Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1840)
- Date
- 1840-07-25
- Page
- Seite 432 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3225119-3225150--02869-3312375- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
432 lung, welcher der ehrwürdige Dberrabbine vr. Herschel, wie auch der berühmte Advokat Cremieux beigewohnt"), nach Prüfung der-ihr vorgelegten Dokumente es für nöthig erachtet habe, einen Bevollmächtigten der englischen Juden nach Syrien zu senden, welcher den Herrn Cromieux, der vom französischen Central-Konsistorium der Israeliten zu dieser Reise erwählt worden, zu begleiten habe, daß sie den Herrn M. Montesiore diesen Auftrag zu übernehmen ersucht habe, und daß dieser, so wie Herr Cremieur sich bereit erklärt, zum Schutze und zur Vertheidigung der Angeklagten nach Alexandrien zu gehen. Auf den Vorschlag des Herrn Meyer Anselm von Rothschild ward hierauf beschlossen: daß diese Versammlung auf's wärmste das Benehmen der Deputaten billigt, welche so eifrig und rasch die zur Bertheidigung der verfolgten Juden in Damaskus nöthigen Schritte gethan haben, und völlig den zur Förderung dieser Zwecke von ihnen gefaßten Resolutionen beitritt. Herr Barnard van Dven nahm bei dieser Gelegenheit das Wort, er bemerkte unter Anderm in seiner gehaltvollen Rede: „Wahr ist es, daß die Verfolgung bis jetzt nur in einer Stadt Asien's wüthetz wer aber will behaupten, daß es bei. den dortigen Auftritten sein Bewenden haben wird? bis nicht durch die Wirksamkeit dieser und ähnlicher Versammlungen die gegen uns vorgebrachte Beschuldigung vollständig widerlegt, die Bosheit unsrer Feinde bewiesen und die niedrigen Beweggründe ihrer Handlungen aller Welt dargelegt sind, bis es bewiesen ist, daß diese schrecklichen Beschuldigungen nicht nur nicht wahr sind, sondern auch nicht wahr sein können! (Beifall.) — daß diese Dinge nicht nur der Praxis, sondern auch den ersten Grundsätzen unsrer ' Religionsvorschriften diametral entgegen sind. — Ich weiß, daß viele Männer, deren Urtheil ich achte, der Meinung sind, daß es nicht nur unnüthig, sondern auch unpolitisch sei, eine Widerlegung der Anklage zu versuchen, daß man sogar die Gemeinde beschimpfe, wenn man eine solche Widerlegung veröffentliche, ja, ich gestehe, daß ich mich selbst zu die- *) Auch Deutschland war durch den Herrn Dr. Löwe repräsentier. Corcesp. ser Ansicht hinneigte —; seitdem ich aber gesehen, wie in Frankreich, dem heutigen aufgeklärten Frankreich, in diesem Hauptsitze der Freisinnigkeit und Wissenschaft, die Regieren^, wenn sie auch/nicht geradezu sagt, daß sie glaubt, sich doch weigert, irgend eine Maaßregel zu ergreifen die beweist, daß sie nicht glaubt, ich sage, seit ich gesehen, daß Frankreichs Konsuln unsre eifrigsten Feinde sind, und daß die Regierung in ihrer kalten Klugheit es vorzieht, ihre Agenten in Schutz zu nehmen, statt die Sache der Humanität zu ergreifen, — seit uns selbst Herr Cremieur erklärt hat „La France est contre nous“ Frankreich ist gegen uns — seit ich diese und ähnliche Zeichen der Leichtgläubigkeit der Menschen gesehen, bin ich zu der Ueberzeugung gelangt, daß diese schreckliche Beschuldigung nicht nur so, weil sie die Juden von Damaskus betrifft, zurückgewiesen, sondern vollkommen widerlegt werden müsse, daß unsre Rabbinen—alle berühmten Rabbinen und Religionslehrer Europa's sich eidlich erklären müßten, daß sie sie für unwahr halten, daß unsre Ankläger öffentlich aufgefordert werden müßten, die Bücher vorzulegen, die dergleichen Vorschriften enthalten; endlich, daß die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Geschichte früherer Zeiten hingeleitet werden muß, wo in verschiedenen Ländern zu ähnlichen Zwecken, ähnliche Beschuldigungen ersonnen worden! Es ist nur zu wohl bekannt, daß auch England Zeiten hatte, wo den Juden Verbrechen angedichtet wurden, die denen von Damaskus an Grausamkeit nicht nachstehen, und dieselben Ursachen haben dieselben Anklagen hervorgerufen. Bigotter Religionshaß und habsüchtige Begierde nach ihren Besitzthümern — nicht Gründe schützen gegen solche Feinde, und, nahmen wir selbst an, daß sie selbst damals einen Theil der Schuld trugen — ihre Habe trug gewiß den übrigen Theil. — Es sind dieselben Motive, die wir auch jetzt in Bewegung gesetzt sehen. — Der treffliche Redner schloß mit einer Aufforderung zur Unterstützung der beabsichtigten Reise. „Darum, sagte er, daß einem Jeden Gelegenheit gegeben werde, seine Meinung darzulegen, und sein Scherflein beizutragen, seid Ihr zusammenberufen; ich sage sein Scherflein, denn nicht auf der Wage, des Geldwerths laßt sie uns wiegen — des Armen geringe Gabe wiegt auf der Wage der Barmherzigkeit gleich der bedeutendsten des mit Reichthum Gesegneten.