Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1840)
- Date
- 1840-08-01
- Page
- Seite 447 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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447 sind. Ich glaube, daß diese Anklagen eben so falsch sind, als die Natur derer, welche sie erfanden, grausam und schlecht ist, ich bin gewiß, daß das ganze Land sich mit einer Stimme, mit einem Willen erheben würde, ob diese Grausamkeiten, diese Greuel, welche in Damaskus in solchem Grade begangen wurden, zu unterdrücken. Diese Grausamkeiten fanden unter der Regierung eines Mannes Statt, dem ich als Krieger stets meine Achtung zollte; bedenken wir, daß dieser Herrscher für einen Freund der Civilisation gehalten zu werden wünscht, daß derselbe ganz Europa aufforderte, ihn dafür zu belohnen, indem man ihm dieses Land, in welchem solche Grausamkeiten Statt finden, als Erbbesitz übergebe. Ich hoffe, daß man seine Hoffnungen vereitlen werde. Der Bedrücker der Juden von Damaskus war ein Mann, der alle Völkerrechte verletzte, um seine Träume von Eroberungen und Ehrgeiz zu realisiren. Aber welches ist das Volk, welches solchen Leiden unterworfen war? (hört, hört!) Ein Volk, das durch Alles, was die Religion Theures und Heiliges hat, verbunden ist, (hört!) ein Volk, dessen Glaube sich auf die Geschichte gründet, das seine künftige, politische und religiöse, Wiederherstellung mit unbezweifeltem Vertrauen erwartet, ein Volk, das auf der ganzen Welt mit den Fortschritten des Handels und der Civilisation eng verknüpft ist, daß -mit der ganzen'Welt in freundschaftlichem Verkehr stehet; ein Volk, das friedlicher Gewerbe sich befleißigt, und — wie es hinlänglich bekannt ist — sich nie mit solchen verbindet, welche sich gegen die Regierung des Landes auflehnen. Früher waren sie die, welche die Erziehung des Menschengeschlechtes leiteten, früher übten sie selbst gegen Andere diese bürgerliche und religiöse Freiheit aus, welche sie gegenwärtig für sich fordern. Es ist ein Volk, das den besten Beweis gegeben hat von dem Werthe, des es auf Freiheit setzt, indem cs durch sein Benehmen zeigte, wie sehr es diese Principien auf Andere angewendet, ohne Unterschied des Glaubens; es hat das größte Recht auf die höchste Toleranz, die Beschlüsse, welche bereits ihrentwegen gefaßt wurden, forderte nur eine rechtliche Untersuchung der Grausamkeiten, deren Opfer sie waren; es ist nothwendig, daß die Anschuldigungen, welche man ihnen auferlegt, genau untersucht werden. Konnte wol eine gerechtere, vernünftigere Forderung gemacht werden? Man, wollte sa nur eine vollkommene, freie Untersuchung. Ich hoffe übrigens, gestützt auf das Ansehen der civilisirren Nationen, daß diese Untersuchung zeigen wird, wie die Berichte, welche mir über das Benehmen der Repräsentanten der Europäischen Mächte in Damaskus zugegangen, ungegründet sind. Ich hoffe, daß der Französische Consul im Stande sein wird, sich zu reinigen vor den Augen der civilisirten Welt von den Beschuldigungen, welche man gegen ihn machte, daß er nämlich, mindestens durch seine Unthätigkeit diese Grausamkeiten gebilligt habe. (Lauter Beifall!) Ich denke, daß die Anschuldigungen, welche man gegen die Juden in Damaskus ausgesprochen, ihre eigene Widerlegung schon mit sich führen, denn diese Beschuldigungen sind so gräuelhaft, daß Niemand sie glauben kann, (hört!) Nach meiner Meinung ist es unmöglich, daß wenn ein Volk — nicht ein Jahr, sondern Hunderte von Jahren , nicht eines Mordes, sondern einer Reihefolge von Mordthaten — sich schuldig gemacht, solche Thatsachen bis jetzt unbekannt und unentdeckt geblieben wären, (hört!) Ein einziges solches Verbrechen, wie das, dessen man sie gegenwärtig beschuldigt, würde ein lautes Geschrei des Unwillens hervorgebracht haben, einen Aufruf zur Bestrafung der Juden in den Ländern, die ihnen Schutz und Schirm bewilligten. Das Verbrechen ist unglaublich, aber ich fühle, daß die Juden von Syrien und England ein Recht haben, die Urheber dieser Verläumdung zur Rechenschaft zu ziehen., Die ganze christliche Welt will ich anrufen und fragen, ob sie nicht Vertrauen haben zu den Vorschriften ihrer Religion, nicht Achtung vor Gcreäßgkeit, nicht Dankbarkeit gegen die Vorsehung, welche sie in einem Lande wohnen laßt, das frei von Verfolgung ist, ich will sie aufsordern, ihren lauten Unwillen über diese Sache zu erkennen zu geben. (Beifall.) Dieser Aufruf wird eine Quelle des Trostes sein für dieses unglückliche Volk in seiner Betrübniß, in seinem Kerker; es wird den Tyrannen auf seinem Throne schrecken, cs wird dem Volke eine Erleichterung sein, wenn cs weiß, daß auch in der Ferne dafür gestrebt wird, daß solche Gräuelthaten sich nicht wiederholen, die nicht allein allen Vorschriften der Moral und der Religion ~ entgegen sind, sondern auch dem ersten und wichtigsten der Völkerrechte. (Lauter Beifall!)