Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1840)
- Date
- 1840-08-01
- Page
- Seite 448 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3225119-3225151--02886-3312393- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
448 Darckus ward folgender Antrag vorgelesen: „Da diese Versammlung mit der tiefsten Bewegung und mit dem größten Schrecken die Mitthellung der Grausamkeiten vernommen, welche man im Osten gegen die Juden verübte,' drückte sie hierdurch ihr christliches Mitgefühl für die Leidenden aus, und hoffte ernstlich, daß eine schnelle und unpartheiische öffentliche Untersuchung Statt finden wird, um vor dem Angesichte der ganzen Welt diese schrecklichen Verläumdüngen zurückweisen zu können, welche von ihren Verfolgern erfunden und begünstigt wurden, als ein Vorwaud, um solche Gräuelthaten gegen sie begehen zu können, welche bis jetzt in der Geschichte der Menschheit unbekannt waren." John Mastermaun Esq. erhob sich zum zweiten Anträge. Er sprach ungefähr Folgendes: „Ich halte es nicht nur für durchaus nothwendig, in Uebereinstimmung mit allen Engländern, der Unterdrückung rin Ende zu machen, sondern ich wünsche auch, bei der Gelegenheit darzuthun, welche Achtung ich gegen den freisinnigen und einflußreichen Theil der Juden habe, welche in diesem Lande wohnen, — hört! — für eine Körperschaft, welche stets den Herrschern des Landes treu ergeben war und durch Beförderung jedes guten Zweckes ihre Ergebenheit stets dargelegt hat. Ich kann nicht umhin, der Gesellschaft Glück zu wünschen zu der Erwählung dieses Mitgliedes, das bereit ist, sich nach Syrien einzuschiffen, um die Wünsche der Freunde des jüdischen Volkes in Ausübung zu bringen. (Hört!) Niemand ist der Wahl würdiger als Sir Moses Montesiore, und kein Mann ist mehr geachtet wegen seiner Tugenden im öffentlichen wie im Privat-Leben." Sir C. Forbes trat vor, um den zweiten Antrag zu unterstützen. Ich fühle, sprach er, daß ich nicht viel Zeit in Anspruch nehmen kann, weil mehrere Andere hier sind, die besser die Gefühle darlegen können, welche wol Jeder empfunden hat bei diesen Grausamkeiten, die die Juden in Damascus erdulden mußten. Judeß wollte ich nur eine Thatsache mittheilen, welche zur Geschichte des jüdischen Volkes gehört: der größte Theil der Indischen Armee besteht aus Juden. (Beifall!!) Dieses ist eine Thatsache, die nicht allgemein bekannt sein dürfte. Eine der vorzüglichsten Nationen in Bengalien bestand beinahe ganz aus Juden, und ein halb Dutzend Offiziere mindestens wurden aus dem jüdischen Volke erwählt. — Ich wollte nur dieses, sagen, und schliche, indem ich folgenden Beschluß beantrage: „ 2) daß diese Versammlung es für Recht hält, öffentlich ihren Abscheu zu erkennen zu geben über die Anwendung der Tortur, um von den unglücklichen Angeklagten Geständnisse zu erzwingen, daß man solche Geständnisse nicht für beglaubt halten könne; die Versammlung hofft ernstlich, daß dieser Ueberrest einer barbarischen Zeit für immer vertilgt werden wird, und haß nur solche Principien verfolgt und in allen Landern der Welt ausgebreitet werden, welche die größte Unparteilichkeit an den Tag legen." Darauf trat Dr. Bowring auf, um diesen zweiten Antrag zu unterstützen, und ward mit großem Beifall empfangen. „Ich denke, sprach er, daß man es nicht unschicklich oder unbescheiden finden wird, daß ich den Antrag, welcher eben der Versammlung zur Annahme vorgeschlagen wurde, unterstütze, ich darf es mir wol um so mehr erlauben, da ich mit den Oertlichkeiten des Landes, wo diese Verbrechen begangen wurden, vertraut bin, und sogar einige der Unglücklichen persönlich kenne. (Beifall!) Man hat mir in dem Kloster, in welchem Pater Thomas der ausgezeichnetste und wohlwollendste Bewohner war, Gastfreundschaft erwiesen. (Beifall!!) Ich weiß, wie sehr die Christen über seinen Tod betrübt waren, wie sehr sie durch die Umstände seines Todes aufgeregt waren. (Hört, Beifall!) Ich habe auch die Ehre, einige der Männer, welche diese Leiden er-' dulden mußten, persönlich zu kennen, und in diesem Augenblick habe ich ein Dokument in Händen, das in Damascus geschrieben ist, aus welchem die Wichtigkeit der jüdischen Bevölkerung hervorgeht, da es mehr als zwanzig Kaufleute in Damascus giebt, welche mit England mit einem Fonds von 16 — 18 Millionen Piaster in kaufmännischem Verkehr stehen. Außerordentlich groß wird meine Freude sein, wenn ich glauben darf, daß eine kräftige Fürsprache dieser Sendung des Wohlwollens und der Toleranz (des H. Montesiore) Beistand leistet, denn ich kann nicht alle in ihrem ehrwürdigen und heiligen Aufträge die Schwierigkeiten, welche sie treffen werden, verhehlen, und wie gefährlich es ist, für die Sache der unterdrückten Juden in der Gegenwart ihres Bedrückers, in diesem Lande des ärgsten Fanatismus, zu reden. (Beifall!) Es ist eine sonderbare ThatsaD, aber' nicht sonderbarer als wahrhaftig, daß derDsten, das