Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1840)
- Date
- 1840-08-01
- Page
- Seite 442 (sequence 2)
- Language
- German
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442 Angelegenheit von Damascus gehabt, und war bei! einer'derselben von Herrn Odilon Barrot beglei- I tet, den mehrere Israeliten aufgcfordert hatten, beim Minister die Sache der Humanität und Zivilisation zu unterstützen. Herr C. verlaßt morgen Paris um sich in Gesellschaft des Herrn Moses Montesiore nach Alexandrien zum Pascha von Aegypten und von da nach Damascus zu begeben. Er überbringt Depeschen an den sranzös. Consul in Damaskus und, wie es heißt, hat er auch vom Minister der auswärtigen Angelegenheiten persönliche Instruction erhalten, um im Namen der Regierung bei Mehemet Ali äufzutreten. Paris, 11. Juli. Zn der Sitzung der Pairskammer vom 10. brachte Mounier die Damasker Angelegenheit zur Sprache. Er sagte: „Ich will ein Wort über die "Juden in Damaskus hinzusügen. Der Herr Conseilspräsident hat in der Deputirtenkammer gesagt, daß man nicht im Woraus über das Betragend unsres Konsuls urtheilen könne, und daß kis zum Gegenbeweise es seine Ueberzeugung sei, daß Herr Ratti-Menton verläumdet worden. Ich bin auch dieser Meinung. Zndeß hat man von Grausamkeiten, von Foltern gesprochen, die auf die Anreizung des sranz. Konsuls geschehen. Ich hoffe, daß die darüber begonnene Untersuchung mit Sorgfalt zu Ende geführt werde, und wünsche, daß sie zu Ehren unsres Agenten ausfallen werde." Der Conseilspräsident. „DieKammer kennt die Vorgänge. Ein Mönch war ermordet worden; der sranz. Konsul hat, indem er Nachforschungen anstellte, seine Pflicht gethan; in diesen Nachforschungen mußte er sich den Formen der dortigen Justiz anschließen, * **)) die leider nicht mit den französischen übereinstimmen. Aber ist es wahr, daß, wenn er selbst die Follter bewirkt hat, er sich dadurch zum Theilnehmer an den Grausamkeiten gemacht, deren die Angeklagten zum Opfer wurden?") Hierüber *) Da liegt die ganze Falschheit begraben! Herr Thiers würde also die Tortur auch anwendcn lassen, wenn sie in einem Lande gebräuchlich wäre, anstatt sich ihr zu widersetzen! Red. **) Allerdings, Herr Thiers! Kein Mensch muß die Folter zur 'Anwendung bringen lasten! Begreift man wol, wie ein Mann so fragen kann? Wir verweisen auf unfern Artikel aus Großbcittanien. Redakt.! erkläre ich, daß ich aus allen Protokollen, die mir zugekcmmen sind, bis jetzt noch keine gegründeten Vorwürfe gegen unsernKonsul wahrgenommen habe. *) Wir haben daher um so mehr zu berücksichtigen, daß seit langer Zeit eine erklärte Feindseligkeit gegen den sranz. Konsul von Seiten der fremden Agenten statt fand." „Uebrigens versteht es sich, daß, wenn die begonnene Untersuchung einigen wahren Borwurf gegen den sranz. Konsul darthun würde, die Regierung sich von seiner Sache trennen würde. Aber bis dachin, so ehrenvoll, so respektabel auch die jüdische Bevölkerung in meinen Augen ist, vermag ich nicht, ihr die Ehre eines sranzös. Agenten preis zu geben, gegen den noch kein Beweis vorliegt." Diese Erklärung Thiers' giebt dem Journ. des Döb. zu folgender Anklage Veranlassung: „Wie, fragt dieses Blatt', man hat die unglücklichen Juden in ihren Häusern verhaftet, ihren Familien entrissen und zu den schrecklichsten Qualen verurtheilt. Einige sind diesen erlegen, Andere entgingen ihnen zwar, aber verstümmelt und als Krüppel. Solche Grausamkeiten fanden unter Begünstigung und vor den Augen des französischen Consuls statt; Frankreichs Consul ließ es geschehen, ohne gegen dieses schauderhafte Verfahren zu protcstircn. Er hörte das Schreien der Opfer, und hat nicht zu den Henkern gesagt: „Haltetein!" Durch seine Gegenwart und seine ofsicielle Stellung hat er diese Gräuel begünstigt und geschützt. Hat nun, fragen wir, Frankreichs Consul aus diese Art seine Pflicht gethan? Ist das die Rolle, die dem Vertreter eines Landes geziemt, das allen andern in der'Cioilisation, Toleranz und Humanität-vorangeschritten ist? Man sagt, der Consul von Frankreich sei mit der Untersuchung dieses beklagenswerth"en Vorfalls beauftragt gewesen, und er habe sich nicht weigern können, nach den Urhebern des an einem Katholiken begangenen Mordes zu forschen. Allerdings, und wir tadeln Hrn. de Ratti-Menten auch-nicht, daß er die Nachforschungen veranlaßt hat. Wirfragen nur, ob die Tortur zu den Mitteln gehört, die der Repräsentant Frankreichs anwendcn oder befehlen lassen konnte, um zur Entdeckung der *) Das ist nicht sehr zu verwundern — von wem gingen diese Protokolle aus!! Red.