lordmayor sagte seinen Dank. Er versicherte der Versammlung aufrichtig und wahrhaft, daß es ihm das größte Vergnügen gemacht habe, diese Gesellschaft zusammen gerufen zu haben, und er fühle wohl, daß man den begangenen Gräuelthatcn ein Ende machen muß. Auch Mr. Alderman Thompson sagte seinen Dank. Ich glaube, sprach er, daß die gegenwärtige Versammlung bezwecken wird, ein Gefühl gegen diese Grausamkeiten im Lande aufzuregen, daß'man die Verbrecher, die Urheber desselben zur Strafe ziehen wird. Kurz nach 5 Uhr trennte sich die Versammlung. Frankreich. Lyon, 5. Juni. (Nach den Are!,. i«r.) Unsere Gemeinde ist eine junge, und darum lange Zeit unentwickelt gebliebene. Unter der eifrigen Verwaltung des Herrn Heyman de Ricqles gewinnt sie jetzt eine ganz andere Gestalt. Er hat ein Gemeindeita-