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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-08-08 · Heft 32 (8.8.1840) · p. Seite 457

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 32 (8.8.1840)
Date
1840-08-08
Page
Seite 457 (sequence 5)
Language
German
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4 i>7 stens konnte man sagen, daß man den Pater Thomas gesehen habe, den Weg nach dem Juden-Viertel einschlagen, und nicht wieder zurückkehren. Aber ist das genug, um beweisen zu können, daß der Barbier den Mord begangen und die reichsten Juden ihn dazu veranlaßt haben? (hört!) Der Priester verschwand, das ist wahr! Angenommen, er wurde ermordet: ist es nicht wahrscheinlicher, daß sein Diener, welcher Geld in seinem Besitz sah, eine gute Gelegenheit benutzte, seinen alten und schwachen Herren in die andere Welt zu spediren (to despatohe) und während der Nacht zu entschlüpfen. Da die Kostbarkeiten entwendet waren, und der Diener verschwunden war, ist es doch gewiß wahrscheinlicher, daß derselbe den Mord begangen hat, als die Juden; oder, vielleicht hatte er einen Feind in der Stadt: man weiß ja, wie gering das Leben eines Menschen bei den Türken gerechnet wird, und wie sie sogleich bereit sind, die Schuld auf einen Juden oder Christen zu werfen! — Die Ueberbleibsel des Leichnams sollen sich in kleinen Stücken in einem Abzugskanal gefunden haben. Sicherlich haben sie auch einige Spuren gefunden, und wenn dies nicht der Fall war, ist es gewiß, daß das ganze auch, eine Verläumdung war. Ueberhaupt, obgleich die Entfernung von uns bedeutend ist, kann man vernünftigerweise behaupten, daß Alles nur eine Erfindung ihrer Hasser war. (hört, Beifall!) Und wenn Ihr fragen werdet: wer sind die, welche sie Haffen? Solche, die den Namen Christen tragen. Wären es solche, die Götzen von Holz und Stein anbeten, die nicht glauben an unfern Erlöser, ich würde nicht diese tiefe Scham empfinden, daß diese sich des Frevels schuldig gemacht haben. Um das Christenthum von solchem Verbrechen zu befreien, damit man nicht glauben könne, daß. der Name Jesus solche Verbrechen sanctionire, halte ich es für meine Pflicht, meine Stimme zu erheben, und meinen Abscheu gegen solche ungegründete und schändliche Anklage zu erheben. - Ich glaube, daß die Wirkung dieser ungerechten Anklage, welche in Damaskus so lange fühlbar war, vorübergehen wird. Vor fünf Monaten legten die armen Juden sich mit Schrecken nieder, standen mit Furcht wieder auf, zitterten für sich und ihre Kinder, die in den Händen einer despotischen Macht waren, litten unter der Anklage eines Verbrechens, vor welchem ihre ganze Natur zurückbebte. Mr. Pien'tz hat ausgesagt, daß in Jerusalem die Katholiken, Griechen und Christen mit verdächtigen Blicken auf die benachbarten Juden blickten. So falsch wie die Anklage war, konnte sie doch unter einem leicht aufregbaren Volke fürchterliche Wirkungen hervorbringen. Denn erinnern wir uns, daß das ganze jüdische Volk beschuloigt wurde, Christen zu tödten, um mit diesem Blute das ungesäuerte Brod zu bereiten. Erinnern wir uns, daß nicht nur im Osten, sondern in der ganzen Christenheit, in den Straßen von Paris Blut vergossen wurde, und ein Mann vom Pöbel in Stücken zerrissen wurde, weil man glaubte, daß er zur Zeit der Cholera die Brunnen mit Arsenik vergiftet halte; im Osten' wurde einer ihrer Landsleute, nur well er einem medlichen Kinde die Wangen klopfte, von dem aufgeregten Volke dessen Rache geopfert. Wenn nun ein Volk, unwissend, noch unwissender und entarteter, als das niedrigste der Europäischen Völker, so handelt, kann man fick leicht denken, wie die Juden gequält und verfolgt wurden, (hört!) Es ist daher unsere Pflicht, die Abhülse ihrer Leiden zu beschleunigen, mit. dem Schilde der Brittischen Menschlichkeit sie zu schützen. Der Gedanke, daß unsere Bemühungen die Herzen derer, welche jetzt in Trauer sind, erfreuen und trösten, wie erfreulich ist er! So haben wir unsere Pflicht gethan als Christen und gute Bürger. Ein Gentleman aus der Mitte der Versammlung wünschte noch einige Worte zu sagen. Ich glaube, sprach er, daß Niemand die jüdischen Gebräuche und Gewohnheiten so gut kennet, als ich. Ich habe alle ihre Bücher gelesen, war bei Ausübung ihrer Ceremonien gegenwärtig, und in Allem dem ist keine Ahnung, daß ihnen ein einziger Tropfen Blut riöthig wäre. — (Hinter dem Redner fanden einige Unterbrechungen Statt, da man denselben nicht gut verstehen konnte). Der Gentleman fuhr fort: Ich will nur noch in der Kürze anführen, daß, sobald ein Jude einen Tropfen Blut kostet, er aufhört, Jude zu sein. Mit den Worten Shakspeare's kann man sagen: es ist eine Lüge, eine schmutzige, niederttächtige Lüge. (Beifall!) Der Beschluß ward einstimmig angenommen. Mr. Wire sagte, daß er während der Dauer der Versammlung mehre Entschuldigungsschreiben erhalten habe von einigen Mitgliedern, die nicht erschei-

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