Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1840)
- Date
- 1840-08-01
- Page
- Seite 449 (sequence 9)
- Language
- German
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449 Heilige Land, Mecca, Medinah, Damascus ünd Jerusalem, Plätze die dem Chnstenthüme geheiligt sind, diejenigen Orte sind, wo das Christentyum am wenigsten getrieben wird. (Beifall.) In Dqmascus, darf ich wol sagen, ist etwas für die Ausbreitung eines toleranten Geistes gethan, denn-früher konnte der Brittische Consul es nicht wagen, aus Furcht vor Beleidigungen, in europäischer Tracht auszugehen, und noch nicht vor zehn Jahren durften die Christen auf dem Bazar in dieser Tracht erscheinen; aber jetzt bin ich so glücklich zu sagen, daß dies nicht "mehr der Fall ist. Wenn man jetzt dz^Zustand der Dinge im Osten gehörig beurtheilen will, muß man einige Jahrhunderte zurückgehen, und das Land zu damaliger Zeit kennen gelernt HÄM. Die gegenwärtige Frage ist nicht nur in politisches sondern auch in religiöser Hinsicht verwickelt, und Man darf nicht vergesien, daß die Lage der französischen Regierung in Syrien sehr schwierig ist. Um zu zeigen, wie günstig der Herrscher Egyptens der gerechten Sache ist, will ich nur anführen, was ich sclbsWor einigen Jahren erfahren habe. Ungefähr vorbei Jahren verschuldeten sieben syrische Christen dem. Herrscher. von Egypten ungefähr 130,000 £., und da sie nicht im Stande waren zu zahlen, wurden sie zu den Galeeren verdammt. Um diese Zeit hatte Lord Prudhoe die Reise durch diesen Staat gemacht, (und diese Reise hatte manchen wohlthätigen Erfolg); der griechische Erzbischof ersuchte ihn und den Consul, ihren Einfluß bei Mehemed-Ali anzuwenden, um Vergebung oder wenigstens Erleichterung der Strafe zu erlangen. Diese redeten darauf mit dem Pascha, sie sagten ihm, daß er wol die Macht habe, daß es aber edler sei, gerecht zu sein. (Lauter Beifall!) Sie versicherten ihm, daß sie nicht zu ihm gekommen wären, für diejenigen zu reden, welche unrechtlich gegen ihn gehandelt haben, nur für die Thränen der Frauen und Kinder, welche/siein deren Äugen sahen, wenn sie an den^UWW.Zustand dachten, in welchem sie sich besinder^würden. Der Pascha ging seinem Palaste auf und nieder, und sagte, daß sie sich getäuscht hätten; denn es sei nothweudig, ein Erempel an denen zu statuiren, welche ihn so fthr beleidigt haben. Sie wiederholten noch einmal, daß sie nicht gekommen wären, für die Schuldigen zu bitten, sondern für die Unschuldigen, nicht für die Väter, welche sich gegen ihn vergangen haben, sondern .für die unschuldigen Wittwetr und Kinder. — Drei Tage nachher schickte ihm der Pascha einen Brief, und theilte ihm mit-, daß er den Christen vergeben habe. (Beifall!) Ich erwähne dies, um unsere Freunde zu ermuthigen, welche jetzt in ihre Fußstapfen treten wollen. (Schluß fsÄgt.) __ ’%r ,yr,rj Deutf chland. Hannover', 19. Juli.. (.Privatmitth.) Ihr Corrcsp. aus dem Calemhergischen hat Ihnen Mehreres mitgetheilt, weiches unsere Aussichten auf so dringend nothwendige Verbesserungen'in unserer bürgerlichen Lage zu erhellen scheint. Der Inhalt seiner Mittheilung ist wahr, aber seine Hoffnung theilen wir nicht. Zuerst wird die jetzige Stände-Versammlung zu Ende gehen, bevor nur an uns gedacht worden. Alsdann können Sie die Färbung der Concessionen, die wir erwarten dürfen, daraus erkennen, daß der $.31. dechmeuen Verfassungsurkunde so lautet: „Zeder^Landeseinwohner genießt völlige Glaubens -Mid»Gewissensfreiheit, und ist ztt Neligionsg&Su'ngln machen Seinigen )n. seinem Hause berechtigt. Die Mitglieder der e»Wg^isch.m'und römisch-katholischen Kirche Lenießen^gleiche bürgerliche und politische Rechte. Hat de? König andere christliche Sekten ausgenommen, so genießen sie die bürgerlichen Rechte, und haben das Recht zum Privatgottesdienste rc." Abgesehen davon, daß man eine Zahl von 12,000-, Landeseinwohnern (in einem so kleinen Staate) reinübersieht, als existiren sie gar nicht, so ersieht man hieraus, daß den Juden erstens die bürgerlichen und politischen Rechte, zweitens die Rcligionsübung, wenn nicht im eigenen HarIe,i versagt werden, da selbst vom „PrivatgotteMenste" nur bei recipirten „anderen christlichen" Sekten die Rede ist! Warum hat man nicht mit wenigen Worten hinzugefügt: „die Stellung der.Juden soll durch ein besonderes Gesetz geordnet werden" oder dergl. Zum Glück wollen jetzt Worte auf dem Papier noch Nichts sagen, und das Stabilitätsfyftem findet für Worte jetzt nirgends "mehr statt. Wir sind daher abermals bestimmt — zu warten. Warten wir, weil es doch nicht anders geht. Nürnberg, 8. Jhli. (Privatmitth.) Es ist wirklich herzzernagend, wenn man sich in den deutschen Zeitblättern umsieht, und überall die Falschheit, 31 *