Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1840)
- Date
- 1840-08-01
- Page
- Seite 450 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225119-3225151--02888-3312395- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
450 die Gerechtigkeitslosigkeit, mit der man wider die Juden verfährt, wahr nimmt. Haben denn die Leute gar kein Gewissen? Kömmt es ihnen denn ganz und gar nur darauf an, einem äußern Schein zu huldigen, diesen durch Trug und List zu retten? Wahrlich, nicht um der Juden willen allein, noch mehr um der Bosheit der Menschen, um der Verj derbtheit der Presse willen betrübt es mich. So giebt j der Nürnberger Corr., und aus ihm die Augsb. Allg. : Zeit, einen Artikel, .worin inan zeigen will, daß man; aus Mittelsranken nicht auSzuwandcrn brauche. Da! heißt es: „So konnten die Vorspiegelungen der Gej winnsucht, die allgemein verbreiteten Nachrichten über! die glückseligen Zustande Nordamerika's größtentheils! nur unverheirarhcte Personen beiderlei Geschlechts, be- : sonders aus dem Stande der Dienstboten, und mitl tcllose Israeliten werben, welche ungeduldig, einen ' eigenen Heerd zu begründen, den Muth nicht besäßen, ihn durch ausdauernden Fleiß und Entbehrungen im Vaterlande zu gewinnen." Welcher Abgrund von Falschheit! Alles wird im Artikel belobt, Alles ist vortrefflich — nur die Israeliten nicht., weil sie es sich einfallm lassen, in ziemlicher Zezhl au^zuwaIndern. So oft' h^t man ihnen gesagt: Geht! eine hohe Person hatPch einmal geäußert: Und wenn auch kein einziger Jude im Lande bleibt! — und nun sie gehen, nun sie mit ölutendem Herzen sich von Elter», Geschwistern, Heimath losreißen, schimpft man ihnen noch nach, und beschuldigt sie des Mangels an Fleiß, Ausdauer und der Kraft, Entbehrungen auszuhalten. Der Jude und keine Ausdauer — der Jude und keine Entbehrungen! Aber man berührt mit großer Gerechtigkeit, daß die Juden, die ausgetNmdcrt, sich keinen Heerd gründen konnten. Siehe L>a, warum konnten sie keinen gründen? Da liegt nun das puuetmu salis! — Weit, daß.ein Jude in Baicrn einen Heerd begründen dürfe, eine Matrikel dazu gehört, die bestehenden Matrikeln zu vermehren auf's strengste verboten ist, die jungen Leute also nie einen Heerd begründen können, wenn nicht durch Aussterbeu einer ganzen Familie eine erledigt wird. Nachdem also ein Jsrdelit ein Handwerk erlernt hat, gewandert ist, alle Bedingungen erfüllt hat, ist er verdammt, Geselle zu bleiben, bis es ihm vielleicht im 40sten oder bOsten Jahre gelingt, irgend wie eine Matrikel zu ergattern oder auch nicht! Und das vergleiche man nun mit der obigen LZeschuldigung. Herr Abfasser des Artikels, ich wünsche Ihnen, aus Rache, Nichts, als daß Sie ein solcher Israelit seien, der eine Matrikel sucht! München, 5. Juli. (Privatmitth.) Bei Gelegenheit der Feier des Stifkungstages der Ludwig- Maximilians-Universität dahier wurden, wie gewöhnlich, auch die Resultate der im verflossenen Jahre gegebenen Preisaufgaben mitgetheilt. Der medizinischen Fakultät waren auf ihre die Transplantation der Cornea lKeratoplastik) betreffende und durch Versuche an lebenden Thieren zu lösende Aufgabe drei Bearbei-' tungen eingeliefert worden. Die Fakultät erkannte einem jeden von den drei Verfassern derselben, worunter auch ein Israelit, Theodor Könizshöfer, cand. med. von hier, den ehrenvollen Preis zu. — So sehen wir denn fortan, daß sich jüdische Jünglinge stets bemühen, ächt wissenschaftlichen Studien sich hinzugeben und wünschen nur, daß dieses bessere Streben, das unter den Juden schon geraume Zett und in umfassenderen Kreisen tieft Wurzel geschla-. gen, auch recht bald einer allgemeineren Anerkennung sich erfreuen möchte. Preußen. Erfurt, 19. Juli. (Privatmitth.) Indem durch die jüngste Einweihung der hiesigen Gemeinde wol einige Aufmerksamkeit zugelenkr worden, gestatte ich mir einige Bemerkungen über dieftlbe. Bekanntlich fand im Jahre 1349 eine heftige Judenverfolgung hier statt, wodurch eine, mehr als 6090 Seelen fassende Gemeinde mit Stumpf und Stiel ausgehottet wurde. Ueberreste aus dieser Vorzeit sind noch häufig ausgegrabene Grabsteine, von denen einer der ältesten aus dem Jahre 1137 für drei Brüder, die in demselben Jahre nach und nach am Neumondstage dreier auseinanderfolgenden Monate verstarben, einer der jüngsten aus dem Jahre 13l0; und in der hiesigen Synodal-Bibliothek bewahrte, den Juden abgenommene Codices, worunter vier Torarollen, vier hebr. Text und Targum Vers um Vers durcheittknder, mit später hinzugefügter Massora, Punktation und rabbinischen Randglossen, eine Gemara Mass. Berachot ff., die allesammt einer neuern kritischen Durchsicht bedürften. Vor 26 Jahren wohnten Hierselbst nur zwei Familien, bis in den franzö-