Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 28 (11.7.1840)
- Date
- 1840-07-11
- Page
- Seite 409 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Literatur. Archäologie. Homiletik. Literatur. De Thessalonica ejusque agro, dissertatio geographica. Scripsit Theoph. Luc. Frid. Tafel Phil. Dl. Literarum antiquurum!u regia Univers-. Tulingensi P, P. 0. etc. (Berolini apud Reimerum) 1839. (IX et 533. Appendix (cap. V) Benjamini Tudelitani itinerarium (Specimcn novae editionis) 467—520. Dieses Werk, von dem Herr Professor Hefele in der Tübinger Quartalschrist mit Recht sagt, daß es mit ungemeiner Gelehrsamkeit verfaßt sei, und um so dankbarer ausgenommen werden müsse, je größer die Erudition, der Fleiß und die Aufopferung ist, wodurch es zu Stande kam, verdient auch in hohem Grade die Aufmerksamkeit des Publikums dieser Zeitung, sowol durch daS Licht, welches in der eigentlichen Abhandlung über die Geschichte der Ju- > den in Thessalonich verbreitet wird, als in's besondere durch den obenangeführtcn Tbeil des Anhanges, in welchem ein Stück aus dem Reiseberichte des berühmtesten jüdischen Reisenden, mit einem trefflichen, ungemein gelehrten historisch geographischen Commentare versehen, gegeben wird. Was nun die Israeliten in Thessalonich betrifft, so verfolgt der Hr. Vers, ihre Geschichte, so weit die Spur derselben irgend erkennbar, von dem ersten Jahrhunderte der christl. Zeitrechnung an, wo sie in dieser Stadt sehr zahlreich waren, und ihre eigene Synagoge hatten. {XIV sqq.) Im vierten Jahrhunderte scheint ihre Lage eine sehr günstige gewesen zu sein, da eine Jüdin, deren Mann (doch wahrscheinlich auch ein Jude) einen der ersten militärischen Posten der Stadt bekleidete, ihre Magd {die Märtyrerin Matrona), welche statt mit ihrer Gebieterin in die Synagoge zu sehen, an der Thüre umkehrte, und in die Kirche emtrat, so hart zu bestrafen und so grausam zu züchtigen wagte (151). Daß im Verfolge der Zeiten, unter der Herrschaft der christlichen Byzantinischen Kaiser, der Zustand auch der Juden dieser Stadt sich verschlimmert haben dürste, vermuthet der Hr. Vers, mit vollem Rechte. Denn mochten äuch die Griechen unter den verschiedenen fremden Völkern und Glaubensgenossenschaften Hl der That die Juden am wenigsten Haffen (XVIIJ, so konnten sic doch am leichtesten, und ohne die mindeste Furcht vor Repressalien ihren Haß gegen dieselben auslassen. (514) Spuren und Beweise dieses Hasses mochte auch Benjamin von Tudela gefunden haben, als er Thessalonich besuchte, (224) daher er von dieser Stadt berichtet tr-nr-Tb rrte diöi (475), welche Worte offenbar nichts anderes sagen wollen, als daß die Juden dort in großer Bedrückung leben, und dem Herrn Vers., dem es nicht bekannt zu sein scheint, daß ni'ra in den rabbinischen Schriften auch in der Bedeutung oppressio gebraucht werde, also vergebliche Mühe gemacht haben. (S. 497 coli. c. 514)"). Trotz dieser Bedrückung waren die Israeliten in Lhessalonich doch immer sehr zahlreich, und hoben durch ihre Betriebsamkeit den Handel und die Gewerbe der Stadt (224). Besonders war dies im siebzehnten Jahrhunderte der Fall, wie dies Hadschi Chalfa, ein türkischer Schriftsteller aus jener Zeit berichtet. Wir geben hier die von dem Herrn Vers. (S. 6) mitgctheilte Hauptstelle aus dessen Werke (Rumeli et Bosna geographisch beschrieben von Mustafa Abdalla Hadschi Chalfa aus dem Türkischen von I. Hammer), so weit sie zu unserem Zwecke gehört, ganz wieder, da ihrer, so interessant sie auch ist, in keinem Geschichtswerke über die Juden Erwähnung geschieht. „Neben dem Marktplatze Londscha," *) Dieselben Worte gebraucht R. Petachia, um den Zustand der griechischen Juden zu schildern, und Herr Carmoly übersetzt sie ganz richtig: les hraelites sont reduits ä une durc captivite. S. Nwut. Journ. Asiat. T. VIII. S. 408.