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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-08-01 · Heft 31 (1.8.1840) · p. Seite 443

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 31 (1.8.1840)
Date
1840-08-01
Page
Seite 443 (sequence 3)
Language
German
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443 Schuldigen zu gelangen. Wir fragen, ob der französische Consul nicht gefühlt hat, daß er sich in gewisser Beziehung zum Mitschuldigen und Werkzeugs des Fanatismus, der Unwissenheit und der elendesten ' Leidenschaften gemacht hat, denen der Mord des Paters Thomas zum Vorwände diente, um ein unschuldiges Volk, dessen religiöser Glaube am Ende doch Bibelglaube ist, zu achten und zu berauben. Wir zögern nicht, das Verfahren des Hrn. Ratti-Menton ernstlichst zu tadeln. Wir hätten gewünscht, in den Worten des Conseilpräsihenten einige Zeichen dieses Gefühls zu finden, und bedauern, daß er in diesem fürchterlichen Vorfälle nichts sieht als eine armselige Frage der Etikette und eine Verwaltungsehrensache. Einige edelmükhige Worte zu Gunsten der Vernunft, der Humanität und Toleranz würden auf der französischen Rednerbühne besser geklungen haben als die unglaublichen Worte: „Jedes Land hat seine Justiz; die orientalischeist nicht die unsere!" Di« Dürre dieser parlamentarischen Sprache steht in auffallendem und traurigem Widerspruche mit den beredten Protestationen, die Lord Palmerston und Sir R. Peel auf der englischen Tribüne zu Gunsten der verfolgten Juden in Damaskus ausgesprochen haben.^ Aber auch der Courr/franc., der bekanntlich ein Vertheidiger des jetzigen Ministeriums ist, tadelt Thiers sehr bitter, daß er auf diese Weise nicht bloß den franz. Agenten, sondern auch die Tortur vertheidige. Alexandrien, 19. Juni. (Morning Chronicle). Die in mehreren Europäischen Blättern enthaltene Nachricht, daß der hiesige Britische General- Konsul, Oberst Hodges, von dem Vicekönig übel empfangen worden sei, ist durchaus ungegründet. Der Oberst hatte in der letzten Zeit häufige Zusammenkünfte mit dem Pascha und wurde von demselben stets freundlich empfangen und mit großer Achtung behandelt. Auch dürfte von den hier anwesenden diplomatischen Personen wol Niemanden bereitwilliger der Zutritt zu Mehmed Ali gestattet werden, als dem Britischen General-Konsul, obgleich die Mittheilungen, die er zu machen hat, oft nicht die angenehmsten sein mögen. Er war es' auch, und nicht der Oesterreichische General-Konsul, der die Angelegenheit der unglücklichen Juden in Damaskus zuerst bei dem Vice-König zur Sprache brachte und auf seinen Antrieb wurde die bekannte Kollektiv-Note der Konsuln entworfen und unterzeichnet. Der Oesterreichische General-Konsul ist hierbei allerdings direkt betheiligt, indem einer der angeklagten Juden, Herr Isaak Picciotto, ein Oosterreichischer Unterthan ist, der Oberst Hodges handelte dagegen nur im Interesse der beleidigten Menschheit, denn Britische Unterthanen sind in jene Angelegenheit nicht verwickelt. Rußlanö. Petersburg, 9. Juli. Den Juden des Reiches ist durch Senatsukas vom 12. (24.) Juni untersagt worden, die Einkünfte herrschaftlicher Güter, oder die von den Bauern zu leistenden Zahlungen, in Pacht oder Arrende zu nehmen. —. Ein Ukas des dirigirenden Senats vom 20. Juni (2. Juli) enthält Nachstehendes: „Aus Befehl Sr. Majestät des Kaisers ist es sowol den Russischen Unterthanen aller Klaffen, als auch den Ausländern, die ausländischen Juden nicht ausgenommen, versuchsweise auf 3 Jahr, d. h. bis zum Jahr 1S43, erlaubt worden, längs des ganzen Laufes des Dnicsters, durchaus freien Handel mit ausländischem Holze treiben zu dürfen, und zwar nicht nur im Großen, sondern auch im Detail; nur haben sie von sich aus in den Zoll-Aemtern die Angaben zu machen und den im Tarif festgesetzten Zoll zu bezahlen." Großbritannien. London, 15. Juli. (Privatmitth.) Alle englischen Blätter stimmen darin überein, dem Sir Robert Peel wegen seiner Aussprache über die Damasker Angelegenheit im Parlamente das höchste Lob zu spenden, sämmtlich aber lassen sie sich auch gegen Thiers und seine cynische Gleichgültigkeit aus, mit der er die Sache der Menschlichkeit weit unter die Vertheidigung eines französischen Agenten, den Niemand angegriffen hatte, gestellt. Herr Thiers ist so klug, daß er sich leicht verrechnet haben kann. Die Menschheit hat längst aufgehört, einer herzlosen Politik anheim gegeben zu sein. Die allgemeine Stimmung in England über unsere Sache ist erhebend. Sie erweist hinlänglich, daß im englischen Volke allein in Europa die reine Liebe zur Humanität am solidesten und wesenhaftesten wohnt, und überall gleich fest zum Vorschein kömmt. Hätte bloß die englische Regierung sich der Juden angenommen, so würde man darin nur eine Demonstration wider die franz.

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